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BEQUEATHED By
t^eov&e ^llUton Settch
PROFESSOR OF
Oennantc Xanouages and Xiteratures
IN THE
^30
0:37
FESTSCHRIFT
DER
GESELLSCHAFT FĂśR DEUTSCHE
PHILOLOGIE
ZUM. ZWANZIGSTEN JAHRE
IHRES BESTEHENS.
DEE FESTSCHRIFTEN ZWĂ–LFTE
FESTGABE
KARL WEINHOLD
IHREM EHRENMITGLIEDE
ZU SEINEM
FÜNFZIGJÄHRIGEN DOKTOßJUBILÄüM
DARGEBRACHT
VON DER
GESELLSCHAFT FUĂź DEUTSCHE
^ PHILOLOGIE
IN
BERLIN
m***^
LEIPZIG
O. R. REISLAND
1896.
V
*
!^
l
Inhaltsverzeichnis.
^ Seite
L Die altgermanische hundertschaft. Von Dr. Richard
Bethge 1—19
n. 1. Zur handschrift des Hildebrandsliedes 20 — 27
2. Zum dialekt des Hildebrandsliedes. Von Dr. Wil-
helm Luft 27— 30
ITT. Die Berliner Sammelmappe deutscher fragmente. Von
Dr. Willy Scheel 31— 90
IV. In dulci iubilo. Von JohannesBolte 91 — 129
V. Schillers schrift vom ästhetischen umgang. Von Paul
Kaiser 130-135
I.
Die altgermanische hundertschaft.
Von
Rleliard Betligre.
Unter den befugnissen des grofsen landdinges (condlium
civitatis) nennt Tacitus Germ. c. 12 auch die wähl von fiirsten
zu gaurichtern: eliguntur in isdem conciliis et principes, gut
iura per pagos vicosque reddunt; in Ăśbereinstimmung hiermit
weifs schon Cäsar B. Gr. 6, 23 zu melden, dafs es in den germa-
nischen Staaten in friedenszeit keine staatliche oberbehörde gebe
aufser den fiirsten der nach territorium und bevölkerung ge-
schlossenen gaue, die unter den gaugenossen die rechtspflege
zu besorgen haben: in pace nullus est communis magistraius^
sed principes regionum atque pagorum inter suos ius dicunt
coniroversiasque minuunt. „Zur raterteilung und als stütze
seines ansehens," fährt Tacitus fort, „stehen jedem gaurichter
hundert aus der gaugemeinde bestellte begleiter zur seite" :
centeni singulis ex plebe comites consilium simul et auctoritas adsunt
Die Verteilung der kompetenz zwischen dieser richterlichen
hundertschaft und dem gaufĂĽrsten ist, namentlich wenn wir
die aus den späteren nationalen rechtsquellen bekannte ge-
richtsverfassung zur veranschaulichung herbeiziehen, in den
Worten des Tacitus im ganzen klar genug ausgedrĂĽckt: die
Stellung des gaurichters ist von formaler bedeutung, er vertritt
nach aufsen hin das gericht, leitet die Verhandlung und ver-
Festschrift. X
2 Kichard Bethge.
kĂĽndet das urteil; insofern kann Tacitus mit recht von ihm
sagen ^iura reddit^ oder Cäsar ^ius dicit^ ; die wirkliche ur-
teilsfindung aber ruht bei den hundert „begleitern", aus deren
mitte nach anhörung der parteien Urteilsvorschläge gemacht
werden (consilium)j deren einer durch Zustimmung aller oder
der mehrheit zum endgiltigen urteil erhoben wird (auctoritcLs)
und alsdann, um in kraft zu treten, vom gaurichter ohne
rĂĽcksicht auf etwaige eigene abweichende meinung verkĂĽndet
werden mufs. Ist somit die thätigkeit der hundertschaft im
wesentlichen durchsichtig, so ist dagegen die form ihrer be-
stellung, die art ihrer Zusammensetzung um so dunkler; ging
sie aus freier wähl der gaugenossen hervor? übte der gaufürst
auf ihre Zusammensetzung einen einflufs? gab es einen durch
die geburt erworbenen rechtstitel auf die mitgliedschaft? Man
könnte der fragen noch mehr aufwerfen ; aber bei dem mangel
einerseits an jeder nachricht ĂĽber die richterliche hundert-
schaft aufser in der angefĂĽhrten Tacitusstelle, andererseits an
jeder analogie zu diesem gebilde in der späteren gerichts-
verfassung mĂĽssen all diese fragen fĂĽr unbeantwortbar gelten.
So einzig anscheinend steht die taciteische nachricht da, so
unvereinbar mit dem „grundgedanken der germanischen ge-
richtsverfassung", dafs die modernen systematiker des ger-
jnanischen Staatsrechtes, Juristen und historiker, um die wette
sich bemĂĽht haben, die klaren werte des Tacitus als mifs-
verstandene auffassung und wiedergäbe eines ganz anderen that-
bestandes darzustellen. Welcher art freilich der letztere gewesen
sei, darĂĽber gehen die meinungen weit auseinander ; dafs aber
überhaupt bei Tacitus ein mifsverständnis vorliege, darin
weifs man sich so ziemlich einig. Am meisten Verbreitung
hat die Waitzsche auffassung^) gefunden, dafs die territoriale
centene der fränkischen zeit bereits der urzeit angehört habe
und mit dem gau (pagus) identisch sei, der nichts sei als das
bei der ersten landnahme von einer heeresabteilung von
') Waitz, Verfassungsgesch. I^ 211 ff.
Die altgermanische hundertscbaft. g
hundert mann besetzte gebiet und eben daher den namen
„hundertscbaft" behalten habe; durch den ihm zu obren ge-
kommenen Zahlausdruck irregeleitet, habe Tacitus die gesamt-
heit der männer einer solchen hundertscbaft, d. h. eines gaues,
die an den gerichtstagen um den gaufĂĽrsten sich sammelte,
als einen hunderterausschufs aus der gaugemeinde aufgefafst.
Die haltlosigkeit der Waitzschen auft'assung hat Brunner ^)
mit inneren und äufseren gründen kurz und bündig nach-
gewiesen; besonders einleuchtend und fruchtbar ist seine an-
nähme, dafs ein „gau" das ursprüngliche niederlassungsgebiet
einer grofsen, geschlossenen heeresabteilung von 1000 mann
war, einer tausendschaft, wie wir sie — im gegensatze zu
den blofs angenommenen abteilungen von hundert mann —
bei Ost- und Westgermanen thatsächlich kennen. Uns erscheint
diese annähme als unabweisbar angesichts der thatsache, dafs
nach ursprĂĽnglich ohne zweifei gemeingermanischer Verfassung,
wie sie Cäsar B. G. 4, 1 bei den Sueben schildert, jeder gau
jährlich eine tausendschaft — aufser einer hernach zu behan-
delnden elitetruppe von hundert mann — unter den waffen
hielt. Diesen grofsen und geschlossenen heeresabteilungen
gegenüber, die wir bei den Ostgermanen auch noch aus späterer
zeit kennen, stehen die militärischen hundertschaften als
durchaus unselbständige und untergeordnete verbände da,
denen wir schon aus diesem gründe — anderer, der alt-
germanischen agrarverfassung entnommener grĂĽnde hier zu
geschweigen — nicht die fähigkeit zuschreiben können, bei
der landnahme ein gröfseres geschlossenes gebiet, einen gau,
zu dauerndem anbau zu okkupieren. In den gerichtlichen
hundertschaften nun sieht Brunner rein persönliche, ohne jede
rücksicht auf lokale Zusammengehörigkeit der mitglieder ge-
schaffene verbände, deren es in jedem gau eine gröfsere anzahl
gegeben habe; jeder dieser verbände habe seine eigenen ge-
richtstage gehabt, an denen sich die gesamte gerichtsgemeinde,
^) Deutsche rechtsgeschichte I § 16, anm. 13.
1
4 Richard Bethge.
eben die hundertschaft , um den ganrichter versammelt habe.
Aber dieser auffassung, die späteren einrichtungen zu Hebe
erdacht ist, fehlt in den werten des Tacitus jeder boden. Von
anderen minder bedeutenden versuchen, das angebliche „mifs-
verständnis" des Tacitus aufzuklären, sehen wir hier ab; den
ausweg aus der Verlegenheit, den der neueste darsteller der
deutschen urzeit^) gefunden hat, die angäbe des Tacitus ein-
fach als keine beachtung verdienend zu ignorieren, mit aus-
drĂĽcklicher ablehnung der versuche, sie aus einem mifs-
verständnis zu erklären, erwähnen wir nur als kuriosum. Den
ausgangspunkt fĂĽr das urteil dieser rechtssystematiker bildet
stets die Wahrnehmung, dafs ein solcher „gerichtsrat" innerhalb
der einzelnen gaue, wie ihn Tacitus behauptet, unvereinbar
sei mit dem grundgedanken der germanischen gerichts-
verfassung, welcher gebieterisch den zusammentritt der ganzen
gerichtsgemeinde zum gerichtshofe erheische. Uns läfst diese
behauptete Unvereinbarkeit der taciteischen hundertschaft mit
dem grundgedanken der germanischen gerichtsverf assung völlig
kalt ; es läge ja nahe, diesen als das ergebnis einer entwicklung
in den Jahrhunderten zwischen Tacitus und den ältesten auf-
zeichnungen germanischer volksrechte aufzufassen, aber wir
verzichten auf diese ausflucht, erkennen vielmehr bereitwillig
die mitwirkung der, gesamten gerichtsgemeinde bei der recht-
sprechung bereits der taciteischen zeit zu; das landding als
träger der hohen gerichtsbarkeit (Germ. c. 12) ist ja der hand-
greifliche beweis dafĂĽr. Das irrt uns nicht. Eine historisch
gewordene Verfassung ist in keinem Zeitpunkte ihres bestehens
ein widerspruchslos aus einem „grundgedanken" abgeleitetes
System, wie es als ideal lediglich in den köpfen der rechts-
theoretiker lebt, sondern enthält stets einander widersprechende
demente vergangener und keime zukĂĽnftiger entwieklungsstufen.
Die demĂĽtigen formen, unter denen in England die bestellung
^) W. Schnitze in Grutsche u. Schultze, Deutsche geschichte
von der urzeit bis zu den Karolingern I 332.
Die altgermanische hundertschaft. 5
zu dem wichtigen amte des Sprechers vollzogen wird, stehen
auch mit dem grundgedanken der heutigen englischen Ver-
fassung in schroffem Widerspruch, bestehen aber thatsächlich
als Ăśberreste aus einer zeit, in der die machtverteilung zwischen
kröne und parlament ganz anders war als heute. Die Ver-
fassung der preufsischen militärgerichte ist längst unvereinbar
befunden mit dem grundgedanken der modernen rechtspflege ;
hebt das die realität dieser militärgerichte auf? Wir erkennen
die so anstöfsig befundene gerichtsbarkeit der hundertschaft
als eines ausschusses aus der gaugemeinde in Ăśbereinstimmung
namentlich mit dem nĂĽchternen philologischen bearbeiter der
^ urdeutschen StaatsaltertĂĽmer", Baumstark, rĂĽckhaltlos an.
Sie steht im Widerspruch zu der sonstigen geriehtsverfassung ;
schön, folglich mufs sie aus den bedürfnissen einer früheren
â– entwicklungsperiode begriffen werden. Wir sehen ihren Ur-
sprung in der wanderverfassung. Als noch jährlich innerhalb
der einzelnen gaue der allgemeine flurwechsel, verbunden mit
allgemeinem umzug der geschlechtsverbände, stattfand, bedurfte
«s zur leitung der ackerverteilung einer dem gauoberhaupt
(princeps) bei- oder untergeordneten behörde, deren Cäsar
B. G. 6, 22 ausdrĂĽcklich gedenkt: neque quisquam agri modum
^ertum aut fines habet proprios; sed magistratus ac prm'
dpes in annos singuhs geniibus cognationibusgue hominum^ qui
una caiertmtj quantum et quo loco visum est agri attribmmt
atque anno post alio transire cogunt. Diese behörde mufs, da
die ackerverteilung und der allgemeine umzug natĂĽrlich
zahlreiche Streitigkeiten mit sich brachte, die nicht erst vor
dem nächsten ungebotenen oder gebotenen ding verhandelt
werden konnten, sondern eine sofortige — wenigstens vor-
läufige — erledigung erheischten, notwendigerweise gewisse
polizeiliche und richterliche befugnisse gehabt haben. Es scheint
uns ganz selbstverständlich, dafs sie dem princeps, wenn er
als gaurichter gerichtstage abhielt und Streitsachen beilegte —
wie das Cäsar ein paar zeilen weiter in der oben s. 1 aus-
gehobenen stelle schildert — , in genau derselben weise ak
6 Eichard Bethge.
consilium simĂĽl et auctoriias beistand wie die centeni bei Tacitus.
Kurz und gut, die richterliche hundertschaft des Tacitus ist
nichts anderes als die den jährlichen flurwechsel leitende „be-
hörde" (mdgistratus) Cäsars; dafs bei ihr die richterliche
thätigkeit in den Vordergrund gertickt ist, während die leitung
des flur- und Wohnungswechsels bei Tacitus unerwähnt bleibt^
ist eine natĂĽrliche folge des grofsen fortschritts , den die
agrarische Verfassung der Germanen zwischen Cäsar und Tacitua
' gemacht hatte, infolgedessen der jährliche flurwechsel auf die
dorfgenossen beschränkt und nicht mehr mit einem Wohnungs-
wechsel verbunden war. Seinen Ursprung aber wird dieser
ausschufs aus der gaugemeinde in viel frĂĽhere zeit zurĂĽck-
führen, in die Jahrhunderte, während welcher germanische
Stämme allmählich die norddeutsche tiefebene in ihrer ganzen
ausdehnung besetzt haben. Aus den bedĂĽrfnissen des auf
kriegerischen landerwerb ausziehenden volksheeres war die
institution erwachsen, dass jede grofse, in sippenverbände ge-
schlossene heeresabteilung (tausendschaft), die nach eroberung
eines ausreichenden gebietes einen bestimmt abgegrenzten teil
(einen gau) zu dauerndem anbau ĂĽbernehmen sollte, einen aus-
schufs von hundert mann irgendwie kreierte, der bei der Wan-
derung die Ordnung im zuge aufrecht erhielt, bei der landnahme
die aufteilung der feldflur leitete und in beiden lagen die not-
wendigerweise zahlreichen Streitigkeiten entschied , schliefslich
auch diese polizeilichen und richterlichen befugnisse in fried-
liche Zeiten hinĂĽbernahm.
Ist der gedanke, der uns bei dieser ausfĂĽhrung geleitet
hat, richtig, so fĂĽhrt er uns noch weiter. In der germani-
schen Urzeit ist zwischen volk und beer kein unterschied; ein
auf landerwerb ausziehendes volk ist nichts als ein marschie-
rendes beer mit grofsem trofs ; seine Organisation ist militärisch ;
dem mit polizeih'ch-richterlichen befugnissen ausgestatteten
hunderterausschufs mufs, das erfordert die logik der thatsachen
unabweislich , ein hervorragend militärischer Charakter bei-
gewohnt haben, auf dem ihre in friedliche Verhältnisse mitüber-
Die altgermanische hundertschaft. 7
nommene polizeilich-richterliche gewalt beruhte und aus dem
die Sonderstellung der richterlichen hundertschaft gegenĂĽber
der sonstigen gerichtsverfassung verständlich wird. Kurz, von
diesem gesichtspunkt aus erscheint die identität der richter-
lichen hundertschaft mit der militärischen hundertschaft der
gemischten elitetruppe (TacT. Germ. c. 6, Cäs. B. G. 1, 48) un-
abweisbar. Der gedanke ist nicht neu: Gaupp^) hat ihn
zuerst ausgesprochen, Gemeiner^) und Nitzsch^) haben ihn,
indem sie noch ganz unzulässigerweise den comitatm (Germ,
c, 13) mit der hundertschaft zusammenwarfen, weiter aus-
geführt, ohne ihn jedoch fruchtbar machen zu können, weil
sie nicht in dem cäsarischen magistratus die richterliche
hundertschaft wiedererkannten und demgemäfs nicht von der
thätigkeit dieser behörde bei der ackerverteilung ausgingen,
sondern den princeps als den lebendigen mittelpunkt der in-
stitution auffafsten und in den Vordergrund der betrachtung
stellten. Baumstark*) lehnte die Identifikation der beiden
institute sehr energisch ab, vom Standpunkte einer blofs
„schützenden erläuterung der Germania" mit recht: weder
Cäsar noch Tacitus denken auch nur im träum an die iden-
tität der richterlichen behörde und der elitetruppe. Wir
kommen darauf noch zurück, fassen aber zunächst diese ge-
mischte elitetruppe etwas schärfer ins äuge.
Von der Verwendung der aus reitern und fufsgängern kom-
binierten truppe in der schlacht giebt uns Cäsar B. G. 1, 48 ein
anschauliches bild : „Ariovist hielt die ganze zeit über" — d. h.
fünf tage hindurch, an deren jedem Cäsar sein beer in schlacht-
') Die germ. ansiedlungen etc. in den provinzen des röm. west-
reichs s. 145 f. Das alte gesetz der ThĂĽringer s. 106.
2) Verfassung der centenen s. 78 ff.
^) Geschichte des deutschen Volkes 1, 68. — Die anmerkung, mit
welcher der herausgeber der Nitzschschen Vorlesungen seines meisters
meinung stützen will (s. 74 ff), hätte dem schönen buche erspart bleiben
können.
*) Urdeutsche Staatsaltertümer s. 517. Ausführl. erläut, s. 499.
g Richard Bethge.
Ordnung den Germanen gegenüber aufstellte — „sein beer im lager
zurück, lieferte jedoch täglich reitertreffen. Die kampfesart, auf
die sich die Germanen eingeĂĽbt hatten, war folgende. Es waren
6000 reiter und ebenso viele besonders behende und tapfere fufs-
gänger, von denen sich jeder reiter seinen mann zu seiner per-
sönlichen deckung aus der ganzen heeresmasse ausgewählt hatte.
Sie gingen mit den reitern zusammen vor; auf sie zogen sich
die reiter zurück ; sie traten geschlossen vor, wenn der kämpf
ernster wurde; war der reiter öchwer verwundet und stürzte
vom pferde, so bildeten sie einen kreis um ihn. Galt es
weiter vorzurĂĽcken oder etwas eilig zurĂĽckzuweichen, so war
ihre durch ĂĽbung erworbene Schnelligkeit so grofs, dafs sie,
sich leichthin an den mahnen der pferde haltend, gleichen
schritt mit ihnen hielten." Besonders heben wir die nicht
immer beachtete angäbe hervor, dafs die elitefufsgänger von
den reitern selbst aus der gesamtmasse des heeres ausgewählt
worden; als selbstverständlich betrachten wir es dabei, dafs
jeder reiter sich seinen begleiter aus dem aufgebet des gaues,
dem er selbst angehörte, auszusuchen hatte. Denn, wie uns
Tacitus (Germ. c. 6) meldet, stellte jeder gau eine abteilung,
und zwar von hundert mann, zur kombinierten truppe: m
Universum aestimanti plus penes pediiem roboris; eoque mixii
proelianiur apta et congruente ad equcsirem pugnam velocitaie
peditumj quos ex omni iuventute delectos ante aciem locant. de-
finitur et numerus : centeni ex singulis pagis sunt^ idque
ipsum inter mos vocamtur, et quodprimo numerus fuit^ iam nomen
et honor est. Hundert mann stark also ist die zur elitetruppe
gestellte abteilung jedes gaues; denn nur dies, man mag sagen
was man will, kann der sinn der vielbesprochenen worte
^centeni ex singulis pagis sunt^ idque ipsum inter suos vocantur^
sein. Gegen die auffassung J. Grimms^) und anderer, dafs
nur die mit den reitern kombinierten fussgänger „hundert-
^) Geschichte der deutschen spräche s. 491 (2. aufl. s. 343).
Die altgermanische hundertschaft. 9
Schaft" genannt worden seien, machte MĂĽllenhofF^) mit vollem
recht geltend, dafs ja dann die so eigentĂĽmlich zusammen*
gesetzte truppe als ganzes und in ihr der vornehmere teil,
die reiter, ohne benennung bleiben wĂĽrden. Gegen die letztere,
ganz selbstverständliche, behauptung, dafs die reiter der vor-
nehmere teil der mischtruppe seien, hat sich Baumstark ^) un-
gemein ereifert: die reiter seien eben nichts als „gewöhnliche
reiter" gewesen, und die so eigentĂĽmlich ausgebildeten fufs-
ganger vielmehr der vornehmete, angesehenere teil, der des-
wegen einen besonderen, allmählich zum ehrentitel gewordenen
namen erhielt; leider ĂĽbersah nur Baumstark in blindem
eifer, seinen autor vor vermeintlicher Vergewaltigung zu
schützen, gänzlich Cäsars wichtige nachricht, dafs jeder dieser
reiter sich seinen begleiter selbst aus der ganzen heeresmasse
aussuchte, und dafs, wenn die mischtruppe in fremde dienste
trat, der reiter doppelt so hohen sold als sein begleiter er-
hielt®), in der heimat also wohl durch doppelt so hohes wer-
geld geschĂĽtzt war. Auch wenn wir, ohne rĂĽcksicht auf das
sachlich notwendige, nur die satzfiigung betrachten, ist es
keineswegs, wie selbst MĂĽUenhoff meinte, natĂĽrlicher, cenient
nur auf pedites zu beziehen. Allerdings beziehen sich ja die un-
mittelbar voraufgehenden worte quos ex omni iuventute delectos
ante ädern locant grammatisch a.xi{ peditum, aber thatsächlich
schwebt bei ihnen doch dem autor die ganze gemischte truppe vor:
nicht fĂĽr sich allein, sondern eben mit ihren reitern zusammen
werden die fufsgäpger vor dem keil aufgestellt. Müllenhofis
') In Haupts zeitschr. 10, 552 f.
2) Ausführl. erläut. s. 341 f.
^) Liv. 44, 26 fährt, nachdem er die gemischte fechtweise der
Bastemen, die er nach ungenauem Sprachgebrauch Gallier nennt, ge-
schildert, fort : hi pacti erantj eques denos praesentes aureoSj pedes quinos,
mĂĽle dux eorum, vgl. s. 14 anm. 1. Ăśber den sold berichtet dasselbe Appian
Maced. 18 (ed. Mendelssohn 1, 344): ^66xh . . . t^ riyefiovi So&rjvai /t-
Xlovs XQvaovg OTarrJQas, inner d * ixdoTq) (T^xa, xal ra rifxCow ne^^. (Plut.
Aem. c. 12 erwähnt nur den sold des fuhrers.) — Die wertvolle notiz
scheint niemand beachtet zu haben.
10 Richard Bethge.
versuch, aus den zahlenverhältnissen in Ariovists beer —
6000 reiter und 6000 fufsgänger der mischtruppe aus den
hundert Suebengauen — durch die annähme, dafs bei den
100 gauen an das germanische grofshundert (120) zu denken
sei, die elitetruppe des gaues als aus 50 reitem und 50 fufs-
gangem bestehend nachzuweisen, beruht offenbar auf unsicherer
grundlage; denn was hindert uns, bei der zahl der gaue an
das decimale hundert, bei der hundertschaft dagegen an das
grofshundert zu denken? Eher darf man daran erinnern,
worauf Scherer ^) gelegentlich hingewiesen hat, dafs bei den
Goten anscheinend ein besonderer ausdruck fĂĽr eine abteilung
von 50 menschen hestSLuditewi; das wort heifst an sich nur „schar,
Ordnung" (vgl. teua gaUt4)jan) und kann schlechterdings nur aus
der militärischen terminologie herstammen; wo aber könnte
es im beer aufser in der gemischten truppe abteilungen von
50 mann gegeben haben? Auch daran mag erinnert werden,
dafs die kopfzahl der gemischten truppe der Basternen — darüber
nachher — , 20000 mann, nicht durch 120 teilbar ist. Dennoch
scheint es uns zweckmäfsiger , die frage offen zu lassen, ob
die militärische hundertschaft aus je fünfzig oder je sechzig
fufsgängern und reitern bestand.
Wichtiger ist die frage nach dem Ursprung dieser eigen-
tümlichen institution. Wenn Cäsar bei der belagerung von
Alesia (B. Gr. 7, 80) die erfahrung macht, dafs die Gallier
zwischen ihre reiterei hier und da pfeilschĂĽtzen {raros sagittarios)
und leichtbewaffnete einreihen und wenn auch sonst von keltischen
und anderen stammen ähnliches berichtet wird ^), so kann eine
solche gelegentliche truppenmischung allerdings die grundlage
der germanischen einrichtung gewesen sein, nicht aber ohne
weiteres mit ihr identifiziert werden. Eher vergleichen läfst
sich eine kampfweise, die Strabo^) bei den Iberern erwähnt,
') Zur gesch. d. deutschen spräche ^ s. 591; doch vgl. J. Schmidt,
Urheimat der Indogermanen s. 28 ff.
2) Hehn, Kulturpflanzen und haustiere ^ 46 ff.
^) Geogr. 3, 4, 18 (p. 165): Oifx Miov di t(ov ^IĂźriQmv ov^h tovto ai)vdvo
iq) Vtitkov xofA^C^atftti, xara J^ raff (xa^ag rov €T€qov nsCov ayonfC^aoB-ai,
Die altgermanische hundertschaft. U
dafs auf jedem pferde zwei leute ritten, von denen der eine
im kämpfe absafs und zu fufs kämpfte; eine ähnliche fecht-
weise hätte Alexander der grofse nach Curtius Rufus^) bei
den Dahern kennen gelernt. Immer aber bleibt zwischen dieser
Sitte und der germanischen ein tiefer unterschied bestehen.
Nichts deutet darauf hin, dafs wir es bei jenen misch truppen
anderer Völker mit einem vor der schlachtreihe aufgestellten
elitekorps wie bei den Germanen zu thun haben, nichts
darauf, dafs die mischtruppe zu dem gesamtaufgebot in einem
festen Zahlenverhältnis stand wie die germanische hundert-
schaft. Dieser charakter einer elitetruppe, die auswahl der
fussgänger durch die reiter selbst, ferner die thatsache, dafs
in der hundertschaft die sonst in der germanischen heeres-
ordnung geltende Zusammenordnung der versippten und ver-
schwägerten aufgehoben ist, zeigen, dafs die militärische
hundertschaft kein blofs naturwĂĽchsiges gebilde, sondern das
ergebnis militärischer Überlegung war. Wir dürfen und müssen
nach dem besonderen entstehungsgrunde der germanischen
einrichtung fragen; er erscheint uns nicht un erforschbar. Um
es kurz zu sagen, das Verhältnis zwischen reiter und fufs-
gänger in der hundertschaft entspricht ganz genau dem zwischen
Wagenlenker und wagenkämpfer , wie wir es auf den reliefs
und Wandgemälden der assyrischen und ägyptischen könige,
im homerischen epos und bei den Kelten finden. Hier wie
dort haben wir eine vor der grofsen heeresmasse aufgestellte
vornehme spezialtruppe , hier wie dort die kunstmäfsige Ver-
bindung des fufskämpfes mit dem gebrauch des streitrosses^
hier wie dort die ständige kooperation eines vornehmen kriegers
mit einem von ihm ausgewählten minder vornehmen,
aber vor der grofsen masse ausgezeichneten begleiter. Leicht
würde sich die germanische mischtruppe als naturgemäfse ent-
^) 7, 32: Equi hinos armatos vehunty quorum invicem singuli repente
desiUunt, equestris ptignae ordinem tv/rbant: equorum velocĂĽati par [est
hominum pemicĂĽas.
12 Richard Bethge.
Wicklung aus einer frĂĽheren kriegfĂĽhrung mit Streitwagen
herleiten lassen, wenn diese je bei den Germanen bestanden
hätte. Dafs zu der feier des angeblichen sieges, den üaligula
^ber die Germanen davongetragen, unter der germanischen
beute auch Streitwagen ausgestellt wurden *) , wird niemand
fUr ein ernsthaftes zeugnis halten; es beweist wie die ganze
lächerliche inscenierung des germanensieges lediglich, was für
frechen Schwindel man dem römischen pöbel offiziell bieten
durfte und wie wenig klare begriffe von der Verschiedenheit
der Germanen und Kelten man damals noch, trotz Cäsar, in
Rom hatte; die „germanischen kriegs wagen** waren natürlich
gallischen Ursprungs. Hätten die Germanen jemals diese
imposante, durchaus aristokratische waffe in ihrem heerwesen
gefĂĽhrt, sie wĂĽrden sie nicht in einer zeit aufgegeben haben,
welche gerade die anfange einer aristokratie in leben und
Verfassung entwickelte ; ihre kriegskunst stand nicht auf solcher
höhe, dafs sie den Streitwagen, wenn sie ihn je geführt, nur
•deswegen abgeschafft hätten, weil er der römischen kriegs-
kunst gegenĂĽber nur ein inane ludibrium^) war. So
kann denn die germanische mischtruppe nicht ein in der ein-
heimischen heeresverfassung entwickelter ersatz fĂĽr den ehe-
maligen kriegswagen sein; wir glauben daher, dafs das Vor-
bild des gallischen kriegswagens für die Schöpfung oder aus-
bildung der germanischen spezialwaffe mafsgebend war. Bei
den Kelten war der kriegswagen lange in gebrauch gewesen,
Cäsar hat mit ihm in Britannien zu schaffen gehabt und noch
mehr als 100 jähre nach ihm des Tacitus Schwiegervater
Agricola. Die Germanen haben dasjenige dement der kel-
1) Pers. sat. 6, 43 ff. :
missa est a Caesare laurus
insignem oh cladem Germanae pubis, et aris
frigidus excutĂĽu/r cinis, ac iam postihus cmna,
iam chlamydes regum, iam lutea gauaapa captis
essedaque ingentesque locat Caesonia Bhenos.
«) Livius 37, 41.
Die altgermanische hundertsehaft. X3
tischen kriegführung , das ihnen bei ihren beständigen zu-
sammenstöfsen mit den Kelten besonders furchtbar wurde^
ihren einfacheren Verhältnissen gemäfs in der parabatenreiterei
nachgebildet. Die enge berĂĽhrung zwischen der keltischen
Wagentruppe und der germanischen mischtruppe wird am
augenscheinlichsten, wenn man die unterschiede des keltischen
Wagenkampfes von dem orientalischen und homerischen ins
äuge fafst. Hier steht der wagenlenker dem parabaten, der
wie die gefilhrlichere so auch die vornehmere Stellung von
beiden einnimmt, als diener gegenĂĽber, bei den Kelten aber
ist es nach dem zeugnis des gerade hierüber authentisch —
aus dem munde seines Schwiegervaters — unterrichteten Tacitus
umgekehrt: honestior auriga^ cUentes propugnant^). Ganz so
ist es bei den Germanen: der vornehme reiter erhält nach
eigener wähl und im wesentlichen zu seiner deckung (sucie
salutis causa bei Cäsar B. G. 1, 48!) einen fufsgänger als
parabaten ĂĽberwiesen. Aber auch die weise des keltischen
Wagenkampfes, wie sie Cäsar (B. G. 4, 33. 5, 16) anschaulich
beschreibt, weicht doch von der uns aus Homer bekannten
orientalisch-griechischen art merklich ab, zeigt dagegen die
allergröfste Übereinstimmung mit der gemischten fechtweise
der Germanen ; man vergleiche Cäsars Schilderung der letzteren
(s. oben s. 7 f.) mit seiner Schilderung des britischen wagen-
kampfes B. G. 4, 33 : Genus hoc est ex essedis pugnae. Primo
per omnes partes perequitant et tela coniciunt atque ipso terrore
equorum ei strepitu rotamm ordines plerumque perturbant, et
cum se inter equitum turmas insinuaverunt, ex essedis desiliunt
et pedibus proeliantur. Äurigae interim ex proelio exceduni
atque ita currus collocant^ ut si Uli a multitudine hostium
1) Tac. Agric. c. 12. — Diesem zeugnis gegenüber kann die mei-
dung Diodors 5, 29, dafs die Gallier „sich aus den unbemittelten freie
diener gegen sold aussuchten, die ihnen als wagenlenker und Schild-
träger in der schlacht dienten^, nur als unpassende Übertragung home-
rischer Verhältnisse auf die andersgearteten gallischen betrachtet werden.
14 Richard Bethge.
premantur^ expeditum ad suos recepium habeant Ita mobili'
tatem equitum^ stabilitatem pedttum in proeliis praestantj ac
tantum usu cotidiano et exercitatione efficiuntj uti in dedivi ac
praecipiti loco incitaios equos sustinere et hrevi moderari (zc
flectere et per temonem percurrere et in iugo insistere et se inde
in currus citissime recipere consuerint. Ist demnach die kunst-
mäfsige ausbildung der gemischten fechtweise bei den Q-er-
manen auf den einfiufs der gallischen kriegskunst zurĂĽckzu-
fĂĽhren , so wird doch dadurch die frĂĽhere existenz eines be-
rittenen elitekorps nicht geleugnet, sondern vielmehr als not-
wendige geschichtliche Voraussetzung und grundlage der
neuerung erwiesen ; die alte berittene hundertschaft wurde
unter konsequenter erweiterung der unzweifelhaft seit ältester
zeit geübten sitte gelegentlicher beimischung von fiifsgängern
zu der aus Cäsar und Tacitus bekannten gemischten hundert-
schaft umgebildet Auch die zeit dieser wichtigen militärischen
neuerung können wir noch ziemlich genau bestimmen: sie
wurde etwa um die mitte des dritten Jahrhunderts v. Chr.
eingeführt Wir finden diese institution bereits im jähre 168
bei dem ans schwarze meer vorgedrungenen ostgermanischen
stamm der Basternen ausgebildet, als ihr heerkönig Clondicus
mit könig Perseus von Makedonien über die gestellung eines
bastemischen hilfskorps von 10000 reitern mit ihren parabaten
— diesen dem wagenkampf entlehnten ausdruck wendet
Plutarch^) hierbei an — verhandelte^). Die Basternen müssen
diese institution aus der heimat bereits mitgebracht haben,
mithin war sie um 200 v. Chr. bei den Germanen bereits
verbreitet. Es kommt nun zunächst darauf an, das alter der
keltischen kriegswagen festzustellen. Die öfter ausgesprochene
meinung, die Kelten hätten erst infolge ihrer grofsen Wanderung
1) Aem. Paul. c. 12. Ihre fechtweise schildert Livius 44, 26, der
jedoch nach verwirrtem Sprachgebrauch die Basternen Gallier nennt,
vgl. s. 9, anm. 2.
2) MĂĽllenhoff in Haupts Zeitschr. 10 , 552 f. Deutsche altertums-
kunde 2, 105.
Die altgennanische hundertschaft. 15
in den osten von den orientalischen Völkern die sitte des
Wagenkampfes angenommenj*) , ist zu verwerfen; denn un-
verdächtige Zeugnisse beweisen, dafs die Gallier gerade des
alpengebietes und der alpenvorlande den kriegswagen schon
einige Jahrzehnte frĂĽher kannten. Die annalistische Ăśber-
lieferung^) hielt die erinnerung fest, dafs die Gallier, die in
der Schlacht bei Sentinum (295 v. Chr.) mitfochten, auch
kriegswagen führten, während bei den früheren einfkllen
der Gallier nichts von kriegswagen verlautet. Denmach darf
das aufkommen der kriegswagen bei den Galliern in die
letzten Jahrzehnte des vierten Jahrhunderts gesetzt werden.
Hierzu stimmt es aufs beste, dafs in den fundstätten der La
Tene-periode , in La Tfene selbst, aber auch in der Tiefenau
im kanten Bern reste von Streitwagen gefunden sind^). Der
Streitwagen mufs geradezu als eins der charakteristischen
stĂĽcke der La Tene-kultur gelten; woher er den Kelten zu-
gekommen ist oder ob sie ihn, was einstweilen am wahr-
scheinlichsten dĂĽnkt, selbst erfunden haben, bleibe dahin-
gestellt. Orientalische einflĂĽsse sind nicht erkennbar: zu den
oben (s. 13) bemerkten unterschieden des keltischen und
orientalisch - griechischen wagenkampfes kommt noch der
wesentlich abweichende bau des gallischen Streitwagens, wie
wir ihn auf römischen münzen abgebildet sehen*), hinzu: es
fehlt jede brüst ung, so dafs sich der kämpf er vom hinteren
wagenende bis zur deichselspitze vorwärts und rückwärts
bewegen kann (vgl. dazu Cäsars werte „per iemonem percurrere
et in it4go insistere'* oben s. 13). Daneben kommen allerdings
auch wagen mit brĂĽstungen vor: so sehen wir auf einer
münze ^) den wagenkämpfer dargestellt, wie er, mit dem
^) z. B. Hehn, Kulturpflanzen und haustiere ^ s. 49.
2) Bei Livius 10, 28. 30.
3) Hoernes, Urgeschichte des menschen s. 637. 639.
*) Babelon, Description historique etc. des monnaies de la r^publique
Romaine 1, p. 243. 436.
^) Bei Babelon a. a. o. s. 552.
X6 Richard Bethge.
rĂĽcken to die brĂĽstung gelehnt^ sich gegen verfolgende feinde
verteidigt, während der wagenlenker die pferde zu schleunigem
laufe antreibt; auf diese Verschiedenheit der wagenformen
mögen wohl die verschiedenen keltischen namen esseda und
covinus hinweisen ^). — Ist die gemischte elitetruppe der Ger-
manen eine nachbildung der keltischen wagentruppe, so kann
nach den eben gemachten ausfĂĽhr ungen ihre ausbildung nicht
wohl erheblich vor 250 v. Chr. fallen, mufs sich dann aber,
wie militärische neuerungen oft, schnell verbreitet haben.
Eben in diese zeit aber fällt, wie Kossinna schön gezeigt hat ^)
und noch weiter auszufĂĽhren gedenkt, die germanische be-
setzung des tieflandes von der Weser bis zum Rhein; in den
fortgesetzten kämpfen mit den keltischen stammen, die bis
dahin auf diesem boden gesessen hatten, hat die neue ein-
richtung ihre feuerprobe bestanden. Sie ist ein eckpfeiler der
altgermanischen heeresorganisation und taktik geworden; ihre
brauchbarkeit wird durch nichts besser illustriert als durch
die ihr widerfahrene ehre, von römischen feldherren seit Cäsar®)
wiederholt nachgeahmt zu werden. Die ältere form des elite-
korps aber war die berittene hundertschaft gewesen; ihr
Ursprung mag in die ferne vorzeit fallen, als von den Ger-
manen die reitkunst zuerst ausgeĂĽbt und in den dienst des
krieges gestellt wurde.
Wir kehren von dem militärischen elitekorps der hundert-
schaft zu der polizeilich- richterlichen behörde der hundert-
schaft zurĂĽck. In ihr erkannten wir ein organ der wander-
verfassung, erwachsen aus den bedĂĽrfnissen eines auf land-
1) NĂĽtzliche bemerkungen ĂĽber alter, bau und Verbreitung der
gallischen Streitwagen bei Mazard, Revue arch^ol. 33 (1877) 154 ff.
217 ff. Nicaise, L*^poque gauloise dans le d^part. de la Marne (1884)
s. 7 ff. 53 ff. Daremberg et Saglio, Dictionnaire des antiquitds etc.
I 2, s. 1551 b (s. V. covinus) und II 1, s. 815 b ff. (s. v. esseda).
2) Beitr. z. gesch. d. deutsch, spräche u. litteratur XX, 297.
8) B. C. 3, 75. 84.
Die altgermanische hundertschaft. 17
erwerb ausziehenden und nach geschehener landnahme zu
dauernder ansässigkeit tibergehenden volksheeres, mufsten ihr
somit einen eminent militärischen charakter als ursprünghch
zuerkennen. Zwei militärische ausschüsse von je 100 (resp. 120)
mann aus der gesamtheit der in der tausendschaft militärisch
organisierten gaugenossen (ev. kĂĽnftigen gaugenossen) sind
unmöglich; die berittene hundertschaft oder in jüngerer Um-
bildung das parabatenreiterkorps und die richterliche hundert-
schaft sind ursprünglich ein und dieselbe körperschaft, die im
kriege als elitetruppe, im frieden als richterkoUegium fungiert,
bei einem wandernden stamme aber in einer eigentĂĽmlichen
doppelnatur erscheint. Von dieser doppelnatur sowie von der
ganzen art, wie sich die Wanderung eines auf landerwerb aus-
ziehenden Stammes gestaltete, gewinnen wir, wenn wir uns
unsere auffassung in all ihren folgen zu veranschaulichen
suchen, ein höchst lebendiges bild. Der ganze stamm ist in
grofse, durch Verwandtschaft zusammengehaltene abteilungen
gegliedert, deren jede bei der späteren landnahme ein ge-
schlossenes gebiet, einen gau, einnehmen soll und rund tausend
kampffähige männer mit ihren familien umfafst ; die bewaffneten
männer ziehen in geschlossenem zuge voran, hinter ihnen die
herden und die von rindern gezogenen wagen mit der habe
und den nichtkombattanten ; jede dieser abteilungen ist um-
geben von einer hundertschaft auserlesener männer, die zu
rofs den zug umschwärmend die gegend erkunden, vor ge-
fahren auf der hut sind, etwaigen ĂĽberfallen eine erste ab-
wehr leisten, zugleich als polizei in dem zuge selbst mit
seinen unvermeidlichen Stockungen und Streitigkeiten die
Ordnung aufrecht erhalten, im falle dauernder niederlassung
aber innerhalb des gaues bei der landnahme und dem jähr-
lichen flurwechsel die ackerverlosung an die sippenverbände
leiten und bei den kleineren rechtsstreitigkeiten als richtende
behörde entscheiden. Man mag sich denken, dafs schon
diese älteste hundertschaft in zwei, sich — etwa zu tag- und
Festschrift. 2
18 Richard Bethge,
nachtdienst — ablösende abteilungen von je fünfzig (oder
sechzig) mann eingeteilt war.
Es ist nun nicht notwendig, anzunehmen, die einrichtung,
dafs die mitglieder der elitetruppe im frieden ein richter-
koUegium bildeten, habe sich tiberall und dauernd erhalten.
Die anforderungen, welche dauernde niederlassung und feste
sefshaftigkeit an die richter stellen liefs, konnten, ja mufsten
andere sein als in der wanderzeit; gereiftes alter, erfahrung
und besonnenheit mufsten für das amt schätzbarer sein als
die kriegerischen tugenden, die zur aufnähme in die elite-
truppe befähigten. Die Verfassung der Sueben, wie sie Cäsar
schildert, gewährt einen einblick in veränderte Verhältnisse.
Die agrarische Verfassung und die heeresorganisation er-
scheinen hier in engster beziehung; jährlich hält jeder gau
eine tausendschaft aufser landes unter den waffen, um sie im
nächsten jähre an den pflüg zurückzurufen und eine andere
tausendschaft zum kriegsdienste zu entsenden. Das im felde
stehende aufgebet des gaues hat seine elitetruppe bei sich,
während doch der gau daheim um des flurwechsels und der
regelmäfsigen feldbestellung willen die richterliche behörde
nicht entbehren kann; eine Verdoppelung, wenn nicht Ver-
dreifachung oder vervierfachung der ursprĂĽnglichen hundert-
Schaft — je nach der zahl der Jahrgänge des gauaufgebots —
scheint also vorzuliegen. Nun ist es ja möglich, dafs bei der
richterlichen hundertschaft der militärische charakter nur
latent geworden war, aber wieder aktuell wurde, wenn beim
Jahreswechsel ein neuer Jahrgang ins feld rĂĽckte und sie
diesen als elitekorps begleitete, während das mit dem früheren
jahrgange heimkehrende elitekorps richterliche funktionen
antrat. So könnte es vielleicht gewesen sein; es ist aber
auch denkbar, dafs die ehedem in der einen hundertschaft
vereinigten militärischen und richterlichen funktionen nun-
mehr unter zwei verschiedene körperschaften verteilt waren.
Es lassen sich noch mancherlei möglichkeiten ausdenken, über
die es jedoch eine sichere entscheidung nicht giebt Das aber
Die altgermanische hundertschaft. 19
erscheint uns unabweislich, dafs in der gesteigerten sefshaftig-
keit, die uns in der agrarischen Verfassung der taciteischen
zeit entgegentritt, die hundertschaft in ihrem ursprĂĽnglichen
Charakter nicht mehr bewahrt gewesen sein kann, sondern
einer Spaltung platz gemacht hatte, wie wir sie eben an-
deuteten. Die auseinanderhaltung der richterlichen und der
militärischen centeni bei Tacitus beruht also nicht auf mangel-
hafter kenntnis oder mifsverständnis , sondern entspricht der
Wirklichkeit einer aus der wanderverfassung doch schon weit
herausgewachsenen zeit.
2*
II.
i. Zur handschrift des Hildebrandsliedes.
Von
^Vilhelm Luft.
Ăśber die art, in welcher sich die Schreiber unseres liedes
ihrer aufgäbe entledigt haben, herrscht unter den gelehrten
kein zweifei, so sehr sie auch sonst in der interpretation dieses
fragments uneinig sind. Das verfahren der Schreiber war
höchst mechanisch und sie haben mit grofser nachlässigkeit
und unsorgfältigkeit das gedieht auf der Vorderseite des ersten
und rĂĽcksei te des letzten blattes des Casseler codex einge-
tragen.
Vielleicht geht man aber in dem tadel doch zu weit, und
ich kann mich dem Verdammungsurteil, das Otto Schroeder
(symbolae joachimicae 1880) ĂĽber das mechanische verfahren
der beiden Schreiber ausspricht, nur zum teil anschliefsen. Zu
einem sichern und völlig befriedigenden Schlüsse über die art
der entstehung und niederschrift unseres liedes werden wir
nie gelangen, und es sollen daher hier nur kurz einige be-
obachtungen angefĂĽhrt werden, die sich mir aus der betrachtung
der handschrift, wie sie Sievers in seinem photographischen
facsimile (das Hildebrandslied etc. in photogr. facs. von Ed.
Sievers, Halle 1872) bietet, ergeben haben. Untersucht man
genau die buchstaben, so scheint mir aus denselben nicht
hervorzugehen, dafs wir unser lied wirklich zwei Schreibern
1. Zur handschrift des Hildebrandsliedes. 21
zu verdanken haben. Ăśber den allgemeinen eindruck der
schriftzüge wird später gehandelt werden, hier sei nur darauf
hingewiesen, dafs auch Schroeder auf diesen als beweismittel
verzichtet. Im einzelnen sind nun auf beiden Seiten die buch-
fitaben nicht so verschieden, dafs wir zwei Schreiber annehmen
mtifsten. Schroeder a. a. o. fĂĽhrt als besonders deutlich fĂĽr
zwei Schreiber beweisend folgendes an:
1. (Nach dem vorgange von Sievers.) Bei dem ags.
zekhen fĂĽr w ziehe der erste Schreiber den oberen querstrich
nach aufwärts, der zweite nach abwärts. Es soll zugegeben
werden, dafs das zeichen mit abwärts gezogenem querstrich
nur in dem teile vorkommt, der dem zweiten Schreiber zuge-
wiesen wird. In demselben teile kommt aber auch die form
mit aufwärts gezogenem Strich in etvin und inwit vor,
d. h. in dem dritt- und vorletzten werte der zeile 8 des
l)lattes n. Ich halte es nun fĂĽr ganz unwahrscheinlich, dafs
die kraft des zweiten Schreibers so plötzlich erlahmt sein soll,
d.afs er nicht mehr die drei worte, die zur fĂĽUung der zeile
gehörten, hätte schreiben können. Die übrigen buchstaben
in diesen Wörtern zeigen auch nicht die geringste Verschieden-
heit von den übrigen der zeilen 1 — 8 des zweiten blattes.
Beiden Schreibern ist aber die form mit wagerechtem quer-
strich gemeinsam. Nun wechselt auch in dem teile, der dem
ersten Schreiber zugewiesen wird, die form der buchstaben,
wofĂĽr besonders lehrreich das ^a*^ (fast wie ^ti*' geschrieben)
in zeile 6 ist. Daher scheint mir eine verschiedene form des
ags. w noch nicht zwei Schreiber zu bedingen. Ebenso wie
der Schreiber in seinem ersten teile mit den formen der buch-
staben wechselt und einmal eine singulare form des a schreibt,
kann er auch in der ganzen handschrift mit den buchstaben-
formen gewechselt und zweimal (öfter kommt es in dem teile
des zweiten Schreibers nicht vor) das w mit abwärts gezogenem
querstrich angewendet haben. Man mufs- hierbei bedenken,
dafs der erste Schreiber fĂĽr 34 w?, sieben, oder wenn man das
fehlen der häkchen über dem zeichen als nachlässigkeit auf-
22 Wilhelm Luft.
fassen will, fĂĽnf verschiedene formen gebraucht, wobei ich das
p, das zeile 22 fĂĽr ags. to verschrieben sein soll, als ein
solches ags. w auffasse, dessen querstriche nicht gerade, sondern
rund geraten sind. Der zweite Schreiber hat fĂĽr sechs to drei
(zwei) verschiedene formen.
2. Der zweite Schreiber soll eine verliebe fĂĽr die runde
form des d haben. Beide formen, das gerade und runde d
wechseln aber regellos in beiden teilen. Und dafs zufällig
das d mit geradem strich bei Schreiber A verhältnismäfsig
mehr vorkommt als bei £, daraus kann man doch unmöglich
schliefsen wollen, dafs B fĂĽr das runde und Ă„ fĂĽr das gerade
d Vorliebe gehabt habe. Die beiden d-formen beweisen nicht
zwei Schreiber.
3. Der zweite Schreiber mache das g mit kleinem köpf
und grofsem geschweiften schwänze. Auch hier weise ich
eine Verschiedenheit der ersten acht zeilen des zweiten blattes
von den ĂĽbrigen ab. Die unterschiede zwischen dem g mit
kleinem köpf und grofsem schwänz und dem g mit gröfserem
köpf und kleinerem schwänze sind gar nicht zu fixieren, beide
formen gehen ineinander ĂĽber, die grenzen sind fliefsend, und B
gebraucht ebenso wie A die beiden formen.
Ăśber den allgemeinen eindruck, den die schriftzĂĽge machen,
ist folgendes zu bemerken. Augenfällig ist, dafs auf dem
zweiten blatt die linien enger gezogen sind, und dafs die
Schrift infolgedessen kleiner und enger wird. Sie gewinnt
dadurch an Rundung und sie ist auch in den ersten 10 — 12
Zeilen viel feiner und dĂĽnner, als auf dem ersten blatt. Aber
— und das ist hervorzuheben — sie wird auch nicht nach
zeile 8 des zweiten blattes, wo der zweite Schreiber aufgehört
haben soll, plötzlich breiter imd dicker, etwa wie auf blatt I,
sondern ganz allmählich werden die buchstaben dicker gemalt,
und erst in den letzten zeilen sind die buchstaben so dick
geschrieben, wie auf blatt I. Auch dieses bedingt nun nicht
zwei Schreiber, sondern die erklärung, die Mafsmann ange^
deutet hat, besteht mit eben demselben rechte. Der Schreiber
1. Zur bandschrift des Hildebrandsliedes. 23
schätzte nach dem letzten wort quad auf blatt I ab, wie
viel er noch zu schreiben hätte, und bemerkte, dafs er die
linien enger ziehen mĂĽfste, sollte der rest des liedes auf das
zweite blatt gehen. Der augenschein lehrt, dafs er sich dennoch
verrechnet hat. Indessen liefert uns dieses gerade den beweis,
dafs das lied nicht viel länger sein konnte, höchstens vielleicht
4 — 5 verse. Wäre seine vorläge, falls er eine abschrieb, um
so viel länger gewesen, dafs er gar nicht daran denken konnte,
sie auf zwei seiten niederzuschreiben, so hätte er wohl
schwerlich die linien enger gezogen. Dasselbe gilt natĂĽrlich
auch, wenn er das lied aus dem gedächtnis niederschrieb.
Jedesfalls mufste er, nachdem er die linien enger gezogen
hatte, auch die schriftzĂĽge kleiner, mithin feiner und enger
ziehen. Dabei erlahmte schliefslich seine kraft, und er schrieb
zum schlufs wieder so dick und fast ebenso grofs wie auf dem
ersten blatte.
Ich halte es also durchaus nicht fĂĽr erwiesen, dafs zwei
Schreiber unser lied niederschrieben, sondern lasse das gedieht
von einem Schreiber, und zwar, wie ich glaube, aus dem
gedächtnis niedergeschrieben werden^). Diesen einen Schreiber
mufs ich nun auch vor dem Vorwurf allzu grofser nachlässig-
keit und unsorgfältigkeit in schütz nehmen. Freilich war er
nicht einer der gebildetsten seiner zeit und in der Orthographie
war er nicht sehr bewandert. Da er das lied in einem ihm
fremden dialekt gehört hatte, müssen sich die werte dieses
dialekts eine seltsame transscription gefallen lassen. Ferner
mufste ihm das lied aus längst verschollenen zeiten in den
^) Die annähme einer vorläge ist völlig unnötig zur erklärung der
Schreibfehler, der metrischen und textlichen Schwierigkeiten. Sie häuft
zu den vielen Schwierigkeiten, die schon der lösung harren, noch un-
nötigerweise die, in welchem Verhältnis unsere Abschrift zur vorläge
steht. Es erhebt sich ja doch gleich die frage, wie diese entstanden
ist, welchen dialekt sie hatte, ob sich in ihr dieselben lĂĽcken befanden
und andere fragen derart. Wir kommen ebenso weit, wenn wir das uns
überlieferte als erste aufzeichnung gelten lassen und von einer vorläge
absehen.
24 Wilhelm Luft.
ohren klingen und von der stabreimenden metrik wufste er
wenig mehr oder nichts. So weit es ihm aber möglich war,
ging er sorgfältig zu werke. Die schrift erscheint durchaus
nicht allzu flüchtig und schlecht, und die häufigen korrekturen
lassen auch nicht gerade auf mangel an Sorgfalt schliefsen.
Von letzteren will ich zwei lehrreiche hervorheben. Auf blatt 11
zeile 24 steht: hwerdar sih dero hiuiu hregilo ruomen muotti.
Hier befindet sich nun zwischen sih und dero oberhalb der
linie ein wagerechter strich mit einem punkt darüber (— ),
und ebenso zwischen hiutu und hregilo. Dies soll natĂĽrlich
andeuten, dafs hiutu zwischen sih und dero stehen soll, und
dafs dies so sein mufs, lehrt uns das metrum und die not-
wendige Wortfolge. Eine zweite Verbesserung lehrt uns, dafs
der Schreiber die Wörter auch nicht sinnlos trennte, oder
zusammenzog. Ich kann hier dem diplomatischen abdruck
in MĂĽUenhofis sprachproben den Vorwurf nicht ersparen, dafs
er bei den trennungen und zusammenrĂĽckungen der buch;
Stäben ziemlich willkührlich verfahren ist. Meine Unter-
suchungen, namentlich die messungen der zwischenstände,
haben mich dahin geführt, dafs nirgend die zusammengehörigen
buchstaben ungebĂĽhrlich getrennt und umgekehrt nicht zu-
sammengehörige vereint sind. Im einzelnen dies nachzuweisen,
wĂĽrde hier zu weit fĂĽhren. Wenn wir von dem nicht ganz
aufgeklärten unmettirrij das wohl doch in unmet tirri zu
trennen ist, absehen, so hat unser Schreiber nur einmal die
Wörter wirklich sinnlos getrennt, nämlich zeile 10, ik mideo
drewet Hier hat er aber korrigiert, denn ĂĽber der zeile
steht zwischen e und o ein schräger strich, der doch wohl
andeuten soll, dafs o zu dre gehört. Einen unterschied
ĂĽbrigens in den Worttrennungen bei dem angeblichen ersten
und zweiten Schreiber zu konstatieren, was Schroeder a. a. o.
thut, ist mir nicht gelungen. Als dritter beweis fĂĽr eine ge-
wisse Sorgfalt des Schreibers könnten nun noch folgende Ver-
mutungen gelten, falls sie eine berechtigung fĂĽr sich in an-
spruch nehmen dĂĽrfen. Es sind in unserm gedichte verschiedene
1. Zur handschriffc des Hildebrandsliedes. 25
lücken anzunehmen (vgl. des verf. dissert. „Die entwickelung
des dialogs im alten Hildebrandsliede**, Berlin 1895, seite 21,
22, 33 — 35). Nun ist durchaus nicht gesagt, dafs der Schreiber
die lĂĽcken nicht gefĂĽhlt hat, und man braucht nur anzunehmen,
dafs er deshalb weiter schrieb, weil er nicht mehr wufste, wie
sie auszufĂĽllen waren. Solche kleine lĂĽcken natĂĽrlich, die
nur ein wort oder einen halbvers ausmachen und den sinn
nicht gerade empfindlich schädigen, mag er, da er keine
ahnung mehr von rhythmik und metrik hatte, nicht be-
merkt haben. Einige gröfsere aber scheint er gefühlt zu
haben, und ich glaube aus der handschrift schliefsen zu können,
dafs er sie auch andeuten wollte. Es ist nämlich noch keine
erklärung gefunden für die eigentümlichen zeichen und punkte
am rechten rande des zweiten blattes. Dieselben nur als
schreibversuche aufzufassen, wäre wohl angängig bei den buch-
staben am rande des ersten blattes; aber die zeichen am
rande des zweiten kann ich nicht, wie Schroeder, als solche
schreibversuche ansehen. Kein geringerer als Lachmann (abh.
der berl. akad. 1833 p. 134; kl. Schriften 419) lehrt uns, die
punkte in unserer handschrift mit oflfenem äuge zu betrachten.
Er begrĂĽndet darauf sogar eine metrische konjektur zu vers 4
^^^ g4iÂĄ^tun sih iro stiert ana: y^iro steht zwischen zwei punkten
und der erste punkt näher als sonst an dem vorhergehenden
Worte, also wohl nachgetragen, woraus ich schliefse, dafs iro
nur aus versehen geschrieben war und durch die punkte als ver-
werflich sollte bezeichnet werden." Auch Grein (das Hildebrands-
lied p. 33) vermutet, dafs die punkte am rechten rande des
zweiten blattes etwas andeuten sollen, er meint eine Umstellung.
Nun scheint es mir auffällig, dafs diese punkte gerade da
stehen, wo wir eine lĂĽcke empfinden, oder eine solche von
auslegem angenommen wird. Es sind dies folgende stellen:
1. Braune, MĂĽUenhoff u* a. nehmen vor den werten des
alten toelaga nu toaltant got (vers 49 Braune) eine lĂĽcke an,
und zweifellos mufs Hadubrand dem alten gelegenheit gegeben
haben, eine solche klage auszustofsen (vgl. verf. diss. p. 21
26 Wilhelm Luft.
und 33). Diese stelle nun befindet sich auf blatt IE zeile 18
und 14. Am rande dieser beiden zeilen befindet sich nun je
ein grofser, kräftiger punkt.
2. Roediger H. Z. 33 und 35, und ihm beistimmend
O. Schroeder H. Z. 34, nehmen an, die verse 55—^57 (Braune)
spreche Hadubrand, und sie ergänzen davor ein Haduhrant
gimähdlta etc. Mag es nun richtig oder falsch seiii, die
Worte 55 — 57 Hadubrand in den mund zu legen und dem
entsprechend zu ergänzen, jedenfalls kann diese rede Hilde-
brands nicht vollständig so gelautet haben, wie wir sie vor
uns haben (vgl. verf. diss. p. 22 und 34). Wiederum stehen
nun am rande der handschrift an betreffender stelle, es ist
blatt n zeile 19, zwei dreieckartige zeichen.
3. Ferner steht ein grofser punkt zwischen zeile 21 und
22 von blatt H, der im Sieversschen facsimile allerdings schon
etwas erloschen aussieht, in dem abdruck aber in Könneckes
bilderaüas noch deutlich und kräftig zu bemerken ist. Dies
ist aber die stelle, wo die meisten ausleger die lĂĽcke an-
nehmen, in welcher Hadubrand seinem vater den Vorwurf der
feigheit macht (vgl. verf. Diss. p. 35).
Aufser diesen lücken wird keine gröfsere mehr anerkannt.
Ich vermute also, dafs der Schreiber diese zeichen machte,
um anzudeuten, dafs ihn an der betreffenden stelle sein ge-
dächtnis im stiche gelassen habe. Dies ist um so glaublicher,
als auf dem ersten blatte, in welchem teile des gedichts auch
wir weniger auszusetzen haben und auch keine gröfsere lücke
anerkennen, sich kein punkt oder sonstiges zeichen am rande
befindet*). Dabei bleibt aber eins befremdend. Wenn der
Schreiber die punkte machte, um lücken seines gedächtnisses
anzuzeigen, warum kennzeichnete er nicht die wichtigste und
für die ganze erklärung des gedichts vielleicht die ent-
scheidendste, nämlich die stelle, in welcher sich Hildebrand zu
') Ich sehe ab von den buchstaben, die Schroeder richtig ids
schreibversuqhe deutet.
J
2. Zum dialekt des Hildebrandsliedes. 27
erkennen giebt? Es ist bekannt, dafs ĂĽber die stelle, wo
solche Worte gestanden haben könnten, der gröfste streit
gefĂĽhrt wird (vgl. verf. Diss. passim). Der Schreiber hat
die lĂĽcke nicht angedeutet. Dafs er sie gefĂĽhlt hat, glaube
ich wohl, aber einen plausiblen grund anzugeben, weshalb er
sie unbezeichnet liefs, vermag ich nicht. Wenn man aber
bedenkt, dafs diese lĂĽcke sich jedenfalls vor vers 46 (Braune)
befinden mufs, also mindestens 3 — 4 zeilen vor unsern ersten
Itickenpunkten , so ist vielleicht die Vermutung nicht allzu
kĂĽhn, dafs der Schreiber erst die absieht hatte, die Iticken
deutlicher anzuzeigen; nachher aber fiel ihm ein, das be-
quemste hierfür wären punkte, und so zeigte er sie an. Dabei
hatte er aber schon vergessen, dafs er etwas ausgelassen hatte.
Letzteres ist nicht unwahrscheinlich, da er alle seine gedanken
zusammennehmen mufste, um den störrischen, ihm fremden
dialekt in seine mundart umzugiefsen.
2. Zum dialekt des Hildebrandsliedes.
Die ansieht, dafs sich der mischdialekt schon in der
vorläge befunden habe und dafs der oder die Schreiber, ohne
sich irgend etwas dabei zu denken, diese unverständlichen
lautkomplexe abgeschrieben hätten, weise ich entschieden
zurück ; dafür fehlt jeder erklärungsgrund und jedes analogen.
Es kann sich nur darum handeln, ob der Schreiber einobd.
war und eine nd. vorläge abschrieb, oder umgekehrt. Da
ich nun die vorläge leugne, so stelle ich die frage so: hat
ein obd. Schreiber ein gehörtes nd. gedieht, oder ein nd. ein
obd. gedieht niedergeschrieben. Nun haben beide ansichten
ihre Verteidiger gefunden. Holzmann (Germ. 9, 292) meint,
unser gedieht sei die abschrift einer bayrischen vorläge, die
ihrerseits die abschrift einer fränkischen vorläge ist. Soll
28 Wilhelm Luft.
hiermit aDgedeutet werden, dafs die Schreiber schon den
frk.-bayr. dialekt in der vorläge fanden, so scheint mir dies,
wie oben angedeutet, unglaublich. Grewöhnlich wird Holz-
manns meinung in der modifizierten form vorgetragen, dafs
ein nd. Schreiber eine obd. vorläge abschrieb. Kögel hin-
gegen nimmt (P. G. II 1, 175) MĂĽUenhoffs ansieht aus der
vorrede zu den denkmälem wieder auf und sucht nachzu-
weisen, dafs zwei obd. Schreiber eine nd. vorläge abschrieben.
Die grĂĽnde, mit welchen beide ansichten verfochten werden,
sind im wesentlichen die folgenden:
Für obd. vorläge und nd. Schreiber sprechen:
1. Die tt fiir zz^ cc für Kh. Diese U kommen asächs.
ĂĽberhaupt nicht vor und der nd. Schreiber schrieb U^ nicht
wie er gewohnt war, nur ein ^, weil er durch die ze^ hh des
ahd. veranlafst wurde.
2. Die endung des nom. neutr. des starken adj. auf -at
in suasat Solche endung at kennt das as. gar nicht, hier
ist das neutr. im nom. endungslos. Obd. hingegen heifst es
suasaz und der sächsische Schreiber schrieb diese form nieder
nach der gleichung ahd. z = as. t.
3. Der acc. des reflexivums: sth. Diesen kennt das as.
nicht und diese form mufs also aus dem obd. stammen.
4. Die allitteration von rieche zu reecheo. Diese mufs
aus dem obd. stammen, da das as. noch tir im anlaut er-
halten hat.
5. Die kurze und knappe form der darstellung. Dies
ist nicht as. art.
[6. Schroeder a. a. o. meint, der reim in vers 15, tni
zu liuti sei nur obd. möglich, da nur hier die endung des
nom. pl. i sei. Das ist nicht beweisend, denn obd. konnte
gar kein reim eintreten, da es hier wifV, nicht tni heifst]
Dagegen führt nun Koegel für eine nd. vorläge folgen-
des an:
1. tt fĂĽr zZy ce fĂĽr AA. Ein des Schreibens kundiger
Sachse hätte nie auf den gedanken kommen können, für ahd
2. Zum dialekt des Hildebrandsliedes. 29
gZj hhy tt und cc zu schreiben, da ihm die formen ja auB
seiner mundart mit einem t resp. c geläufig waren. Einem
obd. Schreiber hingegen wäre es nicht zu verargen, wenn er
geglaubt hätte, was in seiner eigenen mundart eg^ hh ge-
schrieben werde, werde im nd. ttj cc geschrieben.
2. su(isat Diese form entstand wegen der mechanischen
gleichsetzung as. t = ahd. 0-^ und das sucls der vorläge ver-
unstaltete der Schreiber nach dem hd. suasaa zu suctöat.
3. Der Wortschatz und die phraseologie. Nachdem Lach-
mann schon gelehrt hatte, dafs die syntax unseres gedichtes
dem as. näher stehe, als den südlicheren gegenden, sucht
Kögel nachzuweisen, dafs auch der Wortschatz und die
phraseologie mehr zum as., weniger zum obd. stimme. Dies
hat Kögel im einzelnen näher ausgeführt und dies ist für ihn
der durchschlagende beweis.
Prüfen wir nun diese gründe. Die erklärung der #, cc
durch die anhänger der Holzmannschen ansieht hat nichts
unwahrscheinliches und pafst stets, ob man nun niederschrift
nach vorläge oder aus dem gedächtnis annimmt. Kögels
ansieht scheint zwar noch ungezwungener, ist aber meinem
erachten nach nur möglich bei einer niederschrift aus dem
gedächtnis. (Letztere leugnet aber Kögel.) Denn hat die
nd. vorläge ein des Schreibens kundiger Sachse verfafst, so
hat er doch sicher nur ein t und c geschrieben. Wie kommen
nun die obd. Schreiber, die doch mechanisch abschrieben,
dazu, ihre vorläge in dieser weise zu korrigieren? Kögels
ansieht wäre in diesem punkte einleuchtend, wenn die obd.
Schreiber diese einfachen t und c in ihren dialekt um-
geschrieben hätten und dafür js und h gesetzt hätten. Da sie
aber diese as. formen hatten stehen lassen, so sehe ich keinen
grund, weshalb sie nicht die einfachen t stehen liefsen. Auch
bei suasat scheint mir Kögels ansieht bedenklich zu sein.
Man sieht nicht recht ein, weshalb der schreiber suas zu
suasat erweitern sollte, da er doch sonst as. formen abschrieb.
Bei beiden punkten mutet Kögel den schreiben! eine über-
30 Wilhelm Luft. 2. Zum dialekt des Hildebrandsliedes.
legung und Sorgfalt zu, die er ihnen sonst abspricht Ich
halte nun auch den dritten grund der Kögeischen ansieht
nicht filr beweisend. Kögel hat nachgewiesen^ daüs der wert-
schätz, syntax und Sprachgebrauch sich eng anschliefst an die
as. denkmäler. Aber dies beweist doch nichts, da es ein
schluTs ex süentio ist. Während wir nämlich im as. ein
grofses stabreimendes epos haben (vom Beowulf sehe ich so-
gar ab) mit durchgebildeter sjntax, metrik und Wortschatz,
fehlt uns fĂĽr das ahd. ein solches. Hier sind wir nur an-
gewiesen auf unser gedieht und das muspilli, beides nur
trĂĽmmerhafte fragmente. Die ahd. gedichte mit endreim,
also namentlich Otfrid, und die ahd. prosa dtlrfen doch nicht
zu einer vergleichung herangezogen werden. Namentlich die
reimenden gedichte erfordern eine ganz andere behandlung des
Sprachgebrauchs, und daher darf man eine Ăśbereinstimmung
zwischen einem agerm. heldenlied in stabreimender form und
einem christlichen reimepos, das gerade die demente des
kriegerischen heldenliedes zu meiden sucht, nicht durchaus
fordern. Kögels ausfiihrungen hätten gewicht, wenn wir auch
gröfsere ahd. stabreimende epen hätten.
Ich glaube daher, dafs wir wieder zu der alten ansieht
zurückkehren müssen, dafs nämlich ein nd. Schreiber ein obd.
gedieht — wie ich meine, aus dem gedächtnis — nieder-
geschrieben hat. Die punkte 1 — 4, die ich seite 27 als
stĂĽtze der Holzmannschen auffassung angefĂĽhrt habe, sind fĂĽr
mich beweisend.
III.
Die Berliner Sammelmappe deutscher fragmente.
(Ms. Genn. fol. 923.)
Von
Willy Scheel.
Die Sammelmappe deutscher fragmente auf der kgl. biblio-
thek zu Berlin (Ms. Germ. fol. 923), in der im vorigen jähre
E. Steinmeyer das WigaloisbruchstĂĽck e entdeckte, soll der
gegenständ der folgenden Zusammenstellung sein. Bietet auch
eine derartige Sammelstelle vom bibliothekarischen Standpunkte
aus grofse vorteile, so ist doch der benutzer, der den bestand
der mappe kontrollieren will, gezwungen, sämtliche fragmente
der in frage kommenden Schriftsteller durchzuarbeiten, ehe er
das bekannt- oder nichtbekanntsein auch nur eines einzigen
behaupten kann, zumal wenn nur die wenigsten bruchstĂĽcke
genau bezeichnet sind ; ja die benutzung wird nun noch dadurch
erschwert, dafs diejenigen, die äufserlich bestimmt sind, des
öfteren irrtümlich falschen autoren zugewiesen wurden: so ist
z. b. ein blatt aus Konrad von Wtirzburg dem Heinrich von
Freiberg, eins aus dem Passional dem Wolfram von Eschen-
bach, eins aus Rudolf von Ems dem Jans Enenkel beigelegt;
andere trugen ĂĽberhaupt keine bezeichnung, so eins aus dem
Garel, eins aus dem Wilhelm von Osterreich des Johann von
WĂĽrzburg, mehrere aus dem Parzival, das lang vermifste bruch-
32 Willy Scheel.
stück der kröne, auf das schon Steinmeyer, Z.d.A. 37, 235 anm.,
aufmerksam gemacht hat, sowie noch viele andere, die ich
nicht alle aufzählen will. Es war also ein gang durch die
ganze mhd. litteratur, den ich habe anstellen mĂĽssen, um alle
diese gröfseren und kleineren stücke genau nachzuweisen und
festzulegen. - War aber auch der weg mĂĽhsam, so wurde ich
durch die freude belohnt, werte und sätze der blätter und
blättchen, die zuerst in die seele des lesers fallen, wie verlorne
noten einer fernen musik, die der wind heranträgt (um mit
Freytag zu reden), mit glĂĽcklichem griff dann dem richtigen
autor zugewiesen zu sehen.
VervoUkonminet ja doch jedes, auch das kleinste bruch-
stĂĽck einer unbekannten hs. das bild, das wir uns von der
Verbreitung und beliebtheit der alten Schriftsteller zu machen
haben. — Die leser der nachfolgenden katalogisierung werden
nun freilich viele alte bekannte wiederfinden; doch habe ich
auch diese neben den noch unbekannten bruchstĂĽcken ^) des-
halb wiederholt, um eine ĂĽbersieht ĂĽber den ganzen inhalt
der mappe, wie er jetzt vorliegt, zu geben: so wird die be-
nutzung wesentlich vereinfacht werden und die in zukunft neu
hinzukommenden stĂĽcke leicht aufzufinden sein. Den schlufs
soll der abdruck einiger der noch unbekannten fragmente
bilden.
1. Lehren des Aristoteles.
Zwei pergamentblätter des 13. Jahrhunderts in fol., dreispaltig
mit 40 Zeilen auf der kolumne; oben und unten beschnitten
^) Ich habe im folgenden bei den unbekannten bruchstĂĽcken oder
denen, die bis jetzt ungedruckten gedieh ten angehören, jedesmal
anfangs- und schlufsverse der spalte angegeben, um ein genaues bild
des uns erhaltenen zu bieten. Mit A, Ăź, C bezeichne ich die selten,
a, b, c die spalten, mit 1, 2, 3 die blätter; .... zeigen an, dafs der text
vollständig unlesbar ist, : bezeichnet den räum für einen nicht erkenn-
baren buchstaben. Initialen nenne ich der kĂĽrze wegen die anfangs-
buchstaben eines abschnittes, anfangsbuchstaben schlechthin die einer
zeile. Die übrigen kürzungen sind an sich verständlich.
Die Berliner Sammelmappe deutscher fragmente. 33
und durch umknicken beschädigt. Über andere hss. vgl.
V. d. Hagen, Lit. grundrifs zur geschichte der deutschen
poesie (1812), s. 395, und Hoffmann von Fallersleben , Ver-
zeichnis der Wiener altdeutschen hss., s. 205. Ermittelt durch
Moritz Haupt.
Erhalten sind:
Blatt 1 A a beg. uch ist al dor cm gelegen
sohl, lon des hemils :mme vart
b beg. Hie ml ich äbe hrechin
schl. adif^: sin der vromeit tut
c beg. Das hlut sich denne tzu guset
schl. Wen in des heisin svmirs vrist
B a beg. Dor nach trit der wintir vn
schl. vnde swigende cibir gen
b beg. Idoch ml ich sagen hie
sohl. Das sie die lute machin wo
c beg. Noch is virmangirhande craft
schl. Das die prophetin wurden ge
Blatt 2 C a beg. An alle artzedien
schl. Das ouch das hertze wirt vro
b beg. Dor nach ein des
schl. [unleserlich]
c beg. Die da tzusamene quamen
schl. Die ir der hoeste erhere got gi....
Da beg. Wen man vindet manigen man
schl. Die wile is lehit einen tag
b beg. Ein andirn lichte er geberit
schl. An alle
c beg. Der pr:: e w:::
schl. Als ich schrihe dinen gewalden.
2. Barlaam und Josafat.
Ein pergamentstreifen aus einem doppelblatte aus der mitte
des 13. Jahrhunderts in 8**, zweispaltig, 12 reihen jeder spalte
nur erhalfen ; beide selten sind stark abgerieben ; die initialen
sind rot, die anfangsbuchstaben jeder zeile auffälllig weit ab-
gerĂĽckt. Das blatt stammt aus Pfeiffers besitz, der es auch
in den sitzungs - berichten der Wiener akademie 41 (1863),
s. 313 ff. (in forschung und kritik auf dem gebiete des deut-
Festschrift. 3
34 WĂĽlj ScheeL
sehen altertums) abgedruckt hat. Es gehört zu der dritten
bearbeitung der erzählung von Barlaam und Josaphat, die
neben dem gedieht von Rudolf von Ems und dem sogenannten
Laubacher ^) Barlaam des bischofs Otto und zwar noch im
13. Jahrhundert in Bayern entstanden ist Nicht nur zu der-
selben bearbeitung, sondern sogar, wie Pfeiffer a. a. o. s. 313
bis 314 an der Schreibung der eigennamen und handhabung
des circumflexes nachweist, zu derselben hs. gehört auch das
fragment der wasserkirchbibliothek zu ZĂĽrich, c. 79c, das eben-
falls Pfeiffer in der Z.f.d.a. 1, 127—135 mitgeteilt hat.
Erhalten sind:
Blatt 1
Aa heg. Daz wizee chtmic Avennir :^Rud.v.Ems 223, 31 (Pfeifer).
schl. Doch zoch in dwgewofiheittcider= „ „ „ 223, 6.
b heg. Diz ist mines herzen rat = ^ ^ ^ 223, 32.
schl. Wan ich an in gdvbet hon = ^ „ „ 224, 2— 4(?).
B a heg. Nv wart dem hvnige bereit = „ „ „ 225, 9.
schl. : : ^) lat noch hivte tcisen sich = ^ ^ ^ 225, 34 (?).
b beg. Josafat verirret sin = ^ ^ ^ 226, 1.
scU. Vn aUe die iv möge sini = ^ ^ ^ 226, 16.
Blatt 2
C a beg. Den voglin vn dem wilde
schl. Dar in daz er wände daz der eilt
b beg. Die alle gerne wolden sehen = „ ^ ^ 229, 36.
schl. Geswachet vn Josafat
T> SL beg. Den sin ivnger verriet = ^ ^ „ 231, 21.
schl. [Si h\egvnden michd frevd han
b beg. Vil gar svnders aUe were = ^ ^ ^ vor 236, 27.
schl. Wan wir wol se: en^) vmbe gan= „ „ „ nach 236, 37.
^) Benecke in den Gott. gel. anz. 1820 stĂĽck 34; wieder abgedruckt
Z. f. d. a. 2, 361 — 362 ; L. Diefenbach , Mitteilungen über eine noch un-
gedruckte mhd. bearbeitung des Barlaam und Josaphat aus einer hs.
der gräfl. bibliothek zu Solms-Laubach. Giefsen 1836 (sehr unvoll-
ständiger bericht). Vgl. auch E. Kuhn, Abh. der Bayer, akademie
XX, 1 (1893) s. 1 ff.
2) Er Pfeiffer.
') sehen Pfeiffer.
Die Berliner Sammelmappe deutscher fragmente. 35
3. Kleine Erzätalungren.
Ein verstümmeltes doppelblatt des 14. Jahrhunderts in 4®,
zweispaltig, die spalte zu 28 zeilen. Seite C D ist um eine
spalte beschnitten , die eine seite ist mit roter färbe überzogen ;
eine ĂĽber das ganze fragment laufende blinde Unie zeigt,
dass es als einband eines 8 ^-bandes gedient hat. — J. Zacher
hat es 1858 von einem antiquar erhalten; es soll aus einer,
im 17. Jahrhundert gedruckten Eislebischen chronik abgelöst
sein. Zacher hat es in der Z. f. d. a. 13, 1 — 7 diplomatisch ge-
treu abgedruckt.
Der text behandelt:
1. Christi ritterschaft (?) = spalte 1 . 2. 3 (Zacher).
2. Das wachtelmaere = „ 8. 4.
8. Das rädlein v. Johannes v. Freiberg = „ 5. 6. (7. 8).
4. Gottfried von Stpafsburg:, Tristan.
Ein pergamentdoppelblatt des 18. Jahrhunderts in 4^, je 41,
nicht 42 zeilen (Docen) auf zwei spalten. Der rĂĽcken des ehe-
maligen bucheinbandes zeigt heftlöcher, auf der Innenseite steht
Hirtz I wyl | Anger oder Unger. Die initialen sind rot,
die anfangsbuchstaben kleinerer abschnitte herausgerĂĽckt,
doch ohne rot&rbung. Das bruchstĂĽck ist bei Docen, Mis-
cellaneen 2 (1807), s. 110 bis 111, und Mafsmann (ausgäbe
s. 591) besprochen. Mafsmann nennt es D (Oberlinsches
bruchstück). Zwischen den beiden blättern sind 657 verse,
also 4 X 164 -f- 1 vers ausgefallen, was dem Inhalt von zwei
doppelblättern entsprechen würde.
Erhalten sind:
Blatt 1 Aa 10 614—10 653 (Bechstein)
b 10 654—10 694
Ba 10 695—10 735
b 10 736—10 776.
3*
36 Willy Scheel.
Blatt 2 Ca 11434-11473
b 11474--11514
Da 11515—11555
b 11556—11596.
6. Gottfried von Strafsburg:, Tristan.
Ein fragment eines pergamentblattes des 13. Jahrhunderts
in 8 ^, ursprünglich zweispaltig, 28 — 29 zeilen auf der spalte er-
halten; schönes, zierliches Exemplar mit reichen zweifarbigen
initialen auf seite A b und B b. Abgedruckt mit der vers-
bezeichnung aus v. d. Hagens ausgäbe (1, 115) von Büsching
in der Leipziger litteraturzeitung 1826, nr. 98 (april), s. 779
bis 781 (nicht ganz genau); in Goedekes mittelalter, s. 818
mit nr. 11 bezeichnet.
Erhalten sind:
Aa 8327—8354 (Bechstein)
b 8359—8387
Ba 8391—8424
b 8429—8456.
Vers 8355—58, 8388—90, 8425—28 sind fortgeschnitten,
8457 nicht mehr zu lesen. Es fehlen 8397—8400 und 8413
bis 14 (Bechstein).
6. Gregrorius Magrnus, Dialogrl.
Zwei pergamentblätter , nicht zusammenhängend, des
15. Jahrhunderts in 8^; zweispaltig mit c. 26 zeilen auf der
kolumne, am inneren rande beschädigt, daher vielfach unlesbar ;
die blätter waren als bucheinband benutzt; es sind spuren
eines rĂĽckentitels M zu sehen. Die grofsen anfangsbuchstaben
sind rot getupft. Die spräche ist niederrheinisch, gegend von
Köln, und weist ebenfalls ins 15. Jahrhundert. Der text ist
eine verkĂĽrzende Ăśbersetzung der dialoge Gregors des Grofsen,
vielleicht auch eine aus den dialogen schöpfende reihe geist-
Die Berliner Sammelmappe deutscher fragmente. 37
lieber erzählungen mit dogmatiseher tendenz gewesen, die um
die mitte des 15. Jahrhunderts in der gegend von Köln auf-
gezeichnet worden sind. Die eigenartigkeit der Ăśbersetzung
ist bei einem vergleich mit der ersten ausgäbe einer voll-
fitändigen Verdeutschung der dialoge (Augsburg 1473), die
allem anschein nach jĂĽnger ist, deutlich zu sehen. Erhalten
sind stĂĽcke aus den dialogi 4, 36 und 38 (Migne 77, s. 382
und 394). Der text soll unten abgedruckt werden. Bisher
unbekannt.
7. Hartmann von Aue, Der arme Heinpicli.
Vier pergamentstreifen des 13./14. Jahrhunderts; die hs.
war ursprünglich in klein 8^ — nach Pfeiffer standen 21 — 22
Zeilen mit 29 — 30 versen auf der seite — und einspaltig. Die
verse waren nicht abgesetzt. Die beiden gröfseren streifen
(1 und 3) sind aus der mitte zweier verschiedener blätter ge-
schnitten, die kleineren (2 und 4) gehören dem unteren rande
derselben blätter an. Sie sind von Jodok Stülz zu St. Florian
von einem hsdeckel abgelöst und an Pfeiffer übersandt worden,
der die an sich schon nicht gut erhaltenen StĂĽckchen mit rea-
gentien- behandelte, so dass sie jetzt einen traurigen anblick
gewähren. Sie sind abgedruckt und eingehend behandelt von
Pfeiffer in der Germ. 3, 347—350 und von F. Kocian, Die
bedeutung der ĂĽberarbeiteten hss. B a und B b und der
St. Florianer bruchstĂĽcke fĂĽr den text des armen Heinrich
(1878).
1 * beg. vn lerne lip vf & erde ... 7 zeil. = Haupt-Marlia v. 646 — 662 ff.
2 * „ ioesen gvt . so scholt dv rede
vn den mvt 1 zeile= „ „ nach 662
1^ „ sele vn einen sehonen lip,.. 7 zQil.= „ „ 671 — 680
2^ „ in minen ivngen tagen,.. 1 zeile= „ „ 694 — 695
8* „ wen sie ich ee vil... 7 zeil. = „ „ 827—838
4* „ d' tot geschiht.... 2 „ = „ „ 850— 852 fg.
8^ \ nur einzelne werte jetzt noch 7 „ = „ „ 860 — 871
4^/ lesbar 2 „ = „ „ 885—888
In demselben couvert liegen noch traurige, arg verstĂĽmmelte
reste, soviel ich sehe, von zwei verschiedenen hss.:
38 Willy Scheel.
1) aus einer hs. geistlichen Inhalts: ein gespräch zwischen
Jesus und Petrus ist zu erkennen,
2) aus einer zweiten hs., die zum t^il gar nicht oder sehr
schwer lesbar sind.
Ich konnte ihre Zugehörigkeit nicht feststellen.
8. Heinrich Hesler, OfiTenbarungr Johannis.
Ein pergamentdoppelblatt aus dem anfange des 14. Jahr-
hunderts in fol. zu 36 (— 37) + 2 ( — 4) zeilen auf der spalte,
zweispaltig. Blatt 1 ist an der rechten seite beschnitten und
hat die untere rechte ecke verloren, blatt 2 hat einige löcher.
Seite B oben stehen die worte Sbeicus (?) q' nö sedetur i morte
secĂĽda; auf seite C lesen wir das wort: Akten ; die
blätter sind also als aktendeckel verwandt worden. An den
rand von seite C hat eine band des 17. Jahrhunderts ge-
schrieben: Beati qui in Domino omnesque . .;
darunter steht die Rechnung: 9—26
3—26
6—0
Die anfangsbuchstaben jeder zeile sind etwas heraus-
gerĂĽckt und stehen zwischen senkrechten linien ; die abschnitts-
initialen wechseln mit rot und blau und reichen ĂĽber zwei
Zeilen fort. Fast nach jeder zeile steht ein punkt.
Das firagment stammt aus Pfeiffers nachlafs und ist in
unserer mappe, wie eine bleistiftnotiz zeigt, durch Edward
Schroeder erkannt worden. Es ist abgedruckt in Pfeiffer»
Altdeutschem Ăśbungsbuch (1866), s. 23 ff. Dort ist nach er-
neuter koUation folgendes zu lesen: bl. 1* (Pfeiffer) [seite A]^
1 (mticriste; 31 nuwet\ blatt 2* (seite C), 24 von vns,
9. Helnpleti v. d. TĂĽplln, Der Abenteuer Krone.
Ein pergamentblatt des ausgehenden 13. Jahrhunderts —
Scholl setzt es in seiner ausgäbe s. IX ins 14. oder 15. jähr-
Die Berliner Sammelmappe deutscher Fragmente. 39
hundert — in 8® mit ungefähr 34 zeilen, zweispaltig. Der
text ist oben und unten durch beschneiden um 6 — 8 zeilen
gekĂĽrzt. Trotzdem ist das blatt sonst vorzĂĽglich erhalten;
die hs. gehörte, wie auch Hoflfmann sagt, zu niedlichen oder
mittleren, nicht zu den kostbaren. Die initiale ist zweifarbig
sehr kunstvoll ausgemalt (Aa); kleinere initialen Ab undBa
wechseln mit rot und blau ab; die anfangsbuchstaben der
zeile sind etwas abgerĂĽckt. Das fragment ist, wie der jetzt
geglättete knick zeigt, als büchereinband eines 8 **-bandes ver-
wandt gewesen. — Auf seite A unten findet sich die notiz:
Fried. Karl Köpke. Ex bibliotheca avunculi dedum defuncti
V. M. Rev. Dietr. Bonhöferi Pastoris Xenodoch. 1813.
Unser fragment G ist bereits von Gräter in den litterarischen
beilagen zu Idunna und Hermode, nr. 12 — 13, dann aufs neue
von Hoffmann in den Altdeutschen blättern 2, 155, jedoch
ohne angäbe des auf bewahrungsortes, abgedruckt worden ; auch
Scholl in seiner ausgäbe, s. IX, und Reissenberger, Zur kröne
Heinrichs v. d. TĂĽrlln (1879), s. 3 kennen ihn nicht; erst
Steinmeyer hat 1893 in der Z. f. d. a. 37, 235 anm. auf unsere
mappe hingewiesen.
Erhalten sind: Aa 3122— 3148 (Scholl)
Ab 3155—3186
Ba 3193—3224
Bb 3232—3262.
Das bruchstĂĽck stammt ebenso wie ein in der Germ. 31,
116 — 117 abgedrucktes aus Schwäbisch-Hall , woher wir viel-
leicht noch mehr reste dieser reizenden hs. erwarten dĂĽrfen.
lO. Hugro von Tplmbepgr, Der Renner.
Zwei einzelne blätter einer papierhs. des 15. Jahrhunderts,
die in 91 abschnitten, und zwar abweichend von den in der
Bamberger ausgäbe von 1832 mitgeteilten, eine inhaltsangabe
des „Renners** enthalten. Daneben stehen in roter färbe die
zahlen von I bis CCCLXXXXVI. Die einteilung der hs. ist
40 WiUy Scheel.
insofern sehr interessant, als sie nach distinctiones gegeben
ist: damit tritt sie zu der Berliner papierhs. (15. jahrh. foL
398 bll.) in ein nahes Verhältnis (vgl. Wölfel, Untersuchungen
ĂĽber Hugo vonTrimberg und seinen Renner, Z. f. d. a. 28, 145 flF.,
bes. 188 f.), die die hauptrepräsentantin der hss.-gruppe ist,
welche die distinktionenzählung anwendet. Ob unser fragment
in irgend einer beziehung zu der papierhs. des 15. Jahrhunderts
steht, aus der V. E. Mourek in den Sitzungsberichten der k.
böhmischen gesellschaft der wiss. in Prag 1893 639 verse ab-
gedruckt hat, vermag ich nicht zu sagen, da mir Moureks ab-
handlung nicht zugänglich war.
Die blätter waren bis jetzt unbenutzt; ich gebe daher
unten einen abdruck.
11. Johann von VTĂĽpzbupg", Wilhelm von Ă–sterreich.
Ein doppelblatt und ein pergamentblatt des 13./14. Jahr-
hunderts in 8®, zweispaltig mit 34 Zeilen auf der spalte;
initialen und anfangsbuchstaben sind rot getupft; ein rotes cX
bezeichnet den beginn eines abschnittes; keine kapitelĂĽber-
Schriften (wie sie z. b. die Liegnitzer hs. hat). Ab ist unten
fast ganz verlöscht und abgerieben, daher nur teilweise lesbar.
C b zeigt ein loch und einrisse am unteren rande. Die Innen-
seiten sind vorzĂĽglich zu lesen ; dagegen sind D a und b zur
hälfte vollständig abgerieben und unlesbar. Das einzelblatt
zeigt auf beiden Seiten grofse braune flecken, die oft die schrift
tiberdecken. Zu bemerken ist, dafs die buchstaben t und c
sehr ähnlich aussehen. — Die spräche der blätter ist nieder-
rheinisch: dafĂĽr sprechen formen wie wdl, van; hait; sag
(= sach); niemenj lieben (= e); magit, genesin; die, de (= der^
die); tce = wer; is = ist; der suzeer schin u. a. m. — Zur
beurteilung der hs. und ihres wertes dienen vers 336. 339.
385. — Die blätter sind bis jetzt unbekannt; unten folgt ein
abdruck.
Die Berliner Sammelmappe deutscher fragmente. 41
12. Kalserchronik.
Ein pergamentblatt des 18. Jahrhunderts in gr. 4^, zwei-
spaltig mit 29 Zeilen auf der kolumne, zusammen 116 verse,
gedruckt von Heinze in Gräters Idunna und Hermode 1812,
nr. 36, s. 143 — 144, von Schroeder (Monum. Germ. hist.
Deutsche Chroniken 1, 1. 1892, s. 21) als nr. 20 angefĂĽhrt
Der text bietet manche selbständige abweichungen (11480. 81);
er gehört zur redaktion B; die spräche ist oberdeutsch, ohne
jĂĽngere diphthongierungen. Das fragment stammt aus der
bibliothek der Annenkirche zu Neifse.
Erhalten sind : A a 1 1 895— 1 1 428
b 11424r-11452
Ba 11458—11485
b 11486—11514.
V. 11468. 469 fehlen.
Die Schrift ist ungemein deutlich ; der platz für gröfsere,
ĂĽber zwei zeilen reichende initialen ist freigelassen und der
jedesmal auf die initiale folgende vers infolgedessen etwas
eingerĂĽckt.
13. Konrad von Fufsesbriinnen, Kindheit Jesu.
Ein pergamentblatt des angehenden 14. Jahrhunderts in
fol., ursprĂĽnglich zweispaltig zu 52 zeilen ; auf seite A ist die
zweite spalte vollständig fortgeschnitten, auf seite B sind die
initialen derselben sowie spärliche reste der anfangsbuchstaben
noch zu erkennen. Die initialen sind bei jedem zweiten verse
ausgemalt, die grofsen anfangsbuchstaben abwechselnd rot und
blau. Die zweiten verse sind eingerĂĽckt.
Erhalten sind : Vers 2227—2840 (nicht 2880, wie gewöhn-
lich angegeben ist) ; sie wurden von Dronke in Mones anzeiger
8, 200 — 208 ohne angäbe der Zugehörigkeit veröflFentlicht. In
Kochendörflfers ausgäbe [Quellen und forschungen 48 (1881)]
ist das fragment mit E bezeichnet.
Es fallen auf seite A vers 2227—2278
B vers 2279—2840.
42 Willy Scheel.
14. Konrad von 'WĂĽpzbupg', Trojanerkriegr.
Ein kleiner pergamentstreifen, aus einem doppelblatt
herausgeschnitten, aus dem 14. Jahrhundert, ursprünglich in 4 ®,
zweispaltig ; auf dem ersten blatt sind sieben zeilen jeder spalte^
auf dem angebogenen blattrestchen nur drei bis vier zeilen
einer spalte erhalten ; die hs. hatte 40 zeilen auf der kolumne.
Die anfangsbuchstaben jeder zeile sind rot getupft. Das frag-
ment stammt aus dem Cisterzienserkloster Camenz in Schlesien
und ist von Gräter in Idunna und Hermode 1813^ s. 22 f.
ohne Verfasserangabe veröffentlicht und erst von Bartsch in
der Germ. 27, 127 als Konrads dichtung angesprochen worden.
Merkwürdig ist, dafs weder er noch Gräter das angebogene
restchen von drei bis vier zeilen (wir wĂĽrden es mit C a und
Db bezeichnen) mit keinem werte erwähnt hat; sie scheinen
also beide das fragment nicht selbst gesehen zu haben. FĂĽr
Bartsch geht dies übrigens schon daraus hervor, dafs er Gräters
sehr fehlerhaft geschriebenen text mit konjekturen zu bessern
versucht, die, wie sich bei der nachprĂĽfung ergab, fast immer
das richtige getroffen hatten.
Erhalten sind:
1. Blatt Aa 22 356—362 (Bartsch)
b 22 396—402
Ba 22 435—442
b 22 476—482
C a beg. im
ob ir durh ivwers z . . . .
D b beg. . . n I . . tan | . . . cÄ mit sfce wem
Die reste von C und D haben* nicht nachgewiesen werden
können.
15. Passlonal.
Ein pergamentdoppelblatt des 14. Jahrhunderts in fol.,
dreispaltig, mit 50 zeilen auf der spalte, als bucheinband be-
nutzt, wie an der mit weifser färbe geschriebenen 421 auf dem
Die Berliner Sammelmappe deutscher fragmente. 43^
rücken zu erkennen ist. Die initialen sind kräftig geformt^
abwechselnd rot und blau; die vorgezogenen linien sind deut-
lich zu sehen. Das fragment ist durch M. Haupt erkannt
und bestimmt worden.
Es enthält:
Blatt 1 A a 507, 9—12 + 36 verse; 507, 13—22 (Köpke)
b 507, 23. 24 + 2 verse; 507, 25—70
c 507, 71—508, 22
Ba 508, 23—508, 72
b 508, 73—509, 26
c 509, 27—509, 76.
Blatt 2 Ca 516, 1 —516, 50
b 516, 51—517, 4
c 517, 5 —517, 54
Da 517, 55-518, 6
b 518, 7 -518, 56
c 518, 57—519, 10.
Vielleicht aus derselben hs. stammt das bei Köpke (aus-
gäbe 1852, 8. XIV) erwähnte pergamentblatt , das s. 509, 89
bis 512, 3 entspricht, also das eine blatt des zwischen unserem
509, 76 und 516, 1 fehlenden doppelblattes sein könnte. Unser
fragment ist bis jetzt noch nicht benutzt worden; ich gebe
daher eine koUation:
507, 11 in hie; nach 12
13* daz in eu^) leide steiget sich
m wol weiz ouch ich
15* wi daz selbe smecket
Swi ez mich dicke recket
Leider vf ein vngeduU
Idoch ist di sdhe schvlt
von vnvollenkvmenhcit.
20* Ich weiz des eine warheit
daz beide stein vn hoUz
Behidde manige blum stoUz
vnder in . di svs verwett
als sich dar in ein wint sehnt
^) Vor zu ist ein l schattenhaft sichtbar; vielleicht wollte der
Schreiber erst zum folgenden leide ansetzen.
44 Willy Scheel.
25* Oh mich gemein di lute
wolden loben hĂĽte
Ich dechte ouch licht es ist alwar
Nv sol mich goteldb her vn dar
Drucken mit vnvugen
30* Der haz an vil genvgen
Ez si mir leit oder lieb
Ich sal doch svmelichen dieb
haben . der min ere
Mir Stele vollen sere
35* rf daz ich so bekenne
Durch waz vn wenne
Ich mich v^heben svle an mir
Durch got erveUet vwer gir
vn setzet mir dran manigs kegel
40* m reiniget daz körn ei vlegel
vn daz gadem ein rute
daz golt in vuw's glute
daz sieche ouch &i puluer stoub
Svs nimt ouch w'lich vrhub
45* Genvger seien vnvlat
Di man mit itemze twat^)
vn wil mit after&prache widen
wol si di ez hant geliden
vn dran di räche vermiden
14 ouch geniden. Nach 24 vn er des nicht v'mochte Stva zv er nicht
iochte 80 hie gienc im abe 43 tvgenthafler 52 in 59 sie fehlt 70 dit
71 erdacht 75 gestvnt 79 dachte 80 zv der 508, 7 danne 31 irrat (?)
42 in nu 4A nicht da vät 53 Immer slu^ er 61 vf blozer 63 Dem heiligen
dem 87 v^spreit 89 Dit machte 509, 7 dit 8 dit 22 an 70 mochte schrien
75 dit 516, 11 eteliche 13. 14 sind umgestellt 63 an Worten 68 dit
50 blozlich di wort 90 sl gut 517, 7 wil 21 fehlt er 31 fehlt im
43 dit 44 eime semftem 48 dit; an tm fehlt; im nach er ist ausradiert —
vntz im also 50 wart do 65 offenlich sin 66 schände (!) 67 dit 75 woMe
ot Sl in gcmtze 51S, 11 warmem 20 dit schimpfen gutlich er (^^^ S) 21 vn-
betrvbetem 26 do er ein teil hete 30 seihest 62 vf der straze 11, 79 du
"94 mit den wart 519, 2 vf der erden 3 in nicht 5 vn so
Nach den bei Köpke angeführten lesarten läfst sich eine
nähere zugehörigkeitsbestimmung unserer hs. zu K oder S
mit gewifsheit nicht geben.
*) t steht in Basur; lies vat.
Die Berliner Sammelmappe deutscher fragmente. 45
16. Passlonal.
Ein pergamentblatt aus derselben hs.*) wie das vorher-
gehende, an der rechten seite etwas und unten um 7 — 8 verse
beschnitten. Es hat zum einband eines 8^-bandes gedient;
auf dem mehr vergilbten rtickenteil des ehemaligen einbandes
steht : Stultifera navis, davon seitlich mit rotstift die zahl 397»
Erhalten sind : A a 419, 12—419, 53 (Köpke)
b 419, 61—420, 5
c 420, 14-420, 54
Ba 420, 63—421, 4
b 421, 13—421, 53
c 421, 62—422, 6.
Auch dies fragment kannte Köpke noch nicht.
Kollation: 419, 23 swanne S2 der 4S hin 49 dan 62 wasbesit
63 toas fehlt 66 volgete [er]; er ist ausradiert. 81 diewint mit Sturmes
vlagen 83 in grozer vorchte 84 worchte 93 irm (m darĂĽbergeschrieben)
420, 2 dit 23 vil hohgeloheten 24 dit 38 er fehlt 53 Sit 420, 64 ist
zweimal geschrieben 76 sint es 83 sach corrig. sprach 94 hcUde sich
421, 21 kante 51 sin fehlt 63 wand sie 64 Di g, 69 da 73. 74 straze :
saze 86 wisete 95 an miW hat 422, 5 augustines.
17. Passlonal.
Ein pergamentdoppelblatt des 14. Jahrhunderts in fol.,
zweispaltig (!) mit 41 zeilen in starker schrift auf der kolumne,
sodafs auch da, wo die färbe der buchstaben geschwunden
ist, die lesbarkeit nicht gelitten hat. Es war einbanddecke
einer biblia s. Sixti Sinensis. Auf dem rĂĽcken stehen die
zahlen 393. 957; ausgestrichen 347. Die blätter sind nach
aufsen umgeknickt, sodafs blatt 1 das jetzige hinterblatt ist;
sie bildeten das äufsere blatt eines quaternio. Ihr früherer
besitzer war Köpke. Die initialen sind zierlich rot und blau
ausgemalt, die anfangsbuchstaben rot getupft. Der text fällt
in die geschichte der heiligen Elisabeth und Cäcilie.
^) Aus der gleichen hs. befinden sich noch andere blätter, wie Edw.
Schroeder auf dem ĂĽmschlagblatte bemerkt hat, in Ms. Germ. fol. 737
nr. 11 (bruchstĂĽck aus Hofimann von Fallerslebens besitz).
46 Willy Scheel.
Erhalten sind:
Blatt 1 A a 625, 29—625, 69
b 625, 70-626, 13 [625, 84 fehlt]
Ba 626, 14—626, 54
b 626, 55-626, 95.
Blatt 2 C a 637, 23—637, 62 (3)
b 637, 64—638, 5 (6)
D a 638, 7 —638, 47
b 638, 48—638, 88.
Das fragment ist nicht bekannt; es ist nach einer blei-
fitiftnotiz fälschlich als Parzival bezeichnet worden.
Kollation: 625, 35 so fehlt 37 vil vbler .. mĂĽ fehlt 39 daz
ir zu geluckch verschrieben fĂĽr gelĂĽcke doch 45 Vnd .... von domne 46
auf sey 84 fehlt 86 wie 93 vnd auch 626, 1 die vil 8 auz dem 9
besĂĽlgt 11 chleit 16 Dauon 18 Dei' lovt., do fehlt 59 fwrwa/r 71
gepete 88 gevienc 91 so groz 92 Do lag 637, 23 vnd ew sein v'weget
25 nvust 58 gespotter 83 si fehlt 85 Nvrhiew^ der tugend rat 91 dir
wöl 638, 1 ligestu 4 furwar 20 des wir 26 hesulget (?) 44 hiez 49
man in da v'zdde.
18. Der Pleiep, Garel von dem blĂĽenden Tal.
Von der hs. M(eran) — der Garel ist sonst nur noch in
einer Linzer papierhs. erhalten — sind acht pergamentdoppel-
blätter bekannt, von denen Zingerle in den Wiener Sitzungs-
berichten 1865 1, 449—558 14 blätter, A. Goldbacher in der
Germ. 8, 89 — 97 zwei diplomatisch beschrieben und abgedruckt
hat. Letzere beiden befinden sich jetzt in unserer Sammlung;
es sind nach Walz' benennung die zusammenhängenden blätter
IX !> und XIII ^
Sie stammen aus dem angehenden 14. Jahrhundert^) und
sind in gr. fol. dreispaltig mit 44—47 zeilen auf der kolumne.
Die Schrift ist an einigen stellön abgerieben; die gro&en
initialen sind nur angedeutet, nicht ausgemalt; immer der
!B weite vers ist eingerĂĽckt.
^) Zingerle und auch Walz (ausgäbe s. XII — XIII), der aber wohl
die hs. nicht im originale sah, wollen sie eventuell noch ins 13. Jahr-
hundert rĂĽcken.
Die Berliner Sammelmappe deutscher fragmente. 47
Es sind enthalten:
Blatt 1 Aa 15659—706 (Walz) = 1—48 (GoHludwr)
b 15707—753 = 49-95
c 15754-801 = 96—142
Ba 15801 (!w«imiü g«idiri«l)«i) —846 = 143—188
b 15847-892 = 189—234
c 15893—938 = 235—280.
Blatt 2 Ca 17051—096 = 1—46
b 17097—142 = 47—92
c 17143-188 = 93—138
Da 17189—232 = 139—182
b 17233—276 = 183—226
c 17277—320 = 227—270.
19. Relnmar von Zweter.
Zwei zusammenhängende pergamentblätter des 14. Jahr-
hunderts in gr. 4", zweispaltig mit 35 zeilen auf der spalte.
Nur die Strophen sind abgesetzt; fUr gröfsere initialen ist
platz gelassen. Von einer band des 16. Jahrhunderts steht in
grolsen lettern auf seite A : Walshausen vnnd geismar de armo
1544, Berechennt teu CasseĂĽ denn 16. Jftly anno 1545. Der
bogen stammt vielleicht aus M. Haupts besitz, da er auf dem
umschlage den Verfasser angemerkt hat. Von Roethe, Die
gedichte Reinmars von Zweter (1887) s. 142 — 143 als U be-
zeichnet.
Erhalten sind: Blatt 1 Aa 21*— 23* (Roethe)
b 23*— 25*
Ba 25*-27*
b 27*— 29*.
Blatt 2 C a 79*-81*
b 81*— 83*
Da 83*— 85*
b 85*— 87*.
48 WiUy Scheel.
20. König Rother.
Ein blattfragment (oberer teil des blattes) einer pracht-
vollen hs. des 15. Jahrhunderts in 4®, zweispaltig, mit ur-
sprĂĽnglich 27 Zeilen auf der seite, wovon jetzt nur 18 er-
halten sind. Die initialen sind rot und blau; längere verse
sind abgebrochen und durch rote und blaue CK Verweisungen
hergestellt; solche cX stehen auch am versende. Auf seite A
steht rechts am rande: Heinrich Glediensis EĂĽerds(?). Auf
Seite B ist die spalte b ganz freigelassen ; darauf ist oben von
einer band des 17. Jahrhunderts ein farbenrezept und im
19. Jahrhundert die adresse des freiherrn von Arnswaldt in
Hannover, nach dem das fragment genannt ist und aus dessen
besitz es stammt, unten notiert worden. Beigelegt ist der
Originalbrief Beneckes vom 25. Januar 1821 an den freiherrn
von Arnswaldt.
Erhalten ist: Aa 5140—5152 (v. Bahder)
b 5163—5178
Ba 5187—5201.
21. Rudolf von Ems, Weltehponlk.
Ein pergamentblatt des 13./14. Jahrhunderts in 4®, zwei-
spaltig, mit 39 Zeilen auf der spalte. Die schrift ist sehr gut
erhalten; auf seite B sind die Knien auffallig hervortretend
und ĂĽber den rand hinausgezogen. Initialen sind zweifarbig,
auch rot und blau wechselnd. — Das fragment ist von Zingerle
1856 im kloster Stams aufgefunden und vom deckel einer hs.
des Egidius Romanus von 1350 abgelöst worden. 1867 konnte
es in Stams nicht mehr gefunden werden; Zingerle hat es
daher nach seiner abschrift, die nur bis vers 278 reichte, in
den Wiener Sitzungsberichten bd. 55, s. 640 — 643 publiziert.
Wie das blatt schliefslich nach Berlin gekommen ist, kann ich
nicht angeben. Der text entspricht bei Vilmar, Die zwei
recensionen .... der weltchronik Rudolfs von Ems 1839 :
Die Berliner Sammelmappe deutscher fragmente. 49
Aa = Vilmar s. 62^ 149—187
b = 188—226
B a = 227—265
b = 266—304.
Femer ist auch die probe bei Mafsmann, Kaiserchronik
3, 115* ff., heranzuziehen.
22. Rudolf von Ems, AVeltchponik.
Vier pergamentblätter (1, 2 und 3, 4 zusammenhängend)
des 14. Jahrhunderts in gr. 4®, zweispaltig, mit 39 zeilen in
der spalte. Seite A und H zeigen leimreste; blatt 1 und 2
ist stark, 3 weniger durchlöchert. Das fragment stammt aus
Pfeiffers besitz und ist von ihm in seinem Altdeutschen Ăśbungs-
buch (1866) s. 52 ff. vollständig abgedruckt. Der text stimmt
im allgemeinen zu SchĂĽtze, Die historischen bĂĽcher des alten
testaments 1. 2. (1779), der die Hamburger hs. abdruckt, hat
jedoch bisweilen zusatzverse; kapitelĂĽberschriften fehlen unserer
hs. durchaus. Die blätter sind in der aufschrift des Umschlages
Jans Enenkel zugewiesen.
Erhalten sind:
Blatt 1
Aa —
Schütze 1, 81, 32— 82 unten
b
83, 1 84, 3
Ba
84, 4 85, 9
b
85, 10 86, 12.
Blatt 2
Ca
101, 7—105, 17»)
b
105, 18—106, 24 (i. 2 Zusatnem)
Da
106, 25-107, 27
b
107, 28 108, 31.
Blatt 3
Ea
169, 1 170, 3
b
170, 4 171, 4
1) Zu 105, 13 — 18 vgl. Vilmar, Die zwei recensioneu . . . der welt-
chronik Eudolfs von Ems s. 66 V; Mafsmann, Kaiserchronik 3, 184» und
Z. f. d. phil. 9, 466.
Festschrift. 4
50 Willy Scheel.
Fa 171, 5—172, 9
b 172, 10-173, 16
Blatt 4 Ga 180, 1—181, 7
b 181, 8—182, 10
Ha 182, 11-183, 13
b 183, 14—184, 16.
23. Rudolf von Ems, Weltdiponlk.
Ein pergamentdoppelblatt des 13. Jahrhunderts in 8^,
zweispaltig, mit 34 zeilen auf der spalte. Der bogen ist vor-
zĂĽglich erhalten. Die initialen sind rot, die anfangsbuchstaben
stehen zwischen senkrechten linien und sind nicht gefärbt.
Der text ist aus 3. Kön. 6 — 10 := 1 Chron. 3 — 9 genommen
und behandelt Salomos tempelbau, befestigung Jerusalems und
des landes, sowie die weitere regierung. — Unbekannt.
Erhalten sind:
Blatt 1 A a beg. Wie si si machen solden
schl. Die crone hi den selhB tagen
b beg. In si/nem lande getragen
schl. vn nach de willen gottes
B a beg. an d* lere gottes gehottes
schl. Mit grozen scharn mit livtB vil
b beg. Do hiez an dB selben zil
schl. Gesehen wed^ wip noch man
Blatt 2 C a beg. Deme an tvisheit man noch wip
schl. Eine stat div hiez g atzer
b beg. veste vn riche irkant die er
schl. Die in sinen iaren
D a beg. Sin vn an im waren
schl. Do hat hescheidB alsm
b beg. D' Mnsteriche Josephus
schl. äffen vn hei fände.
24. Rudolf von Ems, Weltcliponik.
Zwei einzelne pergamentblätter des 14. Jahrhunderts in
fol. max., zweispaltig, 43 — 44 verse auf der spalte, zusammen
329 verse. Beide blätter sind oben um 1 — 4 verse beschnitten.
Die Berliner aammelmappe deutscher fragmente. 51
Die initialen sind rot und blau, die anfangsbuchstaben in
senkrechten linien rot getupft.
Erhalten sind:
Blatt 1 A a beg. Di kunst h' ym asu lere gap
sohl. Dctö Kanaan wart genant
b beg. Von sydon an geararam
sohl. Das was phcUech vnd iedan (?)
Ba beg. Als ich ttch bescheiden wĂĽ
schl. DB cewein gesiechte waa ey wicht
b beg. Iedan (?) wart czu tz
schl. Kome vn\i::: äüc ,.
Blatt 2 A a beg. Wen di was di erste (= Zingerle v. 23)
seid. Lute namen vnde lant (= Zingerle v. 63)
b beg. G:e: ir nid* grozvn (?) asya (= Zingerle v. 70)
schl. Nymat dor ynne mag genest/n (== Zingerle v. 1 1 1)
B a beg. V :::: sv:: ie ins sint gelegen
schl m vn sehinczig ecke wag
b beg. Das vumfczene kvnne schar
schl. Woren di gesiechte gar
Unbekannt. — Der text behandelt den turmbau zu Babel
und die diesem voraufgehende geographische stelle, und ist
weder bei SchĂĽtze noch bei Vilmar benutzt; Blatt 2 (Aa u. b)
stimmt zusammen mit Zingerle, Eine geographie aus dem
13. Jahrhundert (1865) vers 23 S.
26. Rudolf von Ems, AViUieliii von Orlens.
Ein pergamentblatt des 14. Jahrhunderts in foL max. in
zwei spalten zu je 56 versen mit sehr deutlicher schrift (nach
Knebel prachtexemplar). Die initialen wechseln in roter und
blauer färbe, die anfangsbuchstaben halten zwischen zwei
senkrechten linien gerade die mitte und sind rot getupft. Auf
Seite A steht von einer band des 16. Jahrhunderts das wort
Choliniana und die buchstaben A. H. Das fragment stammt
aus dem besitz des Kölnischen gymnasialdirektors Dr. H. Knebel,
der es im programm des Friedrich- Wilhelms-gymnasiums zu
Köln 1852 genau abgedruckt und beschrieben hat; Selbst
noch bei Piper, Höfische epik 3, s. 633 (Kürschners Deutsche
4*
52 Willy Scheel.
nationallitteratur 4, 1, 3 [1895]) wird das fragment (X) als in
Köln befindlich bezeichnet.
Erhalten sind: Aa 1 — 56 (Kiiebel)
b 57—112
Ba 113—168
b 169—224.
Vergleiche neuerdings V. Zeidler, Untersuchungen des
Verhältnisses der Hss. von Rudolfs von Ems Wilhelm von
Orlens. Progr. KaroHnenthal bei Prag 1894, das ich jedoch
nicht habe benutzen können.
26. Der Stricker, Karl der Grofse.
Zwei pergamentstreifen des 14. oder des beginnenden
15. Jahrhunderts, die zu demselben doppelblatte gehören; die
hs. war in gr. 4^, zweispaltig mit ursprĂĽnglich 36 versen auf
der kolumne. Die initialen sind rot, auf C b finden sich spuren
einer hĂĽbschen Ausmalung; die anfangsbuchstaben, sowie die
grofsen buchstaben im text und auch einige h sind rot getupft.
Erhalten sind:
Aa 8177—8183. 8199—8209 (Bartsch)
b 8213—8220. 8 plusverse
B a 8233—8238. 8257—8266
b 8271—8277, 8293—8303
Ca 9157—9163. 9179-9189
b 9193—9199. 9215—9225
Da 9229—9235. 9251—9261
b 9265—9271. 9287—9297.
Bisher unbekannt Eine WĂĽrdigung und genaue be-
sprechung dieser verlorenen hs. , sowie eine kollation unseres
fragments wird von mir in der Z. f. d. a. gegeben.
27. Der jĂĽngrere Titurel.
Zwei und zehn pergamentstĂĽckchen einer oder zweier
Hss. in 8^ oder 4^ des 13./14. Jahrhunderts, die in unab-
Die Berliner Sammelmappe deutscher fragmente. 53
gesetzten versen in mindestens zwei spalten je 6—8 Strophen
enthalten haben. Bis jetzt habe ich davon zwei blättchen
nachweisen können. Es enthalten:
Bl. Aa Str. 4931—4934 (Hahn)
und daran anschliefsend B a „ 4934 — 4938
ebenso A 1 b „ 4950—4954
B 1 b „ 4954—4957.
Wir gewinnen also fast vollständig je eine spalte des ehe-
maligen blattes. — Unbekannt.
Die übrigen zehn Stückchen gehören, wie schon angedeutet,
vielleicht einer zweiten hs. an; die schrift ist vollkommen
anders, jedoch ist die einrichtung der hs. freilich der ersten
recht ähnlich. Nähere angaben sollen einer besonderen Be-
sprechung vorbehalten bleiben.
28. XJlplcli von TĂĽpheim, Willehalm.
Ein pergamentblatt der ersten hälfte des 14. Jahrhunderts
in 4®, zweispaltig mit 37 versen auf der kolumne; auf der
linken seite beschnitten. Die initialen sind doppelfarbig aus-
gemalt, die anfangsbuchstaben der zeile zwischen senkrechten
linien links herausgerĂĽckt. Jeder zweite vers ist eingerĂĽckt.
Die sprachform der hs. ist niederrheinisch. Das blatt stammt aus
V. d. Hagens besitz und ist abgedruckt von Kinderling in Adelungs
Magazin für die deutsche spräche 11, st. 1, s. 54 flF. (nicht ge-
nau), s. Lohmeyer, Die handschriften des Willehalm Ulrichs v.
TĂĽrheim (1883) s. 17 nr. 16. Der inhalt entspricht der Heidel-
berger hs. G) 148 b 39— 149 a 18 (Lohmeyer s. 12— 13)^).
Erhalten sind:
A a heg. . erre bi mir hie hestan
schl. . z ein michel wnder was
b heg. Da0 sie geheine mle genas
schl. älysen totlich reise
*) Von mir benutzt in der Lachmannschen abschrift Ms. Grerm.
fol. 401.
54 Willy Scheel.
Ba beg. van vrotceden schiet dat herze
schl. Tot er noch in deme strite
h beg. So daz ime ze heider sHe
schl. Daz der weise Malifer
Dies stĂĽck fehlt gerade zynischen blatt 58 und 59 der
Casseler hs.; eine abschrift Jac. Grimms befindet sich in Ms*
Germ. 4® 914 (Wigands abschrift der Casseler hs.).
29. Ulpicli von TĂĽphelm, AVillehalm.
Zwei pergamentblätter *) aus derselben hs., wie das vorige^
jedoch mit 36 versen auf der spalte, ebenfalls links beschnitten ;
jeder zweite vers ist eingerĂĽckt. Der inhalt entspricht 1 254 a
bis 255 c.
Blatt 1 A a beg. . z sie YfoUe kumen her
schl. . il ich dich dar vmme vughen
b beg. Svn ich wil dich wizzen lan
schl. Swe wil de Stange swere plac
B a beg. Er zucte sie vp als einen stap
schl. jch ghetruwe vnser heider hĂĽde
b beg. Daz vnser pris sich mere
schl. do er die ritter vor ime sach.
Blatt 2 C a beg. . ol hereit mit strite
schl. . . vlohen hin vph daz mer
b beg. Swer sich da versvmde
schl. svn mir ist an dir hetaghet
Da beg. Yil gar mines h'rzen wunne
schl. vn werde ich iummer ein mä
b beg. So muz ichz v'diene haz
schl. so histu Stare vn ellens hält.
SO. Ulpich von TĂĽrheim, AVillehalm.
Ein pergamentd oppelblatt derselben Manderscheidtschen
Hs., aus der Haag in der Z. f. d. phil. 3, 95—105 ein stück
aus Türlins anteil (? bei Singer) veröflFentlichte , 13. oder
14. Jahrhundert, in fol., dreispaltig mit 43 zeilen auf der
kolumne; es ist der innerste bogen einer läge und diente ala
') Signatur Ms. Germ. fol. 697, doch in unsere Mappe gelegt.
Die Berliner Sammelmappe deutscher fragmente. 55
aktenumschlag : Extract Kerperischer Gelt vnd fmclitt Oefefl
1582. (Vgl. nr. 82.) Von G. Leue ermittelt. Die initialen
sind schön in gold und färben ausgemalt. — Der inhalt ent-
spricht der Heidelberger hs. (1) 140 b 37 — 142 c 49 ; vgl.
E. Lohmeyer, Die handschriften des Willehalms Ulrichs von
Ttirheim (1883) s. 9 nr. 4 a.
Erhalten sind:
Blatt 1 A a beg. Sv gat gan Portipaliart
schl. Man da ee mvUevne sach
b beg. In leide dv kvneginne sp'ach
schl. Mvt' nv gehabe dich haz
c beg. Denne dich din leit tivinge
schl. Ich ml niht sprechen fvrhae
B a beg. Ich fvrhte gvV wibe haz
schl. Oh ich gar die kost Seite
b beg. Dez dvhte iv me denne gnvh
schl. Ich hin gern* ein landdez frowe
c beg. Denne icJi din* gnaden warten
schl. ToM SV hat dich erzogen
Blatt 2 C a beg. Sit de dv hast volle sogen
schl. Manig lichtes wäge sich hegoz
b beg. Mit wasserlichen gissen
schl. WC sin h'tze beladen
c beg. Dez veste wangS m^zB baden
schl. Dar an nieman missetvt
Da beg. Jehent die bescheiden toisen
schl. Da vö er sich vö ir schiet
b beg. Sin h'tze sang dez ianCs liet
schl. Got alysen gar bescherte
c beg. Vil gvt weW bitz de sv harn
schl. Swc wir vf der l erde han.
81. Ulpieh von dem TĂĽplln, Willehalm.
Die bis jetzt unbekannten Berliner fragmente, die ich
zum unterschiede von den in Ms. Germ. Berol. fol. 746 auf-
bewahrten mit j^i bezeichnen will, sind drei zu aktenumschlägen
verwandte und von solchen losgelöste stücke derselben hs.,
von denen das zweite und dritte bruchstĂĽck zu einem doppel-
blatte gehören.
Fragment 1 ist ein pergamentdoppelblatt aus dem ende
56 Willy Scheel.
des 13. oder beginn des 14. Jahrhunderts in 4 ^^ dessen zweites
blatt (seite C, D) am rande stark beschnitten ist, zweispaltig,
mit 39 Zeilen auf der spalte. Die initialen sind rot, die aĂĽ-
fangsbuchstaben rot getupft. Die zwei bilder tragen rote
prosaĂĽberschriften. Seite A und D sind dergestalt abgerieben,
dafs nur einzelne buchstaben durchscheinen; seite B, C sind
gut erhalten.
Fragment 2 ist weniger gut erhalten; es sind oben acht
bis neun verse abgeschnitten und die seiten stark am rande
beschädigt; seite A b ist in der bruchfalte des ehemaligen
Umschlags stark durchlöchert; auch Ba ist abgerieben und
z. t. unlesbar ; die spalte ist z. t. mit einem andern pergament-
stĂĽck ĂĽberklebt worden, auf dem jedoch schriftzĂĽge nicht
mehr zu erkennen sind. Die schrift ist etwas verblafst.
Fragment 3 ist ein vom fragment 2 (seite C, D) oben
abgeschnittenes, jedoch genau an den schnitt passendes perga-
mentstĂĽckchen mit acht bis neun erhaltenen versen auf der spalte.
Nach längerer Überlegung bin ich zu dem ergebnis ge-
kommen, dafs unser ßi nicht derselben hs. angehören kann,
wie Ăź. Sind allerdings auf den ersten blick die bilder von
ähnlicher technik, die in ß wie in ßi rote prosaische Über-
schriften zeigen, so stimmt doch anderseits erstlich die Zeilen-
zahl nicht 0^ = 39; /?! = 45), zweitens sind — und das
wiegt gewifs schwer — in /9 die Anfangsbuchstaben in senk-
rechte Hnien eingeschlossen, in /?i jedoch nicht! Ferner ist
der beschriebene Raum in beiden fragmenten auch nicht an-
nähernd gleich. Endlich erscheint auch die schrift selbst in
ß i durchweg dicker und weitläuftiger, als in ß, was ja freilich
leicht durch annähme zweier Schreiber zu erklären wäre.
Was die spräche von ß i angeht, so ist nicht zu entscheiden,
woher die hs. stammt. Die alten monophthonge sind zum
gröfsten teil noch als e, w, tu gewahrt: nur ganz wenige aus-
nahmen zeigen ei und ou (speise, flovmes, pflovm); uo und ie
erscheinen zusammengezogen als ĂĽ und i in gvt^ UpUchen.
Ăśberhaupt ist v ein universallaut fĂĽr ĂĽ, iu, ĂĽe, w, u in Ivteme,
Die Berliner Sammelmappe deutscher fragmente.
57
gvhet, grvegen, slvesele, gebvrt; mhd. oĂĽ ist immer eu: frevde.
Ebenso wie die monophthonge ĂĽ und t weisen auch die massen-
haften e am Wortende : eineme, gvte, rede, State, tröste .... auf
Mitteldeutschland. Ganz im gegensatz dazu steht die an Ober-
deutsches erinnernde Vertretung des h durch ch in ehert,
ehomen, dmsse; chliebe, chraft; starcheme; kercher (neben Jcerher).
Bemerkenswert ist endlich noch das schwanken zwischen h
und eh im auslaut: eoh, höh, geschah neben leck, sowie das neben-
einander von b und p in fremd wo rten: borten, boyer; perlen.
Die erhaltenen verse verteilen sich auf die einzelnen selten
in folgender weise:
Fragment 1,
Blatt 1 A a = LXXXIV, 20— LXXXV, 27 1
b = LXXXV, 28 - LXXXVn, 4 J ^*^* ««leserlich
B a = LXXXVII, 5-LXXXVm, 12
b = LXXXVin, 13— LXXXIX, 20-1-2
Blatt 2 C a = XCVn, 26— XCIX, 1 (2)
b = XCIX, 3— C, 10
Da)
A= C, 11 (12) ff. - Cn, 14 unleserUch
XLVIII, 10— L, 21 (?) unleserlich
L, 29- LI, 28
LH, 7- LH, 24
LXII, 9— LXni, 8
LXIII, 17— LXIV, 4
= (?) LXIV, 5-LXVI, 23 (?) unleserlich
LXII, 1
LXIII, 9
LXIV, 5-
LXV, 13-
•8
â– 16
-12
20.
58 Willy Scheel.
Kollation: Fragment 1.
LXXXIV, 21 daz halt wer vz der mazze «- BD. 23 swie fehlt =
eD. 24 st fehlt = BDg. 25 die rede = BDg. 29 pris het bezalt vgL
Tier hezcUt = hnel 31 vurgält LXXXV, 1 hete die rede == hnmop 2 nt? . . die
10 noch fehlt = D 14 frowe fehlt 18 ouch =« Bg 22 er so hmopL
Das nächste, sowie die folgende spalte sind unkoUationierbar bis
LXXXVII, 4.
LXXXVII, 8 8i dc« = BD 12 er sprach zv = hnmop; holde =^0
\^ do = BDg 16 sprach er vrowe fvr daz ich ez ham, = B 18 heiden-
Schaft =*= Bg-, die aMer beste = B 19 erliden =« B 20. 21 der dar torfe
mit hliden vgl. B; so ofte si ze fvre = hnmop 22 iw fehlt = B 23
wizzet fehlt = Bg; vil reine = B 24 ich leider = Bg 31 und fehlt
= Bg.
LXXXVIII, 1 Dem Jcvnige die rede niht geviel = B 2 ovch bereite
= B 5 Tybaldes wille = B % nu fehlt = Bg 7 was nv chomen =
Bg 8 tJn = hnmpel; ein == hpel; wol vernomen = B 9 wert 10 vnde
leid = hmop 15 was hie '= B VI do si nv quamen = nmoe; daa 19
ich wetz 23 noch fehlt = Bg; sich ir minne= B 24 minne mit liebe
chliebe = B 26 Minne sus mit gewalte vert = Bg 27 daz 28 kvnegin
= hnmop; hie fehlt = Bg 29 Ammazvr,
LXXXIX, 1 Der helde tat dient vrowen willen = B 2 ovch kvnde
ir chraft die viende stillen == B 3 st = B 5 vrlovbes 6 vrlovp 8 hertze
im iJit (fehlt in B!) 9. 10 fehlen = B 11 in fehlt = B 12 Arabel
vgl. B ; in daz an (in dez an A ; im daz an hnl) 14 minne ^ doch =
hn; frevde verzeh = B 16 man trvc nv an ^= B 11 vn zv dem kiele =
B; kost vnd fehlt = Bg IS do =^ B flinter 20 hie scheident sich die
kvnegin vnde der kvnig Tybalt
XCVn, 28 drvchet = BDg; dicke (darĂĽbergeschrieben) = el; oft =
hmnopD 31 ich wene niht gvter mvt daz mache = BDg,
XCVni, 1 s. hertzen site = B 3 mir in = Bg 5 stercte = Bg
6 6ai = hnmopg 7 da tti (Text toie; B daz!); gesähen = Bg 8 kvmber
= Bg; iahen = Bg 10 den helt = Bg 11 din^e; ir noch bi (B ir nahe
bi) 12 doch = BD 13 er treit einen so swaren boyen = BDg 14 unen
= 15 frevde 16 sit er svs liget geletzet = BDg 18 balde gie nv *=
hml 19 do in Arabel so ofte bat = BDg 21 kleine vnde niht ze höh =
BDg 22 in lie in = hnop ; vn vz wol zoh = B 24 also (als hmop D ;
Text alj 25 ihc (verschrieben) 28 des gert = Bg 30 seUde 31 den
helt lebenes (!)
XCIX, 1 Der kvnig sin wol plegen hiez = BDg ; 1 nach 2 = BDg
4 Äräbelen 7 die vmbe in mit stete = Bg 11 der = BD 13 nach 14
= BD 16 riche = BDg 18 helt tcol = BDg 19 ermelen = O 20 pdlel
21 wol g, = BDg 29 neic im vn == BDg 31 der 6.
C, 2 /t?r Äräbelen 4 Arabel hiez eine= BDg 5 hiez fehlt = BDg
6 nv was 7 (nicht ganz zu lesen) 8 ist = B bis CII, 14 unkoUa-
tionierbar.
Die Berliner Sammelmappe deutscher fragmente. 5^
Fragment 2.
XL VIII, 10 bis L, 21 ist unkoUationierbar.
L, 29 Sampfole = TgBD 31 da fehlt = xgB Das oberteil der
äufseren spalte ist stark durchlöchert und zum grofsen teil unleserlich.
LI, 7 [emeyal hvfi{e]ge alt == BD 15 MarJeys = D 17 vnd enget
waren=^B 24 alles f ehlt = B 26 streit er fehlt «« BD; zw, riehen = B.
LII, 7 (darĂĽber sind 9 verse fortgeschnitten) alda fehlt = BD
8 tn = 10 da^ wan einen slac in wert = BD 11 verswant = BD
15 do man den margraven = BD 17 hezzer ors wart nie me = TgBD
18 tete den Heiden wc = TgBD; vor fehlt = TgBD 19 heiser '= BD Nach
19 in roter schrift hie gesiget man dem marcgraven vnd belieb sin ors tot
[BĂĽd] 20 siner fehlt = B 21 sit in = B 22 vnd fehlt = BDg.
LXII, 12 presvn 14 ie vf=B; dieh. = Bg 16 solhel (verschrieben)
22 keten =Bg 29 Wilhalm (statt markis) = Bg; dolte 30 swaz = B^
LXIII, 1 spräche = B 6 lac sus = B 8 stoe er doch lange in
grozzer hvt. Die folgenden verse sind abgeschnitten. 18 manic geblomete
=â– B 25 edeler steine vil = Bg 30 mangen starchen walde vnde w[is] =
B 31 beslvzzet sin fliiz des sit gewis = Bg.
LXIV, 1 mit snelle = Bg Nach 4 in roter schrift : hie ĂĽ* : . . man
den markys da er am [Bild]. Der Rest bis LXVI, 23 (?) ist wiede-
rum unkoUationierbar.
Fragment 3.
LXII, 1 minnen holde = 2 schone ich = B LXIII, 9 liet ge-
brechen niht (!) 14 ein ende = hnel. LXIV, 5 ditz = Bg; Bentanar
vgl. B Sentannr LXV, 20 Tyer, vogel (wnd fehlt) = ghnmop D.
Aus der beigefĂĽgten gleichung mit anderen hss. ersehen
wir deutlieh, dafs unsere fragmente {Ăź{) sich BDgr anschliefsen^
also wohl zu der bearbeitung des Willehalm zu stellen sind^
deren Vertreter Singer in seiner ausgäbe mit B* bezeichnet
hat. Die wenigen unserem Ăźi allein eigentĂĽmlichen lesarten
sind durch den druck kenntlich gemacht.
32. XJlrlcIi von dem TĂĽplln, AVillehalm.
Ein pergamentblatt des 13. oder 14. Jahrhunderts in gr. 4®,.
dreispaltig mit 43 zeilen auf den spalten, die durch längslinien
eingerahmt sind. Jede zeile hat einen grofsen anfangsbuch-
Stäben, die initialen sind grofs, rot und blau. Am rande von
Seite B unten steht die Signatur IUI. Das fragment ist in
MĂĽhlheim a. M. gefunden und an den herausgeber Haag ge-
60 Willy Scheel.
San dt worden, der es in der Z.f.d.phil. 3, 95 — 105 abgedruckt
und genau gewürdigt hat; in der neuen ausgäbe von Singer
heifst es Haags fragment (5). — Nach der aufschrift auf
Seite B: atmoiation buchlein defs haufs Manderscheidt . . . .
Ton einer hand des 17. Jahrhunderts gehörte die hs. also wohl
zur Sammlung der Grafen Manderscheidt zu Blankenheim in
der Eifel, in der bekannte andere hs. des Tristan, Wigalois,
des Renners und u. a. auch die Nibelungenhs. K (s. Schroeder,
Z.d.A. 38 [1894] s. 289 ff.), sowie das von G. Leue ermittelte
fragment aus TĂĽrheims Willehalm (s. nr. 30) gewesen sind.
Erhalten sind:
Aa CCCXXV, 7 -CCCXX VI, 23 (Singer)
b CCCXXVI, 24 — CCCXXVm, 15
c CCCXXVm, 16— CCCXXX, 5
Ba CCCXXX, 6 — CCCXXXI, 22
b CCCXXXI, 23 -CCCXXXni, 13
c CCCXXXIII,14-CCCXXXV, 4.
33. Vetepbucli.
Ein pergamentblatt des 14. Jahrhunderts in 4®, dreispaltig,
27 — 28 verse auf der kolumne erhalten. Das ursprüngliche
blatt ist ungefähr in der mitte zerschnitten worden ; die obere
hälfte ist uns erhalten. Die initialen sind rot, die anfangs-
buchstaben rot getupft. Die spräche zeigt die neuen di-
phthonge und ei > ai.
Erhalten sind:
Aa = 1255—1280 (Veterbüch, hsg. v. C. Franke 1880)
b = 1307-1333
c = 1361-1387
Ba = 1415—1440
b = 1467-1497
c = 1525—1551/2.
Vers 1493 — 1496 fehlen in unserer hs. — Über B b stehen
die Worte : Erasmus Rock \ dominus in \ Euangel, Marc
«)
• • •
»
l> *
Die Berliner Sammelmappe deutscher fragmente. 61
Das fragment ist, wie eine bleistiftnotiz verrät, von Edw.
Schroeder bestimmt worden.
Nach der angäbe bei Franke s. 45 über das Regensburger
fragment I läge bei dem genauen zusammenpassen des endes
von I (v. 1254 s. Franke in der tabelle s. 49) mit dem an-
fange unseres fragmentes (v. 1255) die Vermutung nahe, dafs
wir stücke derselben hs. vor uns hätten. I müfste dann also
den unteren teil des dem Berliner bruchstĂĽcke vorausgehenden
blattes enthalten. Dies wird durch die beschreibung bestätigt,
die C. Roth in den denkmälem der deutschen spräche s. 77 — 79
und s. XIV von I giebt: er schildert I als pergament in 4^
aus dem anfange des 14. Jahrhunderts, dreispaltig und oben (!)
beschnitten; die anfangsbuchstaben sind rot getupft. — Die
schriftvergleichung mĂĽfste freilich das endurteil sprechen.
Das fragment ist unbekannt.
34. AATeltcliPonik.
Zwei ineinander zu legende doppelblätter (pergament) des
14. Jahrhunderts , deren hintere blätter je um eine spalte be-
schnitten sind, in 4® mit 27 — 29 zeilen auf der spalte, zwei-
spaltig. Blatt 1 ist oben beschnitten. Die initialen sind rot,
die anfangsbuchstaben der zeilen jedoch nicht rot getupft.
Das fragment stammt aus der Annenkirche zu Neifse und ge-
hört weder zu Rudolf von Ems (Weltchronik), wie aus der
gänzlichen Verschiedenheit der geschichte von David undBersabe
hervorgeht^), noch zu Jans Enenkel. Abdruck in Idunna und
Hermode 1812, nr. 44.
Blatt 1 A a beg. Do der herre velifas
schl. Sin liehen hint was erslagen
b heg. da er den lierren davit vant
schl. herre daz svlt ir mir vergeben
Ba heg. vn was erslagen gar sin her
schl. Mit iamer fvrte man in dan
b heg. der tot fvrte sin ivngez leben
schl. vntz daz der herre her davit
1) S. SchĂĽtze, 2, 162 ff.
€2 Willy Scheel.
2 C a beg. Nv wiste er die kvnegin
sohl, jn andern UmdS mvstB Tdagen
b beg. die von ir tilgenden harten sagen
schl. Swa er wolte an dehemer stet
D a beg. Swa er den hm sande
schl. als er ofte het getan e*
b beg. nv quam die vrowe bersäbe
schl. die tvurds ouh alle erslagB gar
E a beg. ditz weste wol her davit
schl. Sie hete des hvniges wol enbom
Fb beg. ee enrat im rat von himd dar
schl. daz han ich wol hin zim v'sölt
1 Ga beg. niwan daz in ir hitze dvrh gie
schl. daz er sin gemvte
Hb beg. er was aber herlich gestalt
schl. jn dem kvnicriche
36. Wipnt von Gravenbergr, W^iiralois.
Zwei zusammenhängende pergamentblätter des 13. Jahr-
hunderts in 8 ®, zweispaltig zu 40—41 zeilen. Das doppelblatt
ist im unteren drittel wagerecht durchschnitten, doch jetzt
wieder zusammengeklebt; die hälften passen ganz genau an-
einander; blatt 2 ist mehrfach durchlöchert. Es war als ein-
banddecke eines druckes der Starhembergischen bibliothek
benutzt; 1893 fand es Steinmeyer in unserer mappe und gab
ihm die Signatur e (Z. f. d. a. 37, 235 ff.). Er bemerkt dort noch,
dafs die beiden blätter nicht von einem Schreiber geschrieben
sind und auch sonst eigentĂĽmliche unterschiede aufweisen.
Erhalten sind:
Blatt 1 Aa 58, 8 —59, 8 (Pfeiffer)
b 59, 9 —60, 9
B a 60, 10—61, 9
b 61, 10—62, 9
Blatt 2 C a 70, 10-71, 9
b 71, 10—72, 9
D a 72, 10—73, 9
b 73, 10—74, 9.
Die Berliner Sammelmappe deutscher fragmente. 63
36. AATlpnt von Gravenbergf, Wigralois.
Nachbildung des norwegischen Wigaloisfragmentes aus
dem nachlafs Jacob Qrimms, das K. Mfillenhoflf, Z. f. d. a. 19,
237 — 239, herausgegeben und behandelt hat.
Es umfafst: 269, 5 —16 (Pfeiffer)
269, 39—270, 10
270, 33-271, 4
271, 27—271, 38.
Das original ist Ăśberrest eines pergaraentblattes des H.Jahr-
hunderts in fol. mit ursprĂĽnglich 34 zeilen auf der spalte; es
war als einband einer vogteirechnung von 1633 aus Ryfylke
bei Stavanger verwandt.
37. Wolfram von Esclienbaeli, Papzival.
Zehn blätter aus der ersten hälfte des 14. Jahrhunderts
in gr. fol., zweispaltig, zu 42 zeilen die spalte. Blatt 1. 2, 3. 6,
4. 5 und 9. 10 hängen zusammen. Von blatt 1, 5, 6, 9 ist
die äufsere spalte fortgeschnitten, 4 und 5 sind oben um je
sechs Zeilen beschnitten, 10 ist mitten durchschnitten, doch
passen die teile ganz genau aneinander. Je der erste buch-
stabe der zeile ist herausgerĂĽckt und steht zwischen zwei senk-
rechten linien. Die initialen sind abwechselnd rot und blau;
einige sind herausgeschnitten. Pfeiffer kaufte die blätter von
einem Augsburger antiquar und hat sie im quellenmaterial
2, 51 ff. abgedruckt und dort auch genauer s. 50 ĂĽber die hs.
gehandelt, die eine jĂĽngere band am ende des 14. Jahrhunderts
durchkorrigiert hat.
Erhalten sind:
Blatt 1 Aa
233, 5 —234, 16 (Lachmann)
Bb
237, 11-238, 22
n 2 Ca
249, 25 251, 6
b
251, 7 -252, 18
Da
252, 19—253, 30
b
254, 1 255, 12
64
V
n
»
»
»
n
Willy Scheel.
bt 3
Ea
316,
25—317, 30. 818, 1—4.
9—10 »)
b
318,
11 319, 22
Fa
319,
23—321, 4
b
321,
5 322, 16
4
aa
322,
23 323, 28
b
324,
5 325, 10
Ha
325,
17—326, 22
b
326,
29-328, 4
5
la
339,
12-340, 18
Kb
343,
19—344, 24
6
La
344,
25 346, 6
Mb
349,
1 350, 12
7
Na
539,
27-541, 8
b
541,
9 542, 20
Oa
542,
21 544, 2
b
544,
3 545, 14
8
Pa
556,
17—557, 29
b
557,
30—559, 11
Qa
559,
12-560, 23
b
560,
24—562, 5
9
Ra
634,
22—636, 3
Sb
638,
30 640, 11
10
Ta
651,
16 652, 27
b
652,
28-654, 9
Ua
654,
10 655, 25
b
655,
26 657, 7.
. ^
38. AVolfpam von Eselienbacli, ParzlvaL
Ein pergamentdoppelblatt der zweiten hälfte des 14. Jahr-
hunderts in fol., zweispaltig, auf der spalte 42 zeilen. Der
untere rand mit acht bis neun zeilen ist abgeschnitten, die
äufsere ecke des ersten blattes abgerissen. Das fragment
stammt aus PfeiflFers nachlafs, der es 1865 in Salzburg er-
*) 318, 5 — 8 fehlen in unserer hs.
Die Berliner Sammelmappe deutscher fragmente. 65
worben hatte. Es hat einer lateinischen hs. kirchen rechtlichen
Inhalts als vorsetzblatt gedient. Abdruck bei Pfeiffer, Quellen-
material 2, 66—68 (sogen. Pfeiffersches bruchstück).
Erhalten sind:
Blatt 1 Aa 473, 19-474, 21
b 474, 30-476, 1
Ba 476, 11—477, 13
b 477, 22 -478, 24.
Blatt 2 C a 490, 1 —491, 4
b 491, 13—492, 15
D a 492, 24—493, 26
b 494, 5 —495, 7.
Die nachkollation hat gegen Pfeiflfer folgendes ergeben:
474, 5 tĂĽrĂĽtcmb 6 muntschaluahch 475, 14 dez [476, 16 w^r 22 dise
477, 28 alz 478, 1 Do 16 smftpKr 490, 22 vernUen 24 chĂĽnges 27 fĂĽr
swanc erst sprach verschrieben, dann annulliert. 491, 16 lampride 492
7 dar 14 pälaz 493, 4 dem 19 sprach ez doppelt geschrieben 494, 12
Got 17 Herzenlaude 24 vor kirinals als niri verschrieben.
39. Wolfi?am von Eschenbach, Papzival.
Zwei arg verstümmelte pergamentdoppelblätter eines qua-
ternio aus dem 15. Jahrhundert; blatt 1 ist in 2 hineinzulegen:
in dieser reihenfolge sind die seiten mit buchstaben benannt;
dreispaltig in fol. Von seite A B sind je drei spalten zu
84 Zeilen erhalten, oben sind ca. 12 verse fortgeschnitten, die
rechte ecke ist stark lädiert. Seite C D hat nur noch eine
spalte mit 37 versen und ist unten verstĂĽmmelt , E F zeigen
wieder je drei spalten zu 36 (37) zeilen, sind jedoch einge-
rissen und durchlöchert, G H endlich ist oben beschnitten, es
ist eine spalte mit 34 versen erhalten. Die seiten A B 6 H
und C D E F hängen zusammen. Abschnitte werden durch
zweifarbige, zierlich ausgemalte initialen bezeichnet, die anfangs-
buchstaben sind nicht rot getupft; immer der zweite vers ist
etwas eingerĂĽckt. 553, 1 (= kap. XI) zeigt die rote Ăśber-
schrift: Die Äueniivre von schastel marvelle. Über seite E steht
Festschrift. 5
6(3 Willy Scheel.
neben Köpkes namen von einer band des 18. Jahrhunderts:
Fragment, histor, Gawini ex iegumenio libri Consil, Hieron,
Schnirpf in hibl August. Die fragmente befanden sich in
Gräters und dann in Köpkes besitz und sind mit d bezeichnet
(Lachmann, Ausgabe s. XV; PfeiflFer, Quellenmaterial 2, s. 2,
der diese blätter fälschlich ins 13. Jahrhundert setzt).
Erhalten sind:
Doppelblatt 1 Aa 526, 3 —527, 6
b 527, 20 (21)-528, 24
c 529, 8 —530, 12
Ba 530, 26-531, 30
b 532, 15—533, 18
c 534, 3 -535, 6.
Doppelblatt 2 Ca 544, 29-546, 5
De 553, 1 —554, 5
Ea 574, 1 —575, 7
b 575, 19—576, 25
c 577, 7 —578, 12
Fa 578, 25—579, 28
b 580, 11—581, 17
c 581, 29—583, 4 (5).
Doppelblatt 1 Ga 593, 21—594, 24
Hc 601, 21—602, 25').
40. W^olfram von Eschenbacli, Papzival.
Ein pergamentdoppelblatt des 13. Jahrhunderts in 4 *^, zwei-
spaltig, mit 33 — 36 zeilen in der kolumne. Die anfangsbuch-
staben der zeilen stehen zwischen senkrechten linien; längere
Zeilen setzen das reimwort mittelst zeichen (§) oft an eine ganz
entfernte stelle. Vom ersten blatt fehlt der äufsere rand.
Bemerkenswert ist die sehr altertümliche form des e, — Pfeiffer
erhielt das fragment von Franz Roth und hat es als F r a n k -
') Von der nebenspalte sind nur wenige buchstaben zu sehen.
Die Berliner Sammelmappe deutscher fragmente. 67
furter bruehstticke in seinem quellenmaterial 2, 42 — 45 mit
einer sehr genauen beschreibung der hs. abgedruckt.
Erhalten sind:
Blatt 1 A a 725, 23— 72ö, 29
b 726, 30-728, 6
Ba 728, 7-729, 13
b 729, 14-730, 20.
Blatt 2 Ca 730, 21—731, 27
b 731, 28—733, 4
Da 733, 5-734, 11
b 734, 12-735, 18.
Eine Kollation ergab: 726, 20 hat die hs. geniezzen 29 {daz)
121, 22 hup sidji) 729, 19 kvnich 730, 80 niemen 731, 22 Jeslicliem
4L AVolfpain von Eschenbach, Papzival.
Ein pergamentdoppelblatt des 15 Jahrhunderts in 4^, mit
30 Zeilen auf der seite, einspaltig. Die anfangsbuchstaben der
Zeilen sind durchgängig rot getupft, die initialen mit kunst-
vollen Schnörkeln ausgemalt, die aber jetzt sehr ausgeblafst
sind. Am rande von seite A stehen von einer band des
16. Jahrhunderts die worte: Das einkhowen zu S. Jacobs AUar»
— Am rande sind spuren von heftlöchern. Das fragment
macht einen • unsauberen eindruck. Es beginnt: „Do tet er
krancker vorhte schin und schliefst phlihte vier Tauelrund*. '^
Die neuen diphthonge sind bereits eingefĂĽhrt. Seite D ist
unten mit der zahl XXXXVIII bezeichnet; links am rande
steht ....XVn.
Es sind erhalten:
Blatt 1 A 759, 13—760, 12
B 760, 13-761, 12.
Blatt 2 C 775, 1—775, 30
D 776, 1—776, 30.
Das blatt stammt aus v. d. Hagens besitz und ist bei
Lachmann (Ausgabe s. XVIII) und Pfeiffer, Quellenmaterial 2,
s. 3 nr. 24 mit g bezeichnet.
68 Willy Scheel.
42. Wolfram von Eschenbach, Willehalm.
Ein verstĂĽmmeltes pergamentblatt des 15. Jahrhunderts in
fol., zweispaltig, zu 38 — 40 zeilen in der kolumne. Der rand
ist rechts oben und unten abgerissen ; auf dem rande von A
finden sich schriftspuren in Spiegelschrift, die jedoch nicht mehr
leserlich sind. Die anfangsbuchstaben der zeilen sind rot ge-
tupft, die initialen schmucklos mit derselben tinte gezeichnet,,
wie die ĂĽbrige schrift. Das blatt stammt aus v. d. Hagens
besitz und ist mit y bezeichnet (Lachmann, Ausgabe ^
8. XXXVII).
Erhalten sind: Aa 32, 3—33, 10
b 33, 11—34, 20
Ba 34, 21—35, 30
b 36, 1—37, 10 (unlesbar).
43. Wolfram von Eschenbach, Willehalm.
Ein pergamentblatt des 13. oder 14. Jahrhunderts in fol.^
mit zwei spalten zu 45 zeilen auf der seite, aus Gräters, später
Köpkes besitz. Auf A b sind zwei bilder mit den Überschriften :
Hie stridit der MarJcys mit dem Tcvnige Fauemeiz und Hie
verloys der Markys sine v: itehene man*^ das bild auf Bb hat
keine Ăśberschrift \ sie ist fprtgeschnitten : die bilder verringern
die zahl der zeilen in den betreffenden spalten. Die initialen
sind rot in gewöhnlicher art; die anfangsbuchstaben rot g^
tupft und zwischen senkrechten strichen herausgerĂĽckt.
Erhalten, doch nicht durchaus lesbar sind auf
Aa Willehalm 52, 5—53, 17
Ab 53, 21—54, 16
Ba 54, 19-56, 1
Bb 56, 3—57, 6.
Das fragment beginnt: \der den] vater, der den. bruoder
und schliefst mit den Worten: daz Tcvnige wol ze riten zam.
Bei Lachmann (Wolfram* s. XXXVI— XXXVII) heifst es v;
es ist ein stück jener Bamberger hs., von der vier doppelblätter
J
Die Berliner Sammelmappe deutscher fragmente. QQ
ehemals an BĂĽsching geschickt und dann verschollen waren.
Diese sind jetzt als Ms. Germ. fol. 746 in Berlin verwahrt^),
und zwar enthält dort blatt 4 und 3 ein fragment aus Ulrich
T. d. TĂĽrlin, das Singer neuerdings mit Ăź bezeichnet (CCIV,
19 — CCIX, 28 und CCXVIII, 17-CCXXIII, 12), blatt 6
Wolframs Willehalm 461, 19 — 467, 8 (also den schlufs des
Wolframschen teiles; vgl. Lachmanns Wolfram* s. XXXVII)
und blatt 5. 8. 2. 1. 7. StĂĽcke aus Ulrich von TĂĽrheims
„Starkem Rennewart", die nach E. Lohmeyers ermittelungen
in der KaÄseler hs. blatt 174 d 19— 176 a 17; 289 d 3— 290d
17; 290d 18-292a 14; 299a 10— 300b 17; 300b 18— 301c
16 entsprechen.
44. Wolfram von Eschenbach, WlHehalm.
Ein pergamentblatt des 14. Jahrhunderts in gröfstem fol.,
zweispaltig, ursprĂĽnglich 62 zeilen auf der spalte. Der text
ist unten um je 11 verse beschnitten. Auf seite B ist die
Schrift durch schmutz und nässe so verdorben, dafs nicht alles
^u lesen war. Die anfangsbuchstaben der zeilen sind auffällig
weit abgerĂĽckt und rot getupft, ebenso wie grofse buchstaben
im text ; die initialen sind rot. Ăśber B a steht quer die zahl
1575 und die worte: Bedient Register Ben{?) VachensĂĽeg::
Das bruchstĂĽck stammt aus Pfeiffers besitz.
Erhalten sind: Aa 92, 27—94, 17
b 94, 28-96, 18
B a 96, 29—98, 19
b 98, 30—100, 20.
Abdruck bei Pfeiffer, Quellenmaterial 2, 88 — 90.
Kollation: 93, 2 gedaht 20 [duj in der lĂĽcke 94, 4 an 30 in
vor van ausgestrichen 95, 9 Vnuerzagäeich 21 Umt 97, 28 Wer 29 der
plam 99, 15 chemnaiien.
*) Vgl. auch Ulrich v. d. TĂĽrlin, Willehalm, hrsg. von S. Singer
1892, S.VIL
70 Willy Scheel.
45, Wolfram von Eschenbacli, WUlehalm.
Ein pergamentdoppelblatt des 13./14. Jahrhunderts in fol.^
zweispaltig, mit 42 — 44 zeilen auf der kolumne; das zweite
blatt ist stark beschädigt. — Die initialen sind schmucklos
rot gezeichnet, ebenso sind die anfangsbuchstaben getupft. —
Die blätter stellen s. 27 — 30 der ehemaligen hs. dar; sie
waren das innerste doppelblatt der läge. — Sie stammen aus
V. d. Hagens besitz, der sie an Lachmann geliehen hatte.
Bei Lachmann (ausgäbe s. XXXVI) sind sie mit u bezeichnet»
Erhalten sind:
Blatt 1 Aa 144, 19—146, 2
b 146, 3—147, 16
Ba 147, 17—148, 29
b 148, 30—150, 12 (nur z. t. lesbar).
Blatt 2 Ca 150, 13-151, 21 *)
b 151, 22—153, 4
Da 153, 5—154, 16
b 154, 17—155, 28.
Zu bemerken ist noch, dafs eine band des 17. Jahrhundert*
an den rändern einige jetzt nicht mehr lesbare werte ein-
getragen hat. Das fragment ist, wie knicke und färbung noch
erkennen lassen, als einband eines buches in 8® verwandt ge-^
wesen.
46. TVolfpam von Eschenbach, W^illehalm.
Zwei pergamentblättchen des 14. Jahrhunderts, die mit
den längsseiten aneinander zu legen sind, um
1. die Versschlüsse Lachm. 357, 29—360, 11
2. die versanfänge „ 360, 20—362, 23
zu erhalten. Ermittelt von Gr. Leue, der noch bemerkt, dafs
der text zu einer kĂĽrzenden bearbeitung des Willehalm zu
gehören schiene, wie sie in die Weltchronik Rudolfs von
1) 151, 23. 24 (Lachm.) stehn in tt vor 21. 22.
Die Berliner Sammelmappe deutscher fragmente« 71
Ems aufgenommen worden wäre. (Vgl. Lachmann, ausgäbe
s. XXXVn unter x.) — Unbekannt.
Soweit meine ermittelungen, die zu einem sicheren resultat
gefĂĽhrt haben. Unter der grofsen menge der fragmente haben
sich einige gefunden, die ich bis jetzt nicht näher habe be-
stimmen können, und da die zeit drängte, habe ich sie ohne
weitere verweise im folgenden zusammengestellt.
47. Athenop?
Ein doppelblatt des 14./15. Jahrhunderts in 4^, zweispaltig,
42 Zeilen der spalte erhalten. Die initialen sind rot, die an-
fangsbuchstaben weit abgerĂĽckt.
Erhalten sind:
Aa beg. hi seide K cö dit vant v'staen
sohl. Oriande van rosefloer
Dat ne sal nem* me athenor
D b schl. Athenor dede varinc
I astromien dit v'staen
En hiet h5 datti soude gaen
Nachts besien an die sterre
En datti soe diepe läse en so v'rS
In sine hoeJce dat hHe ö dochte.
48. Marienleben (?)
Ein stark beschnittenes, in der mitte durchgerissenes
pergamentdoppelblatt des 14. Jahrhunderts, ursprĂĽnglich in 4^,
zweispaltig, ca. 22 zeilen auf jeder spalte erhalten. Initialen
und Ăśberschriften sind rot, die anfangsbuchstaben rot getupft.
Namen : Prophet, Jeremias, Messias. Die beiden hälften passen
genau aneinander.
Erhalten sind:
A a beg gebet enph ....
di svnne vnd der mone
Sint sin vndirtane
b beg. daz eyn reyne mait gebar
72 • Willy Scheel.
B a beg Sint aUe tzucht ensprvngen
b beg. W mochte adames vbir tryte
C a beg. D* engil bleip do vfivorsvnt
b beg. Messias si noch Ă„ . . . .
D a beg ; : fvre
b beg. vor : erl : : bt vntz : d : : nder
sohl. Ich habe keynB vride schilt.
Die Schilderung des weihnachtsevangeliums (B b) weicht
von der sonst ĂĽblichen bedeutend ab:
jn eyn' krippe man den vant
do stvnd eyn esel ochse öbe
den di engil mit irme lohe
den hurtin kvnit machtin
di ires vyhes dez nacktes wacihtB
vn sprochi vreuuet vch dor tzv
wen wir hotschaflB vch nv
daz der w'lte irloser crist
tzv hethleem geborn ist . . .
49. Marlenlied (?)
Ein papierblatt des 14./1 5. Jahrhunderts und dazu gehörige
dĂĽnne fidibusstreifen, arg verstĂĽmmelt und zerschnitten. Der
text des blattes beginnt:
Als maVa die mait reyne
Waz mit irme kinde alley . .
Sufse rede sie ane vinc
Die wil ich uch sagen hie
Manchirhande frage sie begonde
Mit orme kinde die he konde
Sie bescheiden harte wol
Wanne er toas aller wysheit vol.
60, Ulplch von TĂĽphelm, AVlUelialm (?)
Blattrest einer papierhandschrift des 15. oder 16. Jahr-
hunderts, eine spalte zu 49 zeilen (ob mehrspaltig, ist nicht
zu sehen) ; die rĂĽckseite ist merkwĂĽrdigerweise nur mit wenigen
Zeilen beschrieben, sonst leer. Ist von der kgl. Universitäts-
bibliothek im jähre 1893 der kgl. bibliothek überwiesen und
Die Berliner Sammelmappe deutscher fragmente. 73
als ein stĂĽck aus Ulrich von TĂĽrheims Willehalm bezeichnet
worden. Ich habe es bis jetzt darin nicht finden können;
auch erregt die fast leere zweite seite bedenken; wir mĂĽfsten
es, denn mit versen zu thun haben, die von einem leser TĂĽr-
heims besonders ansprechend gefunden und daher auf ein
blatt oder in ein buch notiert worden sind. Vielleicht hat
dieses blatt mit nr. 51, 1 einen Zusammenhang, das der
accessionsnummer nach ebenfalls 1893 an die kgl. bibliothek
gekommen ist.
Es beginnt:
Bie dem hörne stunde em haume
Des name ich viel eben gaume
Ein frauwe dar widder saefse
Der liep vil schoene vmbfangen waefs
Mit hlauwen Jdedern färbe
Do ich der zartenn wart geware
Vnd niemani. meher bie jre
Zue hant wart ich gedencJcen mir
Wie ich mit listen zue jre kerne . . .
Der ritter nähert sich, beginnt ein gespräch und gewinnt
schliefslich ihre liebe.
Schlufs (seite B):
Myne freude was doe erwecket
Vnd zue stvndt myne vngemach
Was mir zue leide je geschacli
Gar lutzel das myn hertze bedacht
Dan aUer wonsche was voVnbracht
Ane jrem leibe nach mans (nemants verschrieben) gelust
Hier bricht das stĂĽck ab.
51. Varia.
1) Ein papierblatt des 15./16. Jahrhunderts, auf jeder seite
eine spalte enthaltend, an dem rande beschnitten und
zerfetzt, scheint zu einer hs. volkstĂĽmlicher lieder und
balladen gehört zu haben, aus der vielleicht auch das
fragment nr. 50 stammt; allerdings gehört die schrift
nicht einem Schreiber an. Als beispiel seien die schluDs-
74 Willy Scheel.
verse von seite A abgedruckt; die verse sind nicht ab-
gesetzt :
Der mynnen fĂĽre \ halt mich entzĂĽndet^ wan ich ane jm \
(sie) gedenckCy das hertze myne ist gare | vertvunt^ ich ml
von jme nit wencken | Solt ich emberen sin garCy vnuerflossen
Ifin dem hertzenn myne dundkt er \ mich woele ein Keiser synn | . . .
2) 19 fidibusstreifen des 15. Jahrhunderts, sehr verstĂĽmmelt^
z. t, ĂĽberhaupt unleserlich. Die namen AlexandeTj CdS-
Sander, Macedonierh führen zu der annähme, dafs wir
eine prosaische chronik der Alexandergeschichte vor uns
haben.
3) Unterer teil eines papierblattes des 17. Jahrhunderts, eine
chronikartige aufzählung von kriegsbegebenheiten ent-
haltend, die sich vielleicht auf den dreifsigjährigen krieg
beziehen. Die einzelnen angaben sind numeriert (2. 8.
4. 5. 6. 10. 11). Name: Spangenierg.
Texte.
1. Gpegropius Magrnus, Dialog:!^).
Blatt 1 A = Dial. 4, 36 (Migne 77, s. 382).
er de lichte scharp
heĂĽ ind kortheit
des Ordens tzo lide
Dan de scharpheit
ind ewicheit der py
nen der hellen Als
Job sait So we vor
tet den ryff vp in
sal vollen der snee.
Ouch säet sente gre
gorius dat eyn mo
ynch was de petrus
heyschs geboren vis
deme conynckriche
van yrlant myt gr
oisser cranckheit
hewmgen wart
Also dat hey starff
ind wart weder
gesamt zo syme li
Cham ind sa>ckte dat
hei vnzeUiche pine
ind stede der vlam
men geseen hadde
ind hei ouch etzliche
vursten ind meich (!)
nche mynschen der
werlt yn der vlam
men sach hangen
Dis mynsche wart
geleit zo den pinen
also dat hei daryn
geworpen so^uldje w
erden Do sach [h]ey
da hy eme eyne mit
wyssem gecleit . die
he dat benam ind sa
chte eme Ganck hie
vis ind gedencke we
dir her na steit zo le
uen. Do her weder zo
eme seluer gecomen
was . ind in groisser
cranckheit ind vorU
also vntwachde va/n
dem droyme des ewi
chen dodes . sachte hei
offenbairlich . ället
dat eme gesehen was
ind dar na dede hey
*) Vgl. oben nr. 6.
76
Willy Scheel.
Blatt 1 B.
.... werden den
,., ey van der . . .
... er pynen tzo ge
twongen wirt Als
da: säet Johannes
. . . dem boiche der
he [LĂĽcke] HchkeĂĽ In dem
d [LĂĽcke] n so soillen de
broidere soichen den
doit . . iner (?) neit vm
den ind hegeren zo
a . . . en ind der doit
sal van yn vleyn I
y as der prophe
. . . . t Ich sal 8 . . . se
. . . volck myt mir
w ,,, de.n . , dranck
gr . , , wdUet der
goiden De gedenck
,. g .,se der bitterheĂĽ
i . . ,pynen dede eyns
eynen wngeluickde
mi . . veĂĽden vp geuo
d , . . was gayn in
En do my
was samenly .,. ch
deren tzo eme . eynB
toysen man eme zo
roden weder vis tzo
gaen . ee hey profess
se dede, Eh sachte zo
eme . dM bis leckerli
ch vp genoedet (?) ind
du en saJt desen twa
nck ind scharpheit
des Ordens neit lide
moegen. Der Jongi
linck sachte davon
byn ich in desen orde
gecomme . wät ich
mich lecker kenne
Ind geyne scharph
eit liden en mach
ind ich dachte dat de
Schärpe pynen der
hellen also vnuerd
rechliche synt Dar
vmb so haen ich ler
Blatt 2 A = Dial. 4, 38 (
rech . . van synre se
len selicheit, Do dis
lach vp syme leuen
versamenden sich de
broedere by eme yn
yrme gebede ind
alle zo hantz wart
der seiche roiffende
Also dat hei all yr
gebet verstwde ind
sprach . gaet en we
dl gaet enwech vä
myr ich byn gegeui
deme d/rachen zo ve
rslinden . de myn ho
yft in syme monde
= S. Gregor. Magni Vita Auct Joa. Diacono 38)
Migne 75, 79; 77, 393.
de broedere . wat is
dai du sprichs . zei
chen dich myt dem
zeichen des cruces
Hey antworde mit
groisseme geruchte
Ich soulde mich gerne
tzeichenen vuer idi
en mOfCh, Want ich
werden myt den seh
wyben des drachen
sere gestechen ind ge
quellet, Do de broe
dere dat hoirten vei
len sy neder zo der
erden mit ernstlich
Die Berliner Sammelmappe deutscher fragmente.
77
hait Ind vmh vrre
ywt gegenwordich
eit enmach hd^) mych ne
ä wessen . gaet en
toech laist in doen
: at hey doch doe sdl
Op ., . t ich neit me
gepinigtt en wer
de Do antworden
Blatt 2 B aus Dial. 4,
ge : : ind also : : : : :
en wech Ouch säet
Sent: Gregorius dat
eyn moynch was in
eyme cloister dat ge
heischen was conga
laron der lieilech
ind goit geacht w
as vnder den myn
sehen mer aUo in
wart hey neit geuo
nden mir gode wa
nt als de broeder
waenden dat hey
mit in vastde plach
hey heymjelichen zo
essen Dis quam ou
eh zo deme ende syns
leuens ind dede alle
de broedere zo eme
roiffen ind sachte l
Siet ich byn gegene
deme drachen zo ve
rslynden de mit sy
me Sterze myne
me gebede vmb in
zo verloesen, ÄIU zo
hantz reiffe der sei
che mynsche myt
luder stymmen, loff
haue got. Want der
drache de mich ge
nomtn hatte zo ver
slyndeti ys myt
vrme gebede ver : :
38 in fine (Migne 77, S. 394).
beyn ind v
hait zo sam . . gebon
den E^ hait syn hoy
ft in mynen mont
gesteehen mi : m . ...
geist dryn ge : : : : v . ..
myme licham : do
dat gesprochen
sonder merren gaff
hez vp synen : eis :
Ind moegen
wort des ver : : gende
sunders als I
säet Hey hait : ra :
gegessen m
den gdich eyn . . .
hen Dit is de . ..
ind de rode
senJte Johanne : . .
schrifl in dei'
der heymlichcn . .
hait seuen hör . . .
zeyn hoynre . . .
groisse stryt ....
was in dem : : mede
michael de vn : de : nd
1) hei steht am Rande und ist hierher verwiesen.
78 Willj Scheel.
2. Hugro von Trlmbepgr, register einer papierhs. des
Renners *).
Seite A.
Von deme haume der vorwicze I
Von hosin hern die ander rede XV
Von gebur luden XX TT
Von halb edel luden XXVI
Von Cime rabin vnd eime phawen XXIX
Von allen phaffin gemeinlichin XXXIX
Von eime fasse vnd eime räbin XLl
Ein mere wo man funde de groste dor XLIII
Von eime toolffe fosse vnd eime esel LVII
Von cappitel brudem LXV
Von eime dorrechten prelaten LXVII
Von der gidekeit II distincco LXXI
Ein mere von einre frauwe bichte
Die eine slehin afs LXXIIII
Von bosin mrtenLXXXIII
Von eime bispile LXXXVI
Von der ameifsin vnd dem heimeige LXXXVIII
Von den Beubern CVII
Abir von Beubern vnd mordem CXVI
Ein schon Exempel CXVI
Von schillknechten
Ein mÂŁre von BeĂĽbem CXVII
Von den Btchtern III distincco CXXII
Von zivein mĂĽlen CXXVIII
Ein mÂŁre von swein knechten CX XXIII
Ein tcare mere C XXXVIII
Distincco qtiarto von frafse CXLVIU
Von drin eseln CLV
Von den sunden CLVI
Von der natem CLVIII
Ein were von drunkenheit CLX
Ein mere von eime prelaten vnd geburn CLXX
abir ein wäre mere CLXXI
Seite B.
Ein mere von eime luderer CLXXVI
Von worffzabel spil CLXXVUI
Von manchirleie dorheit CLXXIX
*) Vgl. oben nr. 10. Die hs. hatte 396 bll., ebenso wie die Berliner hs.
Die Berliner Sammelmappe deutscher fragmente. 79
Von jswein Kemppin CLXXXl
Quinta distinccö vö vnkuscheit CL XXXIII
Ein sunderliche rede vö vnkuscheit CLXXXUII
Ein mere von eime tcibe vh manne CLXXXIX
Ein mere von toibe smucken CLXXXXI
Diz ist von danczin CLXXXXIII
Von den kinden CLXXXXV
Von den meiden CLXXXXVI
Von kloster nonnen CLXXXXVUI
Ein mere von eime manne
der sin frauwin beslofs CG
Wie liep gode reine frauwe sin CCIII
Von mannes hegerde CO XV
Von zome vnd nid€ CCXVI
Ein mere von eime bachin CCXX
Ein mere von kong allexander
Vnd von einre junfrauwin CG XXVI
Von zwein geuadern CCXXIX
Aber ein wäre mere CCXXXII
Diz ist von der logen CCXXXUI
Von eime mwnche CCXLUI
Septima distinccö von lasheit CCXLVll
Von allen erczäen CCLX
Ein glichnisse CCLXIII
Von deme fursteine CCLXXXXV
Von deme kemmel tier CCLXXXXVI
Von den phennigen CCLXXXXV III
Von deme lewin CCCIII
Abir von deme lewin CCCIII
Von deme helffande CCCIlll
Seite C.
Von deme lebarte CCCIIII
Von deme wiesiniier CCCV
Von deme panttiere CCCV
Von deme einhome CCCVl
Von deme bern CCCVI
Von deme fusse CCCVI
Von deme griffin CCCVII
Von deme biebir vnd dem otter CCCVII
Von deme vogel Karidime CCCX
Von der nachtegallen CCCX
Von der fledermuse
Von der wesiln CCCX VII
Von manchirleie bornen CCCXVIII
80 Willy Scheel.
Von deme balsemen CCCXX
Von der frihät CCCXXU
Von der zeugen CCCXX VIII
Von de sehs werke der harmherczkeit CCC XXVII
Eine mere von eime dĂĽf.e CCCLIII
Von den fv/nff vocalibus CCCLVI
Von mancherliie spräche CCCLVII
Von der Romer gewonheĂĽ CCCLXV
Ein mere von vier epten CCCLXVIII
Ein mer vö eime vnstede klosterman L CCCLXIX
Ein mere von eime eivhome vnd
eime manne CCCLXXX
Wie der son nit volgen wolde dem fater CCCLXXXII
Ein glicfmisse von deme tode
Wie er kint hub CCCLXXXIII
Ein mere von eime begebin dinstman CCCLXXXV
Von evne Konge der hatte vier sone CCCLXXXXII
Von dem jungesten dage CCCLXXXXIIII
Von gekriide worcz stein vn worc CCCLXXXXVI
3. Johann von WĂĽrzbupg:, Wilhelm von Ă–sterreich^).
Der folgende abdruck unseres fragments giebt ein getreues
abbild des originales ; zur vergleichung habe ich die Liegnitzer
hs. herangezogen, die, am anfang verstĂĽmmelt, mit Ba unseres
doppelblattes einsetzt. Ich habe sie in dem sehr genauen
auszuge Wilhelm Grimms (Ms. Germ. fol. 927) und einer
vollständigen neuen abschrift unbekannter band (Ms. Germ.
fol. 779) benutzen können^), die sich gegenseitig ergänzten.
(Doppelblatt Aa) die min h^ze dicke vol
freuden hat geuollet
Sit daz mich hat becoUet
Nu d* tot mit listen hie
5 So geruche got beschirme sie
alsus ma/n von Ryale
hört vil d^ quäle
^) Vgl. oben nr. 11.
*) Vgl. auch Ms. Germ. fol. 670 und 928, abschriften weiterer bruch-
stĂĽcke, die zu den bis jetzt bekannten hss. und fragmenten (Goedeke,
Mittelalter s. 865; Grundrisz s. 258; Z.d.A. 27, 91—96 u. Germ. 37, 39—44)
hinzuzufĂĽgen sind.
Die Berliner Sammelmappe deutscher fragmente. 81
je stvaster^) v^ ie harter
er sprach vil reine zarter
10 Sufze lip gephinet
der suzzer schin d^ schinet
jn mi/nen äugen heitter
zu hant da wart eyn*leiter
Geleinet ober sich empor
15 Da sprach d* ktming melchimor
Ga/ng her abe du herre wert
Sehen dich min herze gert
vfi sage vns nuwe mere
zu hant der iu/nge achbere
20 Getorst die wort nit ĂĽber gen
Man sag in von dem stule sten
An d^ leiteten sprossen
Nieman gesach von schössen
Die ime sa snelliz geverte
25 Als da der seszel leerte
Mit ile zu der erden nider
An sine rechte stat hin wider
Da vor ei' gestanden was
Den Mning wundert harte daz
30 FĂĽr alle wumderliche ging
Byal d* edele ivmgeling
was kumme ab d* linden
Mit Worten gar geswlde
hiez er in wilkĂĽme sin
(Ab) 35 d» kimng vh die küningin
v/h alliz ir gesinde ga/r
Da neig er zuchtenkliche dar
vfi danket in mit worte doch
Da sprach d' kuning von marroch
40 Sagit ir mir we ir siet
Daz ir so ho gefriet
Hie schinet von gebwrte
ey herre min a/ntworte
hat keyne rede mit gelimpf
45 Ich tveiz wol daz uwer schimpf
Mich also hohe rĂĽmet
Mich hat vnheil vertĂĽmet
Des ich bin keyner eren wert
1
) st erst angesetzt, jedoch dann getilgt; die schriftzĂĽge scheinen nur
ganz zart vor.
. Festschrift.
82 Willy Scheel.
Min lip sich keynes lohes gert
50 Der ez tele iz w : : : w^ spot
jch eyn armer erleidet tot
vn bin von frigia her gesant
Zu uch herre in daz lant
des hon ich eyne eit gesware
55 fĂĽr war : : : were da : v^lom
Ich teere : : : anden geriten
. . . hette ich dt : : va/rt
Da d* kuning ge
horte im
60 So uch
da sprach er zu dem,
S : sag ich
da sprach er h^re
warten wider
65 vch söl toesen
von dem ku/nnge von frigia
da sprach d^ k : : : g ze im sa
Bistu d> hoden einer
(B a) davon mir deheiner
70 Nie liebende wart gelazen
des muzen sin vorwazen
die ich (!) her gesendet haben
des din itmger lip bragraben (!)
von minen schulden werde sol
16 des bin ich vngemutes vol
durch dines libes wölgestaU
vn vmmÂŁ di wirde mxinifalt
do von dir ist irschinet
da wart zuhant gewevnet
80 vil trahen heiz gesalzen
die man vz äugen walzen
Sach vb^ roseleche vel
manig lieh varwe hei
wart von iam^ missevar
85 da wart ein iemerliche schar
von der frauwen mwnden
da sie den kuning kvmden
horten worte noch sine sit
Vers 58 — 68 sind ganz verblasst. 72 vor ieh ein schräger strich, vielleicht
die ungeschickte besseriin? in veh, die nicht sah, dass die anrede „du** im
folgenden wiederkehrt. 81 hier beginnt die Liegnitzer hs. 82 roal&chte L.
Die Berliner Sammelmappe deutscher fragmente. 83
6r sprach du mĂĽst an eyn toit
90 ha/ngen of mine trwwe
doch mĂĽz din dot mir nĂĽwe
vmmer me zu herzen g^
Biz daz der Icunng walwan
Sin leben git vmme dine tot
95 Sa zuhant er da gebot
Daz man den iwnge tete fhr
aiso daz er den lip ver khr
ey lieber herre sprach ryal
Sit daz ich a/ne allen val
100 vch des dodes schuldich bin
vn sol da heinen sin
han zu mime lebene
(B a) So sint mir heire gegebene
eyn gäbe d» ich ger
105 Do sprach der kĂĽning ich bin wer
Swestu mĂĽtes daz sol wessen
an alleyiie din genesin
des maxMu nich von mir gehabe
So mĂĽz ich werde hie begrabe
110 des mach leider sin keyn rat
So bit ich herre daz ir lat
Mich legen vnder eynes sarkes stH
daz dar vf w^de gehauwen rein
Mit d» urkvmde buchstaben
115 lesdich vfi wol erhaben
Aglye ach vmm^r we
jch gesehen dich nimmer mc
herre ktmng sit ich ĂĽch nit me sol lebB
So heyzet armen luten geben
120 Waz ich habe hi an mir
jch man uch herre ml daz ir
eyner bete geweren mich
lieber herre alsus han ich
disser bete hi begert
125 auch heizet aglye de name wH
zu mir legen in daz graf
aller miner freuden staf
So ml ich dir nit liegen
nicht wol mir stu/nde triegen
97 uerliir L. 98 seit L. 112 einen atark/h L. 114 mit urkund der buch-
Haben L. 120 hi ist darĂĽber geschrieben. 129 Nit wol stund mir kriegen L.
84 Willy Scheel.
130 da von soUu sin gewis
Mit wort ich gebut is
daz iz erge nach diner ger
Gnade her^ min sprach er
135 So sterb ich des die (I) gerner vil
SU mich eyn vngetruwes spil
hat in den dot gegeben
(C a) ^^ 9^^ ^^ '^f ''**^ leben
der die mich in sele minnet
140 jr herze ist sa wol besinm>et (!)
vngeme sie mich sterben wetz
Da wurden aber traehne heyz
Geiveinet van den mben
vfi von magede Ăśben
145 die da zu helfe waren
BĂĽeliche gebaren
Sach man ir da wol hundert
Gemeileich vngestmdert
Sach man sie alle ruuyig gar
150 du der sa licht gevar
was, daz nicht verwe erlachs (I)
vĂĽ der grimme tod so rasch
Sin lieben solt v^derben
er sprach solt ir mich erben
155 vch mochte käme of mine tot
Gewesen so sin rechte not
An den meren da die clage
erging nach abenture sage
da quamen d<ir gerithen
160 die zwene die strithen
Mit im helten vmme gemagt (!)
da wart dem kuning alrest gesagt
daz der iunge m^re
jm hette sin dienere
165 erslagen vfi die magt erlost
alrest in da den zornes rost
der ktmng wart empflemet
Sin h^ze wart ergraemm>et
of den iungen bitterlich
170 er sprach iz hait d^ tubel dich
zu schaden h^ getragen mir
135 dester L. 136 epn fehlt L. 137 ergeben L. 140 die hs. schreibt
öfter bei nn einen grundstrich zuviel. 142 ezeher L. 150 Dm er so Li. 151 sein
varb nit L. 154 die bs. hat vor solt das wort ich ausgestrichen. 161 lies di
magt. 166 da in des czomes rost L.
Die Berliner Sammelmappe deutscher fragmente. 85
C b) daz alle die weit stunde cm dir
So wer verloren din genesin
da sprach der itmge vz erlesen
175 Ir hat getrauwet mir gnhg
vfi daz mich noch keyner sUg
jch han des lebes (!) mich erwegen
Solt ich strites geyn ĂĽch pflegen
vwer eyner Uz mich gan
180 da/nne dez ich dar zu han de wan
Daz ich erlich wurde begraben
ez were eyn vechten a/ne gehabe
daz ich dĂĽch lege werlich dot
Sit mines dodes is heyn berot
185 So mag ich doch wol frauwe mich
daz [LĂĽcke] ach . . lesterliche
den dot erworben
ez ist dur ip erstorben
Manig w : : derlicher lip
190 Als bin ich durch eyn wip
jn den dot da her geriten
jch mag auch nit wal wid^ ĂĽw^ sitS
da von sal ich mich sin erwege
zu hant dar wart die iĂĽge dege
195 Gebunden als eyn velscher dif
Owe sprach er h^ze lif
Eeyne frucht aglye
Wer sal zu dir amye
Sprechen wandeis ane magit
200 owe daz iz dir it werde gesagit
Daz ich sa lesterlichen hie
Sterben mĂĽz vfi ich doch nie
Gewarp nach keynem lastet
dar wart aber faster
205 Geweine dan vor geschmh
Q)j^\ Manig reyne frauwe sprach
Mähmet vü iupiter
Terfiant vfi bilwer
Mochtet ir wenden
210 Des (!) vmhilche sehenden
daz man[n] am. disme mäne begat
175 getroet L. 180 TFan L. 181 ich steht in hs. hinter wurde, ist aber
durch zeichen an seine richtige stelle gesetzt; L Bas ieh erlich werd, 189 stoUzer L.
190 Also L. 193 Da uoft so han ieh mich sein erwege L. 194 Hinter zu in der
hs. ein durchstrichenes lo. 196 (rot) Sie wurden Wilhelm die hend gebunden
vnd soU sterben L. 205 Qeweynt L. 207 Ey machmet L.
86 Willy Scheel.
der schände nie getrihen hat
das vns zeugen sin gestalt
da wart d^ iunge degen halt
215 faste gekropstozet
da van rf» iamer grozet
aber an den wiben
Nu wĂĽ ich lan hlihen
die rede da mit sage
220 vĂĽ Icund : : nu
Wer ich d : : [LĂĽcke] : : : : : : ; : eyn hur
jch wölt f : : : : : : : e natur
wwnderliche me :
ob si des sittens w : : |
225 des ich an sie wenent bin \
Swa beit mut : : : : : : :
An zweyn sich h : : : : : eynet 1
rf» ieweders : : : net
des and^ vfi ni : : : : : me
230 Ob god dem ein : : : : :t we
Das iz das an ,. ,, indert sieht
v9i sie die : : : : : geschit
Eyn ander beide : : : entwert
ob des gemute : : : ; t w^de v^sert
^35 die h^zen liebe : : : ĂĽmÂŁr le : :
Ja de minne : : : he gef : e : :
hat mich d : : vnder scheide
Swes h^z : : : : : : lei : en
Swebte in des : : mers flĂĽt ,
240 Sin getruwes h^ze gut
(Db) ktmdet ime die pine
Daz in dem herze sine
jamers vil of quiUet
Ez heuwet vn billet
245 vz herzen manig valtig leit
daz bezĂĽget vn seit
die minne wandeis frie
van sicia aglye
Nu allis liebes fugerin
250 Minne sĂĽzze hmngin
wiltu mir eliche sage
Mnden von der grosen clare (!)
213 czeigt L. 219 nnit hs. ; mit dag L. 221 gebur L. 229 Das L. 231 Da»
eins das ander nicht ensicht L. 235 So Mzen liebe L. 236 die nun L.
238 Weihes h. L. 247 die nun L. 251 etlieh L. 252 elag L.
Die Berliner Sammelmappe deutscher fragmente.
87
(Einzelbl. Aa)
die lief noch liebe han getan
uoiszen of den wan
255 : : : : ; ; ort ich gerne sagen
: : : sprach diz groste dage
: geschach van luiten
wil ich dir hetuten
: : sages aiich da von
260 ; : : han den site vn hin gewon
: ch d^ besten achte
t ich edel vn geslachte
w : : : vfi auch erkenne
d^ selben zwei ich nenne
265 die wandeis frie
: : : : : niginne nglye
die : : : : t sich in iamers gelme
N : : : eyne den Wildelhelme
N : : : : t in dem brĂĽnne
270 Lebten ie in wunne
Di : : : daz hoit vor ändert sich
also da,z die quäl ich
A : : : heymelichen saz
Sie sprach owe herre waz
275 Du mir iamers fugest
Vnde huffest vn rĂĽgest
Of mich daz dller groste leit
Min herze wil in bitterkeit
Niemen ein geuelle
280 Owe sprach gelle
Schoner lieber truter
Din getruwes herze luter
Hette mich so zart
Nu wetz daz du hart
285 Mich arnest vf (?' ferte din
Min herze kĂĽndet mir die pin
Di du von minen schulde hast
Owe dot daz du mich last
leben eyne stunde
290 Nu was ich doch von grĂĽnde
des h^zen sin truttinne
Owe suzze minne
Sal ich sin halben mangel
So lit des iamers angel
265 hie die L. 268 den man L. 274 Die L. 279 Nemen L. 280 so die
hs.; L geselle, 281 Schönster liebster L. 284 tcei/s ich L.
88 Willy Scheel.
295 verborgen in den wĂĽnnen
Dar ich mich soU kĂĽnnen
Mit im sunder sorgen
Da von so muz ich worgen
In den freuden minen
300 Owe vĂĽ solt ich dinen
lip gesehen nummer ms
So muz ich han eyn Werdens we
zu nemende alle tage tegelich
Qual iamer leide vn ich
305 In ein summe sint geschrihen
In dlleme (!) liebe mich vor triben
hat der kĂĽning von frigia
Einzelbl. A b) • och weisze wol dar er nvt da
: : gen sol dar min gelust
310 : yal lit in miner brĂĽst
In mangualder zerte
Ist dort sin leben herte
Als ist auch hie daz mine
Owe ujie gerne ich sine
315 Jugent bi mir hette
In sinem herze stete
Waz ich eyn zarte wimĂĽge
Sin togenthafte zwnge
Den frawen ie das beste sprach
320 Owe wie rechte gerne ich sach
Den zarten mannes lieb
Mines herzen lieit (!) vertrieb
was er vn min lucerne
Ich sag en (!) also gerne
325 Das mich des nith duckte
Das schöner ie geluchte
Vf erden weder genz noch diz
: : : : : t d* kuning sin gewis
: an frigia mirme
330 S : moch (!) ich mich gewinne
Wol : umen vn se geschege daz
vfi solt mir auch sin gehaz
alle die den ez vorqueme
Daz ich den weszel neme
335 den kĂĽnng rmime diesen
296 Das ich mich nit solt L. 299 An den L. 302 werndea L. 308 Doch
mit nicht er da L. 309 Ligen; mit gelust L. 310 Myal L. 320 ich in L. 321
SinenL,, 324 in L. 328 Nu wmd L. 329 miner minn L. 330 So moc/U
ich mich vngewinn L. 331 Wol rumen L.
Die Berliner Sammelmappe deutscher fragmente. 89
ey must vf eyn wisen
Ich werden ane heuwet
Sit mich der kĂĽning be[be]reuhet
hat er haz den (ostenj vrĂĽnde min
840 So mĂĽz auch er ane sin
Der truischaft min zu male
(Einzelbl. B a) Also saz sie in der quäle
Sie quelt sich mĂĽh grozzer dar (!)
hie mit ich abe sumes war (!)
345 Wider Teere gen marroch
ad Byal gewangen noch
an disem meren wart verteilet
Byal vfi da bi geseilet
viit eyner wit vmme sine nag
350 Do sprach eyn furste von baldag
herre is dwncket mich nit gut
das ir an disme manne tut
So vbel daz ist nit min rat
ist daz iz uch vbel gat
355 So wirt vwer spotten
des bobestes gebotten
Solt ir daz vmme lĂĽgen
So tatet ir mit fugen
Diesen iungen herren
360 Nu was mag ĂĽch gewerren
Daz ir zu ime sendet vor
Da sprach d> kunng melch : : : :
Ir habet mir geraten wol
Da von ich uch völgen sol
365 vfi wil daz uermiden nicht
zu hant eynen boten schic. . .
vfi liez bereite im die pfert
Auch rĂĽste sich manig d&ge wH
vf die ruweliche ban
370 hie mit kert der kĂĽning dan
Mit einer groselicher schar
Sins geuangen Uz er neme war
Da wart gefurit wnmrdeklich
336 E must vf einer wisen L. 338 Das zweite be war ausradiert, scheint
aber noch durch. 339 Das eingeklammerte ist in der hs. darĂĽber geschrieben;
L. Hat der höchsten f roden min ; unsere hs. bessert also, lässt «aber dabei falsches
stehen! 343 kor L. 344 Sie mit ich von disem sum var L. 345 Wider hin L.
355 So Wirt man ew^ spotten L. 357 ir dor vmb lĂĽgen L. 358 mir L. 366 Die
letzten buchstaben unleserlich; Zu hant nach eynem boten er schickt L.
371 grozzen L. 372 hiez L.
90 Willy Scheel.
zu haidach in die stat rieh
375 die heizet in arabisch mech
dar inne^ d> Jcwnlg sadolech
Einzelbl. B b) en schone bethus hat gemacht
daz der hitnel hat bedacht
jn mahmetis ere
380 Den kuning sag mä leere
Gen den selben tempel
von rotten grozze trempel
hört man mit brach da vor
vor dem palas melchimor
385 er beszet noch Jcuninglich^ art
kalif d' babest gefurit wart
Gen dem kvmnge melchimor
Sin gevangene stunt davor
dem palas sere gebunden
390 d^ babest da zu stunden
eyntpflg den JcĂĽning noch sine site
Gnade herre ich teil uch bittn
Sprach d* babest Jcalif
uW sin d^ ducket mich beswif
395 Mit zorne was ist ĂĽch gesehen
Sagz mirs ich uch dar vm spehe
vm vns^en got mahmet
dem wil ich dĂĽn ein sulch gebet
Mit miner cantnie
400 Das sin helfe bie
Vch Tcreftekliche vnrdet schin
Du/rch den last des zornes pi
Sit daz sin lip hie ruwe hat
Swebende in dem tempel stat
405 Das graf vĂĽ d' geweite sin
Swaz ie de edelin sarradn
Gote gewunnen die sint nich
Gen mahmet den mä hie bi vns sich
Sweben in den lĂĽften
410 Sin helfliges guften
han ander gote zustoret
375 arabischer L. 376 ladoleek L. 377 £in schönes L. 378 Das dann L.
379 eren L. 380 Hinter sag der hs. kere ausgestrichen. 381 Gen detnsselöen L.
385 Erbeizzet L. 396 Saget mirs kan ich dor vmb spehen L. 397 Vmb L.
399 canoney L. 402 lat L. 405 von dem L. 407. 408 L. nicht : sieht; vgl.
366. Oder ob dialektisch?
IV.
In dulci iubilo.
Ein jubiläumsbeitrag aus der geschichte der
lateinisch-deutschen mischpoesie
von
Johannes Bolte.
Eine eigentĂĽmliche und auf den ersten blick befremdende
erscheinung in der geschichte der poetischen form ist die ein-
mischung lateinischer worte und sätze, die uns in der geist-
lichen und weltlichen lyrik Deutschlands seit dem 10. Jahr-
hundert häufig entgegentritt, und deren bekanntestes beispiel
in dem schönen weihnachtsliede ""In dulci iubilo, nun singet
und seid froh' vorliegt. Die grĂĽnde dieser von strengen
sprachmeistern als barbarei gescholtenen sitte sind, wie schon
Wilhelm Wackernagel und Hoffmann von Fallersleben erkannt
haben, mehrfache. Der geistliche dichter des mittelalters, der
sich auf seine gelehrsamkeit etwas zu gute that, hielt die ein-
gelegten fremdwörter für eine besondere zierde seiner rede *) ;
gern fĂĽgte er auch, wenn er kirchliche texte verdeutschte,
die worte des Originals seiner paraphrase oder glosse ein.
Mehrfach war es ferner während des 15. Jahrhunderts ge-
brauch, dafs klerus und volk beim gottesdienste im vortrage
^) MüUenhoff-Scherer, Denkmäler zu nr. 18. Piper, Die geistliche
dichtung des mittelalters 1, 11. Junghans, Die mischprosa Willirams
(Berliner diss. 1893).
92 Johannes Bolte,
lateinischer Sequenzen und deutscher zeilen abwechselte^), wie
auch in der lutherischen kirche bisweilen die gemeinde die
vom chore vorgetragene lateinische Strophe in deutscher fassung
wiederholte^). Der weltlichen dichtung aber erwuchs in der
Verbindung der feierlichen kirchensprache mit unheiligen
Worten und gedanken ein wirksames und schon von den
Vaganten gern benutztes mittel, komische eflfekte zu erzielen®).
In solchen kecken, oft ausgelassenen parodien werden die
jedem vertrauten klänge der messe mit Schilderungen eines
heiteren trinkgelages, leichtfertigen Venusdienstes, hartherziger
Wucherei oder mit erbitterten angriffen auf religiöse und poli-
tische gegner verwoben. Endlich begnĂĽgen sich auch ver-
schiedene dichter, auf parodische anspielungen verzichtend,
mit dem kontraste zwischen den fremdartig klingenden latei-
nischen Worten und der Volkssprache, der in der macaronischen
poesie noch verschärft wird durch die anhängung lateinischer
flexionsendungen an deutsche wortstämme.
Auf den folgenden blättern sollen aus den auf deutschem
und niederländischem boden während des 16. — 19. Jahrhunderts
erwachsenen erzeugnissen der profanen mischpoesie einige
unedierte proben ausgehoben werden. Möge sie der verehrte
Jubilar als eine bescheidene zugäbe zu der vor ihm auf-
getischten lanx satura mit wohlwollender nachsieht aufnehmen !
Das beigegebene register verzeichnet ausser den von Hoffmann
von Fallersleben vor 42 jähren in seinem büchlein 'In dulci
jubilo' zusammengebrachten liedern alles, was ich bei rascher
Umschau an nachtragen erreichen konnte. Absichtlich aus-
geschlossen jedoch habe ich die hexametrischen kalenderverse,
^) Bäumker, Das katholisch-deutsche kirchenlied 1, 539. 626. 2, 12.
Vjschr. f. musikwissensch. 4, 194 nr. 16.
^) Seinecker 1564 bei Ph. Wackemagel, Das deutsche kirchenlied
4, nr. 321 f. Liliencron, Liturgisch-musikal. gesch. der ev. gottesdienste
1893 s. 16, 18 u. ö.
^) Novati, Studi critici e letterari 1889 p. 177—310 ^La parodia
Sacra neue letterature moderne\
In dulci iubilo. 93
Vokabularien , zeitsatiren und schreiberwitze dieser form ^),
ferner neuere gedichte, die wie Goethes Ergo bibamus nur
als refrain ein paar lateinische worte enthalten^), oder die
zwischen die Strophen eines lateinischen poems vollständige
deutsche Strophen gleichen oder kontrastierenden inhalts ein-
sehalten®). Dafs dieselbe einmischung lateinischer worte auch
in der französischen, italienischen, spanischen, englischen,
schwedischen, böhmischen, polnischen, bretonischen und irischen
poesie begegnet, sei hier wenigstens in kürze erwähnt*).
1) Hoflfmann, In dulci jubilo s. 20 und Mein leben 2, 243 (1868).
W. Wackernagel, Kleinere Schriften 2, 205. 0. Schade, Weimar, jahrb.
2, 409. Goedeke, Grundrifs ^ 2, 511. Ferner z. b. Ztschr. fĂĽr gesch.
Schlesw.- Holst. 4, 395. Anz. f. k. d. d. vorzeit 1873, 304. 1874, 148.
1875, 183. 1880, 174. 1881, 240. Germania 36, 179. Zs. f. d. alt. 27, 42.
32, 445. 34, 51. Zs. f. d. phil. 11, 319. Alemannia 17, 257. Monatsschrift
fĂĽr rhein.-westfal. gesch. 1875, 580.
2) Viele Studentenlieder. Eichendorff, Werke 1, 284 (1864). Geibel,
*Ein lustger musikante». Jul. Wolff, Der wilde Jäger 1877 s. 56; Singuf
1881 8. 116. 139. 160. 188. — Hoffmann, Nid. geistl. lieder 1854 nr. 6. 9.
13. 19. 88 98. Bäumker, KL. 1, 319. 412. Vjschr. 4, 195. 306. 311. 320.
3) Scheffel, Frau Aventiure 1876 s. 109. Dahn, Gedichte, 2. samml.
1873 8. 216. 241. 577. Baumbach, Lieder eines fahrenden gesellen
1881 8 92. Weinkauff, Almania 2, 182 (1885) S.-B. d. Wiener ak. 54, 324.
^) Französisch: E. Du M^ril, Po^sies populaires latines ant. au
12. si^cle 1843 p. 96. 100; P. pop. du moyen äge 1847 p. 207. Wright,
Anecdota litt. 1844 p. 43. P. Paris, Mscr^ frauQ. de la bibl. du roi 1,
308 (1836). Leroux de Lincy, Chants historiques fran^ais 1, VH (1841).
Nisard, Hist. des livres pop. ^ 1, 293. 312. Barbazan-M6on, Fabliaux
et contes 4, 99. 106. 441. 445. 485. Montaiglon, Recueil de po^sies fran9.
des 15. et 16. si^cles 1, 150. 9, 191 ff. 254. 276. 11, 253. 13, 186. 0.
Basselin, Vaux-de-vire ed. P. L. Jacob 1858 p. 83. Bartsch, Ztschr. f.
roman. phil. 8, 537 und Jahrb. f. roman. litt. 12, 1 (provenzal.). Hoff-
mann 1854 nr. 57 «= Grässe, Bierstudien 1874 s. 150. Novati, Studi
p. 199 u. ö. — Italienisch: Du M^ril 1843 p. 101. Novati p. 207.
305 u.ö. — Spanisch: Novati p. 197. 201. 204. 219. — Englisch:
Weinhold, Weihnachtsspiele 1853 s. 381. Böddeker, Jahrb. f. rom. litt.
14, 354. 356. Breul, Engl. stud. 14, 401 ff. — Schwedisch: Arwidsson,
Svenska fomsänger 3, 104 = Visböcker utg. af Noreen och Schuck 1,
79 (1884). — Böhmisch: Feifalik, Sitzgsber. d. Wiener akad. 39, 696.
716. 720. Jireöek, Dgjiny literatury öeske 1, 2, 5 (1875). — Polnisch:
Brückner, Abh. d. Krakauer akad. 22, 59 (1893). — Bretonisch: Novati
p. 261. — Irisch: Hoffmann 1854 s. IIL
94 Johannes Bolte,
1. Nonnenklagre.
Monicelle incarcerate
Syn wy gheweest ouer mennich jaer,
Wt te comen hebben wy groet vaer
Ad seculum in veritate.
1. Simplices adhuc domicdle,
Seer scoen in onsen ionghen tyden,
Fade fuimus monicelle
Wt bedroch, dy ons benyeden;
0ns maghe preeckden tallen tyden
Depingendo nobis infernum^
Vt nunc essemus in eternum
Et in äbysso inserate,
Monicelle incarcerate etc.
2. Patres nostri manducauerunty
EUic weet wel, soe wat ick meyne,
Mundana nobis negaueru/nt
Dyckwels syck van Venus fonteyne,
AI warui suuer ende reyne,
Cupido tarnen nos inuenit,
Qui nostra corda interemit
Grudeiis teli daritate.
Monicelle incarcerate etc.
3. Cor nobile et feminĂĽe
Heeffc veel ghepens in synen synne,
Ardenter amat et non vile,
Des dyckwel vynt seer cleyn ghewynne.
Waer wy daer wt! wy syn daer ynne,
Sic nos Cupido semper tenet,
Claustralis viia nosque tedet,
Feruet Venus exuiscerate.
Monicelle incarcerate etc.
4. Farentes nostri nos fugarunt,
AI war wy gheweest haer vianden,
Sorores nostras, quas dotarunt
Met hären stat in hulix banden.
Des moeghen wy wel slaen ons banden.
Prudentes tenere puelle,
Sic nos ut ipse sumus belle,
Sed nie magis fortunate,
Monicelle incarcerate etc.
In dulci iubilo. 95
5. Yna semper in graui luctu,
Dy ander in feeste, in vrouden.
Ämoy germa[na] viuit in frudu.
Och god, dat men oit ghevonden
Cioesters, des wy ons nv berouden.
Quanta suh nostra tumicella
Begnat inuidie proceUa!
Nichil hont ex caritate.
Monicelle incarcerate etc.
6. 8i per sortem nohis directam
Syn wy beghinen totter kerken,
Quis cogitasset tantam sedam
Onder papen ende clercken!
AI syn wy cuis, men wylt ons mercken
Cum pastore d capellano,
Cum fadore d ortulano,
Gelosia cum castitate.
Monicelle incarcerate etc.
7. Ceca^ fällax, surda et dura
Is ons fortuin in desen leuen,
Semper ridens, numquam secura,
Aldus dan hebwy ons vergbeuen,
Ons leuen toch hebwy begheuen,
VeUe nostrum nolleque iacety
Nunc ahbatisse quando placet.
Numquam sumus in Ubertate.
Monicelle incarcerate etc.
8. Si parentes nostri antiqui
Myts haer stout oft negligencie
Erant pauperes avt mendici,
Laet hen doen dy penitencie!
Want warechtich [is] dy sentencie:
Qui deliquitj sit castigatus
Innocensque sit liberatus.
Sic nos iniuste condempnate.
Monicelle incarcerate etc.
9. Inuentor claustri inimicus
Moyst hy wael syn van scoenen vrouwen.
Aut erat inops aut mendicus,
Ick hoep, hy maechs hem wel berouwen.
Want dy werelt wyluy gam bouwen
96 Johannes Bolte,
Et res amando [?] nosirum tempus.
Sit adolescens heneventus
Bemota tiostra castitaie!
MoniceUe incarcerate etc.
10. lam iam omni cum remedio
Dy werelt wyllen wy versuyken,
Vilem artem sine tedio
Lyuer toch solden wy ghebruyken
Dan totten cloester, totten buycken
Beuerti, et in miseria
Dimittamus monasteria
Gaudendo in calamiiate!
MoniceUe incarcerate etc.
11. CecCy daude et gybbose
Dj suUen in haer cloester blyuen,
CuruCf glauce et herniose,
Versust [versuft?], verrumpen, swert van lyuen,
Oich dy syn seer quade wyuen,
Iste in claustro Stent detente,
Et graciose sint redempte,
Mundo, Veneri dedicate,
MoniceUe incarcerate etc.
12. Si mors repente nos non premit,
Onsen tyd sĂĽllen wy verbalen,
Nunc cor non languet neque gemit,
0ns lyefkens moyttent al betalen.
Nw laet ons dan al sonder dualen
luhilare nunc cum Venere,
Cum Bacclio atque cum Cerere!
Nunc erimus in libertate,
MoniceUe incarcerate etc.
Finis.
Aus der 1520 — 1530 geschriebenen Brüsseler foliohandschrift nr. 10 941,
bl. 188 b : Latnentatio monialium scripta per M, Wüboräum Mathei anno X Ve. quarto.
2\ Tplnksppucll (niederdeutsch).
1. Venitey [gy] leuen gesellen, aen sorgen!
De werdt wil vns borgen
Den auendt als den morgen
Salutari nostro^
In dulci iubilo. 97
Darümm scbölln gy nicht syn vortzaget;
De werdt hefft eine schöne maget.
De hefft my n echten thogesaget
In confessione;
Vnd kan se vns nicht all bestan,
Se will ein hĂĽlprin tho sick han.
luhilemvis ei!
2, Quoniam vnd ifft wy erfören,
Dat wy de wörpel worden rören,
Wat hülp vnse flökent vnde sweren
Super omnes deos,
Wat hülpe vnse flökent vnde scheldent,
Den wyn möten wy vorgelden.
Daran gewinnen wy seiden
Omnes fines terrae;
De werdt nimpt an nene mest noch schwerdt,
Ydt sy denn des geldes dremal werdt,
Ipse conspicit.
8. QiAoniam de werdt hefft sick geschicket,
Den disch hefft he angerichtet,
Damp gesettet gl^ß vnd kröß wol geputzet,
Fundaverunt manus eiuSy
Mit fröuden will wy supen,
De wyn springt vth den druuen,
De vns hefft gegfuen
Dominus deus noster.
De werdt drecht en vp in krnken vnd flaschen,
He weth wol geldt in vnsen tasschen,
Oves pascue eius.
4. Hodie van my schölln gj nicht wencken,
Kröse vull wil ick yuw inschencken,
Dat gy deste bett mögen s wencken
In corda vestra.
Ick weth gude wörst vnd ein swynebraden,
Darup mach vns ein stolt drunck geraden,
Als vnse Ă–ldern daden,
Patres vestri,
Idt was vnder en keiner allein,
Se drĂĽncken bett vp den drĂĽdden stein
Opera mea.
Festsohrift.
> j
98 Johannes Bolte,
5. Quadrag'mta, veer vnd veertich buren de seten in einer zecbe
Vnd deden vel gl^ß vnd kröse thobreken,
Dat ick thom lesten wardt sprfken:
Hi errant corde,
Do hadd ick glĂĽck vnd heil vmme se vorscbĂĽt,
Se worden my mynen kop ernitten.
Do wĂĽnscht ick en den ritten
In ira mea,
Do sprangen se up mit grotem schal
[Vnd Jagden my in den peerdestal]
In requiem meam.
6. Gloria, inn dem stall wart ick beslaten
Van densĂĽluen drĂĽncken apen.
Do kollatzde ick de nacht by den rossen
Spiritvi sanctOy
Do klammerd ick vp wol an den wenden
Vnd vel wedder vp myne lenden.
Dat se de dtivel sehende
Et nunc et semper,
Dat erer nein by den ehren bliff,
Dat men se vth dem lande vordriff
Mit all eren kindern vnd wyff
In secuta seculorum,
Ver schöne le | de, Vam Slömer. Dat ander, Ve- | nite gy leuen Ge-
sellen ane sorgen. | Dat drüdde. Van söuen Stalbro- | dern. Dat veerde, Van
den acbtein | eigendömmen der Drenc- | kers. 4 bl. 8^. o. o. u. j. (Berlin Yd
9509; vgl. Jahrb. f. nd. Sprachforschung 19, 168),
Das stück beruht auf einer hochdeutschen vorläge, die uns in zwei
fliegenden blättern aus der mitte des 16. Jahrhunderts erhalten ist, a) Ein
hĂĽbsches liede, Wo soll ich mich hin keren. Ich thummes brĂĽederlein. Ein
ander lied, Venite jr lieben gesellen one sorgen (4 bl. 8^ o. o. u. j. Berlin
Yd 9496). — b) Ein hübsches liede, Venite, jr lieben gesellen one sorgen etc.
Nürmberg, Georg Wächter. 4 bl. 8® (Berlin Yd 9489j ; abgedruckt von Hoff-
mann V. F., Weimar, jahrb. 6, 51. Beachtenswert sind einige lesarten von
a, wo b und die nd. Ăśbertragung zusammenstimmen: 2, 1 erfrĂĽren (b: er-
füren); 5, 6 mein grynd erschitten (von erscheiten = zerscheitem, während
die lesart ernitten in b von dem verbum nieten, nd niten = schlagen, stossen
abzuleiten ist).
Die ersten zeilen unseres liedes hat auch Georg Forster 1540 in einem
vierstimmigen quodlibet (Teutsche liedlein 2, nr. 3) verwertet: 'Kumbt her
on alle sorgen, Der wirt der will vns borgen Den abent als den morgen
Salutari noatro^.
Eine ältere hochdeutsche fassung, die Schletter nach einer Leipziger
handschrift des 15. Jahrhunderts im Berichte der deutschen gesellschaft in
Leipzig 1842 s. 62 veröffentlicht hat, stimmt nur mit str. 1, 1—4; 2, 1—11;
4, 5 — 8; 5, 1—2 überein. Auch ist sie in anderer strophenform geschrieben;
der abgesang enthält nicht drei, sondern gleich den stollen vier verse mit
dreifachem reime. Unserer str. 2, 9-11 entsprechen also dort die verse:
In dulci iubilo. 99
^Dem wirt ist sein mut verkert, | Er nympt vns rock, mantel vnd Hwert, |
Sint sie nicht des geldes wert, I Ipae cotupieit,^
Das mutwillige zecherlied parodiert den als anfang des breviers all-
bekannten 94. psalm: ^Venite^ extUtemtit äomino^^ indem es zwischen die bei
-der kirchlichen Verlesung hervorgehobenen worte einen ausgelassen profanen
text einschaltet. Dergleichen Verhöhnungen desselben kirchlichen lese-
abschnittes sind in grofser zahl vorhanden : zwei andere schlemmerlieder bei
Hoffmann, In dulci jubilo nr. 31 — 82, zwei ähnliche unedierte stücke einer
Wiener handschrift des 16. Jahrhunderts (nr. 4117), zwei schmutzige liebes-
scenen zwischen mönch und nonne in den Münchener handschriften Cgm 879
und Clm 15602. In anderen fällen ist auch das voraufgehende invitatorium
mit eingeflochten, so in dem durchweg lateinischen gedichte, das Feifalik
in den Sitzungsberichten der Wiener . akademie 86, 174 nach einer Prager
aufzeichnung des 15. Jahrhunderts abgedruckt hat: ^Circumdederunt me luaorea
^ bibuli, iatronea pincerne circumdederunt me^, femer in einem aus Brabant
stammenden protestantischen libell wider die römische kirche, von dem ein
nd. nachdruck um 1585 erschienen ist: ^De dudesche vigilie'^), in dem das
Yenite mit dem invitatorio anhebt: ^Circumdederunt m« mönnicke vnd papen,
nunnen, canoniken circumdederunt me. VenitCj leuen gesellenn van dem
Bömschen don.' Hier ist die psalmstelle 17, 5: ^Cireumdedetunt me dolorce
mortis j dolores infemi circumdederunt me^ nachgeahmt; dagegen wird auf das
im brevier der Franziskaner verwandte invitatorium ^Adoremue dominum^ qui
Jeeit noa^ angespielt in einem launigen französischen mischliede: ^Venite^
potemua. Venite, mes gentes tetines' (Novati, Studi critici e letterari 1889
s. 802). — Entfernter steht eine französische dichtung von 1581 (Montaiglon,
Becueil de poösies fran^aises des XV. et XVI. si^cles 11, 2ö8; vgl. 12, 41)
und ein nur mit der anfangszeile hergehöriges lateinisch-niederdeutsches lied
des 15. Jahrhunderts: ^Venite, myne gesellen, et audite^ (Bartsch, Nd. jahrb.
11, 187).
2^ Trinksppuell (niederländisch).
1. VenitCj ghy lieve ghesellen sonder zorghen,
De waerd die wil ons borghen
Den avond als den morghen
Sälutari nostro,
En weest daeromme niet vertsaeght;
Want de waerd heeft een so schoonen maeght^
Sj hevet my laetstmael toegesaget
In confessione.
Ende kan sy ons niet al bystaen,
So wil sy een hulpster tot haer haen:
luhilemus ei.
2. Quoniam ende oft wy vervoeren,
Dat wy de teerlingh wouden roeren,
Wat holp ons vloecken en sweeren
Super omnes deos?
1) Berlin Yd 7822, 5. Mitgeteilt von Hoffmann von Fallersleben, Weimar, iahrb.
6, 43-51. — Vermutlich ist dies der 1546 von der LOwener theologischen fakult&t
verbotene traktat <ÂŁen nieuwe zuverlicke vigilie int duytsche, met den Pater noster>
(Beusch, Die Indices librorum prohibitorum 18S6 s. 41).
100 Johannes Bolte,
Wat holp ons vloecken en scheiden?
Den wijn moeten wy noch verghelden,
Wy en ghewinnen daer aen seiden
Omnes fines terrae.
Ons waerd neemt aen gheen mes noch sweert,
Ten zy dan driemael het gheld weert:
Ipse compicH,
3. Quoniam de waerd heeft hem gheschicket,
Hy heeft de tafel aengherichtet,
Met glasen en kroesen ghestichtet,
Fimdaverunt manus eius,
Seer vreuchdelick willen wy zuypen,
Den wijn komt wt de druyven druypen,
Die ons hier, heeft gegeven
Dominus deus noster.
Ons waerd draeght op in kruyckeu en in vlesschen^
Hy weet wel gheld in onse tesschen,
Oues pascue eins,
4. Hodie van my en sult ghy niet wencken,
Kroesen vol wil ic u in schencken^
So meught ghy dies te beter swencken
In corda vestra,
Ic weet goede worsten van een swijne gebraden,
Eenen goeden dronc machmen daer op geraden,
Als onse ouders daden,
Patres vestri,
Ten was onder hun geene voor hem alleen,
Sy droncken al heen op den derden steen
Opera mea,
5. Quadragifita, vier ende veertich boeren
Zaten der aen eenen vollen kroes in roeren
Ende deden veel kannen ende glasen breken,
Also dat ic op't leste ging spreken:
Hi errant corde.
Ic hadde gheluc, verstaet wel ditte,
Sy wouden my op mijnen kop sitten,
Ic wenschte hen doe de ritten
In ira mea,
Sy spronghen doen op met groot geschal
En jaeghden my int paerden stal
In requiem meam.
W « t I
k
fc.
In dulci iubilo.
101
6. Gloria in den stal werde ic besloten
Vande droncken apen, theeft my verdroten,
Ic logeerde die nacht byde rossen
Spifitui sancto.
Ic klaverde op al aen de wanden
Ende viel doe weer neder op mijne lenden.
Dat haer alle de dujvel sehende
Et nunc et semper,
Gheener en moet by't sijne blyven,
Ja men behöortse wt den lande te dryven
Met al haer kinderen ende wijven
In secula seculorum.
AMEN.
Aus der viele interessante ältere dichtungen vereinigenden sammlang:
Veelderhand$ QeneuchHeke dichten, Tafel-apeien ende Refereynen. Antwerpen,
Jan van Ghelen 1600, Bl. H^ja: <Der Dronckaerts Liedt, sötte Benedictie
-ende Gratias\ — Vgl. über dies buch Bolte und Seelmann, Niederdeutsche
Schauspiele älterer zeit 1895 s. *6.
Der niederländische text ist aus der niederdeutschen fassung (freilich
AUS einem anderen drucke als dem unter nr. 2 a wiedergegebenen, in str. 5, 10
unvollständigen flugblatte) geflossen, nicht aus dem hochdeutschen originale,
-da die worte ^ vande droneken apen^ in str. 6, 2 mit dem nd. ĂĽbereinstimmen,
während es im hd. liede ^von denselben trunken foesen* heifst.
3. Des scUemmers tischgrebet.
a) De sötte Benedictie.
1. God wilt al seynen
Voor buylen, voor bleynen,
Groot ende kleynen,
Kort en lanck,
Stoel en banck,
Werc en danc,
Keden en sanc,
Kreupel en manc,
Sotten en sottinnen^
Dicke en dinnen.
Mager en vet,
Zo mach ic bet
Zeggen aldiis:
Btnedmie dominus.
2. Meyskens, knechtkens,
Tuytkens, vlechtkens
Ende alle gerechtkens,
Orangiekens,
Lamoenkens,
Wy compangjoenkens
Zijns alle verdoenkens
Sottekens, keykens,
Leckerkens, leykens,
Vlaeykens, pasteykens,
Poeder en bus :
Benedicite dominus.
102
Johannes Bolte,
3. God seyne hier wijn,
Verjuys en azijn^
Galentijne,
Moataert,
Goed vleys en taert,
Twelck wel invaert
Ende alle druc spaert.
Ooc waert verklaert,
Datmen elcken stelde
Na sijnen gelde:
Want boer Jan Kruysken
Ruymt t' onsent thuysken
God seynt koc en krauwel^
Harst en spauwel
Ende andere dingen dns:
BevedJcite domimts.
F I N I S,
b) De sötte Gratias.
1, Om dat hier goede collatie was
En ic wel gestelt was,
Gespelt was, getelt was
Voor een bancketken
Aen een besletken,
Daer't jonc wijf Betken,
Maepken, Coletken
Fraey sood oft briedt,
Ic dancx haer niet,
Anders waert outragie,
Sy maect lecker pottagie,
Sy is geerne vro.
Also ons collatie was:
Benedicamus domino,
Deo gratias.
2. Die dese spijse kochte
Ende thuys brochte,
Die ic wel mochte,
Ende den dranc haelde,
Die door mijn keelken daelde
En so putte en paelde,
Dat ic luttel betaelde:
Een fijne verstaelde
Vergulde naelde
Wensch ic hem, haec vast
Meerder dan kraec mast.
Noch meer tsijnder baten,
Alle die daer zaten,
Droncken of aten
Oft blyde ghelaten,
God behoedse voor gaten,
F I N
Ja willense soo
Het bagijnkens temtatie was r
Benedicamus domino
Deo gratias.
3. Lof hebbe ons beere,
Want ic leere,
Dat elc hem keere
Te bidden seer
Voor backer en brouwer,
Voor vischer ende voor vlees--
houwer
Ende voor kern-melc-kouwer
Ende voor den Kijnschen
Keulen aer :
Voor al dat sied of braed
Oft hongher verslaet :
My wel verstaet,
Drinckt, eer ghy gaet.
So hebt ghy aflaet
' Van al u misdaet.
AI segh ic 't rondeken,
Elc spoel sijn mondeken
Fris als een koster
Mit een Pater noster.
So sullen wy zegghen : Imus^
deo.
Want hier goede recreatie-
was,
Benedicamus domino^
Deo gratias.
I S.
In (lulci iubilo. 103
Aus der s. 101 erwähnten Antwerpener Sammlung von 1600, Bl. Hyjb. —
Nie. Grjse (Leien Bibel. Rostock 1604. 2, Bl. Kiiija) erzählt: <Etlike ander
brasser vnd slömer vnder en vangen an eine zechebröderlike maltydt mit
erem hethhongerigem Benedicite: Dat ja dith, dat ys dat, dat js dröge,
dat ys nath: Dominus benedieatl Tastet tho vnd ethet wat, vnd grypet
hastigen in dat vath ! De wat krycht, de hefft wat' nnd erwähnt noch andere
parodien des Magnificat und des Si bona. Das hier parodierte tischgebet
lautet: ^BenedieĂĽe over all, God segnet dat hir ys und komen schal, Idt sy
dmge, fliehte ofite nat, Dtu» benedicat^ (Weinkauif, Monatsschr. f. rhein.-westfäl.
gesch. 1875, 589; vgl. Anz. f. k. d. d. vorzeit 1877, 192. 1879, 288). — In
dem unten s. 109 angeführten flugblatte von 1613 steht ein ähnliches Gratias:
* Singen wir aufs hertzen grund: Hetten wir der kesten ein pfund, Marcipan
vnd spanischen wein. Warme weck vnd butter drein, Fisch zu morgen vnd
Vögel zu nacht (Hübsche mägdlein, hab gut acht), So singen wir letz das
Oratüis^, — Str. 2, 11 kraec = grosses kauffarteischiff.
4. Der frauen Pater nostep.
Als dese vrouwen gaen ter kercken,
Om te hooren god es wercken,
Dan beginnen sy sonder letten
Haer kapken wtermaten net te setten.
5 Als sy dan komen inder kercken,
Zoo besien sy papen ende klercken,
Dan beginnen sy te lesen.
Nu hoort doch, hoe dat sal wesen!
Pater noster^ qui es in cclis,
10 Ondanc moet hebben Beatris,
Dat sy heeft soo goede kleederen an.
Waer mijn man als menich ander man,
Hy soudese my oock wel doen maken.
Maer ick en kander niet aen gheraken.
15 Hierom blijf ick also dom.
Sanctificetur nomen tuum!
Mijn man moet wel zijn een catijf,
Dat hy dus bout sijn goede wijf.
Want also wel soudt voeghen my
20 Als eenighe vrouwe, die hier zy.
Maer wat kan icker doen om?
Ädveniat regnum tuiim!
Dat hy my dus qualicken hout,
God gheve hem droefheyt menicbfout,
25 Om dat hy my niet en houd wat bat.
Want hy seer geeme vergadert scbat.
Dat is de oorsaec, dat ic dus armelic ga.
Fiat volunias tua —
Voorwaer ic salt wel anders maken,
30 Ic sal wel op de solder gheraken,
104 Jobannes Ăźolte,
Daer gerst ende haver op leyt,
AI börste mijn man van quaetheyt^
Ic sals wel 800 veel verkoopen,
Dat ic my wel met silver sal knoopen^
35 AI waer den catijf noch so erra.
Sicut in celo et in terra.
Ick hebber noch beter in mijn kiste^
Dat ic hem onthielt met liste,
Ic sal daer schicken ghelt af te maken
40 Zo haest als icker toe kan gheraken^
Dat ick de luyden mocht behaghen,
Wanneer sy my dan wel besaghen
Achter, voor ende al om.
Fanem nostrum quotidianum —
45 Dat ic hadde goede kleederen aen,
So mocht ick frisselick heenen gaen,
Twee propere wtgesneden schoen,
Eenen breeden timp aen mijn caproen,
Ende twee smalle platijnen,
50 Zoo soud 'ic noch veel fraeyer schijnen,
Als ick dan noch hadde mee.
Ba nöhis hodie!
Eenen fraeyen lustigen kransse,
Daer mede soude ic gaen ten dansse.
55 Al8 mj dan de lieden saghen,
Zoud' ic alle jonghe gesellen behagen:
Elck soude ghelijck ick willen doen.
Nu wil ic my daer toe gaen spoen,
Ist datter in[t]huys noch koren is.
60 S dimitte nohis —
Wanneer de paep van preken scheyt af,
Zoo help my god en *t heyligh graf;
Waer dese misse slechts ghedaen,
Zoo zoud^c aen de merct gaen,
65 Dat ick wat sinlicx voor my kochte
Ende ooc mijn soete lief wat brochte,
Want mijn man is te Pra.
Debita nostra!
Hy en komt niet thiiys in acht daghen.
70 Dat mach mijn hert seer wel behaghen,
Want hier entusschen sal ick wel
Tgoet verkoopen met haesten snel
Ende koopen daer om na mijn ghevoegh
En houden nochtans gheldts genoegh,
In dulci iubilo. 105
75 Daer mede sal ick gaen te wijn,
Aldaer de jonghe ghesellen zijn,
Eer mijn man sal komen thujs.
Sicut et nos dimittimus —
Wat wil icker meer af zegghen?
SO Mijn man sal eren ende egghen
Ende selve gaen inde ploegh,
Want daer toe is hy goet ghenoegh
Ende daer toe streckt al sijn begheeren,
Ick sal dan doen sonder cesseeren
85 Ghelijk als voren, dat is gewis.
DebUorĂĽms nostris.
Wat soude ick doen met erve oft goet!
Want ick immer sterven moet.
Ick wilder mijn gerief af hebben
90 Zonder eenigh tegen seggen
En zijn dan blijder als ick oyt was.
Et ne fios inducas —
Gevader, en ist niet waer?
Lieve gevader, ja 'tis klaer,
95 Wat soudt ghy doen met erf of schat,
Daer u niet af en waer te bat?
Ghy zijt noch jongk^ ghy meucbt verwerven
Vele goeds, eer ghy sult sterven.
Och wou de paep toch haesten hem.
100 In temtationem !
Aldub maken sie groot geschal.
Dan roept de koster over al:
Ghy vrouwen, ghy maeckt soo grooten gheluyt,
Beydt toch, tot dat de misse is wt!
105 Ghevader, de paep zegent hem.
Sed lihera nos a malo! Amen,
Nu zegent hj ons allen,
Laet ons nu op onse knien vallen!
Wj zijn nu alle wel gezegent.
110 Gevader, en weet ghy niet, oft regent?
Ich en hebbe geen omme-kleedt.
Aldus staen sy op gereedt,
Met soo danigen innicheyt
Hebben sy haer ghebedt geseyt.
115 Als sy dan komen wt de kerck „ gaen,
Zoo vangen sy alsulcken werck „ aen,
Dat den man mach vreesen, als de vrou komt t'huys,
Want vrouwen Pater noster lesen is eens mans kruys.
F I N I S.
106 Johannes Bolte,
Ans der oben s. 101 erwähnten Antwerpener Sammlung von 1600, bl. Cüija:
^Der Yronwen Pater noster'. Vielleicht identisch mit dem 1570 in Ant-
werpen verbotenen *Pater noster int sötte' (Rensch, Die Indices libr. prohib.
1886 8. 312). Vgl. Kalff, Geschiedenis der nederl. letterknnde in de 16. eenw
1, 178 (1889). — Ein in Köln befindliches bruchstück eines einzeldmckes
ans dem anfange des 16. Jahrhunderts hat Hoffmann t. F. (In dnld jnbilo
1854 nr. 38; vgl. Kalff, Het lied 1884 s. 511) veröffentHcht; es enthält die
verse 28 — 76 mit folgenden Varianten:
29 Voorwaer] Entrouwen — 31 f. Daer op licht hier ende gherst. AI
sonts mijn man hebben berst — 35 erre — 37 hebs — mijnder kist —
38 mit nanwen list — 39 £. Entrouwen ic salder ghelt of maken, Constic
enichsins gheraken — 42 Ende si mi dan saghen — 49 platinen smale —
50 f. So waer ic frisch altemaele, Noch so mostic hebben mee — 53 Dat is
enen rasse [!] — 55 Dan souden die — 56 — 58 Hoe mach elken die behaghen.
Die daer so firischeliken steet! Ic salt hebben, ist lief of leet — 59 Ist]
Op — 61 Die paep en comter huden af — 63 Waer nu dese misse ghe-
daen — 65 Datj Daer — voor my fehlt — 66 Ende ooc] Dat ic — 70 hert
seer] hertken — 71 hier inbinnen — 75 ic mede sal — 76 Daer die schone.
Das hĂĽbsch abgerundete genrebild der eitlen und leichtfertigen frau,
der in der kirche beim gebete fortwährend unheilige gedanken durch den
köpf ziehen, ragt unter den zahlreichen glossierungen und parodierungen des
Vaterunsers erheblich hervor. Es mag auch zu dem viel breiter ausgefĂĽhrten
englischen gedichte John Awdeleys ^Proude wyues Fater notUr^ von 1560
(Hazlitt, Bemains of the early populary poetry 4, 147; vgl. B. Lanehams
Letter ed. by Fumivall 1890 p. CXIY) anlafs gegeben haben. Aus spaterer zeit
vergleiche ich das gebet der ^gleifsnerischen narrin' bei Conlin (Die thorheit
der 25 narrinnen 2, 203. 1711): ^Gep-ĂĽtst stist du Maria, will gern sehen,
wann der maister Paul mein rock wird fertig machen. Jht hiat voĂĽsr
gnaden, der schindt>bub der paschi wird ja die labett-kartten nicht ver-
gessen. Der herr sei mit dir, ich muis dem gutscher sagen, dafs er nach-
mittag bey Zeiten einspannet' etc. Ähnlich Abr. a Sancta Clara, Sämtl.
werke 1837 11, 441. Das schwatzen in der messe wird schon im 15. Jahr-
hundert bildlich gegeifselt (Schreiber, Manuel de Tamateur de la gravure au
15 si^cle 3, 201. 1893).
Ăśber das patemoster des Wucherers (Barbazan-Meon , Fabliaux 4, 99.
Pfeiffer, Altdeutsches Ăśbungsbuch 1866 s. 171), der verliebten (A. Keller, Alt-
deutsche gedichte 2, 7. 1855. Zingerle, Germ. 14, 405X der unkeuschen^
des Schlemmers, des Vogelstellers, der von kriegsnot bedrängten bauem
(Werner, Yjsschr. f. litteraturgesch . 5, 1) n. s. w. vgl. meine bemerkung in
der Ztschr. f. vergl. litteraturgesch. 7, 463, wo ich als quelle zu dem ab-
gedruckten meisterliede Bebeis Facetiae 2, 137 ^De quodam aueupe^ nach-
zutragen bitte.
5. Martinsfest.
In Martini festo
Soln wir alle frölich sein
Cordeque non mesto
Trincken den kĂĽlen wein,
Als sie ist per getitem
Gens Vögel vnd enten,
Wol gekocht vnd gemacht,
Rogans bratne ganz.
In dulci iubilo.
107
Hie est Mariinus,
10 Vir divinus,
Gar ein milter man,
Beschert vns die guten kaphan,
Kaphan, awerhan, hauĂźhan, haselhan, rephan, schnegens,
wilt gens, kocht gens, bratne genĂź vnd allerley genĂź.
G. Forster, Teutsche liedlein 2, nr. 71 (1540) mit vierstimmiger melodie«
6. TrinkUed.
1. Änno fit hoc memoriäle
Canamus cum leticia:
lam exortum est in vite
Que formatur rite,
2. Est cell ros duldssimus,
Liquorque suauissimiis,
Miris modis est prohatumy
CeUtus hoc est sihi datuniy
3. Attestatur Boitius:
Ac perseuerat sohrimy
Asserunt nam liberales:
Duos quartas commensäleSf
4. Mustum honum cum svaui
Tunc intendunt garrulari^
Eya, dicufit amäbiles,
Mappas cum tiostris pepulis
5. Potus fertur sacerdotum.
Est hunc clerus bibens potum,
Ipsos facit disputare
Miseros facit abundare,
6. Mentes cmidorum releuafj
Quicumque potes[t]j hie bibat,
In vino si sird athomi,
Odor fragrans moet syn dairby,
vande grote mildicheit,
got sy loff in ewicheit!
eyn dresteyn [?] edel ende klaer^
scriuen dye meisters openbaer.
als ons scriff dye psalmist,
ment vynt oeck [niet], dat also is.
mechtich is hy van duegden,
hi brengt onĂź veel genoechte.
Wyen drynckt ter goyder wyĂź
den sal men geuen groten pryĂź.
soe comt dan mer coel darby
si spreckt : laet ons drynck[en] dril
gaen drynken allen wyue,
men sold dar boeck aefF schry uen,
naebers, laet ons vercopen
ende totten wynhuis lopen!
dat water is der gansen dranck^
darom is haer bade! kranck.
hoich vander dryueldicheit,
nochtans ist oen onbereit.
hy wirckt alleyn in luyden,
so wyen can becruyden.
vers, sterck ende wael geurist,
so en is hy nyet verdrist.
Mit maeten willen wy dryncken den edelen rynschen wyn
En altijt gots gedencken: gelaeft so moet hy sin.
Vinum dat festum^ frigus conuertit in estum,
Letificat mesitum, miserum quoque reddit honestum.
Vina välent fanth ceruisia laute cubanti,,
Föns valet orantij sed inedo [i/nedia?] basia danti.
Ans einer BrĂĽsseler liederhandschrift des 16. Jahrhunderts (Mscr. II
144. 169 hl. S^) bl. 39 a: 'De vino\
108 Johannes Ăźolte,
7. Der Schlemmer in nöten,
1. Ein mutter hat ein fUvum,
Der tranck gern cerevisiam.
Das labet jhn sein corculum.
Wenn durstig war sein lahivm.
2. Er ging wol ins hospitium^
Sprach: Wirth, habt jhr cerevisiam?
Der wirth bracht jhra ein candarum,
Draus tranck er cerevisiam.
3. Das hier macht jhm bald ehrium.
Der wirth macht jhm sein symbölum^
Er sucht in seinen marsupium^
Fand darin kein pecuniam,
4. Er bat dem wirth vmb mutuum^
Sprach : Dheim hab ich viel aureum ;
Habt mit mir patientiam^
BiĂź ich kom in domum meam!
5. Der wirth stalt sich sehr iratumj
Sprach: Hast jetzt nicht viel argentum,
So gib mir her dein pallium,
Oder zahl mir mein symbolum!
6. Hiemit warff er den miĂźerum
Vnd stieĂź jhn auff die plateam.
Der arme schelm gieng in sein domum
Vnd legt sich in sein ledulum.
7. Da fieng er an sein somnium
Vnd schlieff ad diem medium.
Sein mutter erwĂĽscht ein baculum
Vnd trieb jhm aus sein somnium.
8. Sie sprach zu jhrem herrn filium:
Wo habet jhr ewer pällium?
Ach wehe, sprach er, me miserum^
Ich hab jetzt den Corndium.
9. Das hier [ist wahrlich] sehr bonumj
Drumb versoff ich mein pallium.
Erbarmt euch vber me miserum
Vnd thut weg ewern baculum!
In dulci iubilo. 109
10. So gehets noch zu in hoc mundo,
Wenn einer wil ohn argento
Ins bierhauß gehn. Drumb äbstine,
Bath ich dir, adolescentĂĽle.
Vier Weltliche Lieder: | Das Erste: Vinum quae pars? | Yerstehesta
das? 2c. I Das Ander: Ein Mutter Let | ein Filium &c. | Das Dritte: Gott
bhĂĽt dich Hertz- | gen zu aller Stund. Im Thon: Wie | wird mir denn ge-
schehen? I â–ˇ I Das Vierdte: Ach Liebgen, schetz- | gen, ach En^elein. Im
Thon: Einiges | Lieb, getrewes Hertz. | 4 bl. 8® o. o. und j. [um 1600].
Berlin Yd 7852, 24. — Eine andre von B. R. M. unterzeichnete bearbeitung,
die denselben stoff weitläufiger zu 27 Strophen ausspinnt, ist in einem
fliegenden blatte: *Zwey schöne newe Lieder. Das Erste. Von einem Filio,
der sehr Ocium geliebet etc. Das Ander, Das letzte Gratias etc. Getruckt
im Jahr 1613> (Berlin Ye 1174; nach Weller, Annalen 1, 275 ein Baseler
druck) erhalten. Anfang : *Ein mutter hatte ein Ăźlium, | Dem liebet sehr das
ocium, I Vnd tranck gern vinum Etapanieum, j Gieng alle tag ins hospttium^.
8. AVeingpufs.
Vinum honum et suave,
Virtutes sunt tibi darae.
Dem hertzen gibts ein krafft.
Tu cor et guUur recrcas,
5 Wannst wacker gehst hinein^
Et vocem aptas musico,
Singt frisch mit freyem muth.
Amicos facis plurimos
Beym schlaiFtninck in gemein^
10 PulĂĽ'mar praehes Icctulo,
Wann gläser nicht sein klein.
Bihamus cum laetitia!
Nun, weinlein, geh herein!
Sic peUitur tristitia,
15 Denn trauren ist nit fein.
Musikalischer zeitvertreiber 1609 nr. 38. — Nur mit der ersten zeile
stimmt ein bekannter älterer weingrufs überein (Wattenbach, Anz. f. k. d.
d. Vorzeit 1868, 185. Ztschr. f. d. altert. 15, 505. Novati, Studi critici
1889 s. 294).
9. Lob des Avassers.
Aqua bona, sive cocta sive cruda,
Erhelt den menschen beim verstand*
Adimples et corpusculum,
Die wasserschnallen sindt gemein,
110 Johannes Bolte,
5 Et cornix ex hoc potitat
Vnd lebt gleichwol vil hundert jar.
Ex vino forti ffimhtm,
Vnd hast kein artzney zu der hand,
Potato saJtem sedulo,
10 Trincks nur gar auĂź mit freyem muth!
Die kunst ist fix und ist gerecht
So wol beym herren als beym knecht.
MusikaliRcher zeitvertreiber 1609 nr. 39. — V. 4 wasserschnallen ==
Wassersuppe (Schmeller).
lO. Der llndwupm zu Steier.
1. Proh stiperos^ proh inferos!
Was hab ich neus gehört
Von einem wurm, war nicht lang
Zu Steyer an ein gewisen ort.
Ach gott, hĂĽlfF ihnen auĂź der noth!
Sie kĂĽmmern sich sonst gar zu todt
Traurig.
2. Ein seltzam gschrey alda erschalt
In einem brunnen tieff.
Civcs^ rogate coelites,
Thut nicht mehr, ob ihr schliefft,
Schreit Jesuita alsobald,
Merckt allzumahl, ihr jung und alt,
Fleissig!
3. Nee parva sunt pericula,
Glaubt mir in dieser stund.
Der brun ist tieff und alt darzu.
Wann ihr wolt haben euer gsund,
Spert ihn gar bald zu seinen rächen
Feyret weder bey tag noch nacht
Hurtig !
4. Der wurm muß getödtet sein
Gedenckt nur auff ein weiĂź,
Omnes adeste pariter^
Wendet an all euren fleiĂź!
Zuvor rufft an den höchsten gott.
Das er nur helff auĂź dieser not
Gtittig !
In dulci iubilo. m
5. Vnd da es fĂĽr die herren kam,
Giengens gar bald zu rat,
Ne vermis omnes perderety
Wie ihm zu helffen war.
Ein ieder öffnet sein gemüth.
Das hertz war ihnen allen betrtlbt
Hefftig.
6. Der wurm noch mehr wUthen thet.
Proh vos Styriacos,
Geht, fragt den Jesuiter umb rath
Ob er nicht sieht im glaĂź,
Wie doch die sach zu greiffen an,
Das sein gifft schadet keinem mann
Traurig !
7. Herr Jacob sich nicht lang besuhn,
Sagt ihnen alsobald,
Venturum se quam breviter
In selbst eigner gestalt,
Zusehen, wie wurm sey.
Auf das nicht etwan gscheh ein leidt
Kläglich.
8. Vnd als er kaum verrichtet het
Kramen animi,
Sein perspectiv er zu sich nahm,
Zum brunnen hinaus geht,
Ach gott, steh ihm hej in der noth.
Damit ihm dieser wurm nicht tödt
Schädlich !
9. Vnd da er nun zum brunnen kam,
War alles wohl bereit,
Föns tedus quoque undique
Mit lauter alt teppich.
Das perspectiv stegt er hinein,
Tranck lieber auß ein gläßlein wein
Lustig.
10. Der brun ihm aber wahr zu tieff.
Drum kunt er sehen nichts.
Ah lupiter, quid latet hie?
Mit lauter stimme er rufft,
Wer ist nun da, der sich nab wag?
Ein gut trinckgeld er darvon trag
Hierbey.
112 Johannes Bolte,
11. Ein gfangener umb das leben lag,
Der kam ihnen auch in sinn,
In foniem si descenderet.
Das leben sehen cktens ihm.
Der läpp war aber Schreckens voll,
Drum er hinab nicht steigen wolt,
Forcht sich.
12. Weiter fragt man an alle ort,
Ob doch vorhanden wer,
Vitae qui esset prodigus,
Der solt kommen hieher.
Umbsonst ers nicht verrichten solt,
Viel Thaller man ihm gebn wolt
Gar gern.
13. Secht, einer, so gestiegen ist
Der brunnen noch viel mehr,
Cui Bachus dedit animum,
Der kam lustig daher:
*Den brun,' er sagt, 4ch steigen will;
BetrĂĽbt euch doch nicht gar zuviel !
Wolauf!'
14. Ein schwerd und kĂĽhriĂź bringenĂź ihm,
Damit er sich erwehr;
Ad hidam sed hie impiger
Warff alles diĂź daher.
Da fragt der Jesuiter nach,
Ob er nicht hab sein beicht gemacht
Fleissig.
15. Ein kertzenliecht sie an ein strick
Im brunnen hinab lahn,
Ät vermis hie famelieus
Kunt nicht davon abiahn,
Erdapt und fraĂź es also gschwindt,
Als ob ihms hat auĂźgelescht der wind
Hurtig.
16. Ach gott, wer nur mein leichter da,
Das mensch gar bitter schreit.
Irarum estu fluctuans,
Fängt an ein grossen streit:
Den leichter man ihr zahlen solt,
Zween groschen sie ietzt haben wolt
Geschwind.
In dulci iubilo. 113
17. AuĂź Steyer ein burger, so nicht schlecht.
Kam auch ins narren schifiP
Draconem völem cemere
Mit seinem perspectiv.
Der sagt, wie das er durch sein glaĂź
Gesehen het 6 äugen groß
Feurig.
18. Der schrecken noch viel gröser war,
WĂĽsten nicht, wie er gespitzt,
Styriacis iam singulis
Verdämten all ihre witz.
Wo dennoch weren die herren gscheid,
Wer nit so groß das gmeine läidt:
Au weh.
19. Gleichwohl es endlich bschlossen war,
Das dieser tapffer heldt
Dictum proharet opere^
Wie ers zuvor gewölt.
Gott geb ihm nur das glĂĽck darzu,
Das sie kommen in ihre ruh.
Wie vor.
20. En heros hie magnamimus
Wagt sich frisch an dem strick.
Kehrt ietzt nur allen fleiĂź daran,
Das er nicht dran erstick!
Sonst wer er gantz und gar verhaust.
Wo mtisten nacher die Steyrer auĂź
Traurig!
21. Vnd da er halb in brunnen kam
Miles hie impigerj
. Schreit ihm der Jesuiter nach:
Kindt gottes, wan dus siehst.
Nur tapffer dran, du feuermann!
Bey gott tregstu den lohn darvon
Beherzt.
22. Nachdem er gar hinunter kam
Aptus ad prelium,
Kein wurm er nicht sehen kan.
Nichts gifftiges war alda
Der wegen er sich wohl besun.
Schaut in den brunnen umb und umb
Fleissig.
Festschrift. 8
114 Johannes Bolte,
23. Endlich sah er in einem loch
Ein grosse alte katz,
Qitae cum fame perierat,
Gab ihm gar keinen kratz,
Die nahm er bei der kappen her,
Anders sach er in brunn nichts mehr,
Ward froh.
24. Er rufft, man solt ihm ziehen auf,
Er hab ihn schon erdapt
Ve}inemque vellet promere,
Secht zu, was für ein läpp!
Jetzt kommt er mit der katz daher,
AlĂź ob er het erlegt ein beer
Tapffer.
25i Da dieĂź der pater Jacob sah
Sampt andern herrn mehr,
Humi flectentes genua
Allsamt fein nach und nach
Gehens heim schamroth in ihr hauĂź.
Lacht ein fantast den andern auĂź.
Lachts mit!
26. Wer ist, der uns diĂź Liedt gemacht.
Von neuen gsungen hat?
Den wurm hat er gar wohl betracht,
Ist noch nicht gar zu math,
Fervet in suo cerebro,
Ist nicht zu Steyer, doch änderst wo.
Gute nacht.
Aus einer Weimarer meistersängerhandschriffc (Ms. quart 581, hinter
der komodie vom krokodil im predigerkloster; vgl. Alemannia 22, 161):
^Quodlibetieum vermieulatum in gratiam Styrenaium compositum^}). Vorauf geht
noch ein prosaischer bericht, datiert aus Steyer, 16. juny 1641 :
In festo corporis Christi, oder wie etliche sagen, in octaua infra
oetaua hat einer aufs der zunfft seinen krantz in einen brunnen gehenckt,
das er ihme soll Msch bleiben; so ist nun aber vorigs tags ein katz im
ienigen brunnen gefallen oder geworflfen worden, welche vor hunger den
krantz aller weggebissen, und als iener seinen krantz herauf wolte ziehen,
hat sich die katz an zernagten krantz angehalten, aber bald widerumb
zurĂĽck gefallen, alfs das iener germerckt, das ein lebendiges thier im brunnen
war, alfsbald zu dem rath geloffen und es angedeut, welche alsbald darĂĽber
geschlossen, wie diesem zuhelfen. In dem so haben sie den brunnen gantz
ĂĽberdeckt, allein ein einziges kleines ort offen gelassen, mit dem perfpectiu
1) Über ähnliche spottlieder auf mifslungene Jagden vgl. Alemannia 22, 161 f.;
auch Ztschr. f. litteraturgesch. 7, 466 u. Monatsbl. f. pommersche gesch. 1894, 136. 151.
In dulci iubilo. 115
liinnunter geschaut, in dem nun die katz fiich mächtig grofs reprefentirt,
haben sie es fĂĽr ein lindtwurm angeschaut, und alfsbald das geschrey in
der gantzen statt worden, das ein giffiiges thier alda wohnete, wie diesen
zuhelfen, widerumb in rath gangen, unter welchen einer gesagt, man soll
den brunnen mit steinen anfĂĽllen, aber alfsbaldt andre contrari gewesen, das
nemlich dieses thier die statt möchte untergraben, wie dan einen gedunckt
hat, sein haufs sincke schon, indem das es zu nachts in der wand ein
klufft bekommen. Letzlich hielten sie ein procession zu demselbigen brunnen.
Ein Jesuiter von Steyer aufs dem colegio gienge mit und liefs ein inschlit
liecht hinunter, welches die katz von hunger geschwind verzehrt. Nach
dem so hat der Jesuiter das thier bey allen heyligen beschworen und ein
geweichte wachskärtzen hinunter gelassen. Die katz, die weilns von natur
kein wachs nit essen, solchs bleiben liefs, als dann die leuth gesagt, das
das vergifite thier die beschwerung gefĂĽrchtet. So haben auch alle
schwangere frauen und junge kinder 5 meilen hinwegfliehen mĂĽssen wegen
defs giffts. So hatten sie auch eine malefiz persohn, welchen sie das leben
schencken wollen, wofern er sich hinunter wage und schaue, wafs das fĂĽr
ein thier were, welcher geantwort, er wolle lieber durch das schwerdt
sterben als von einem so vergifften thier zerrissen werden. Bestellten defs-
wegen ein brunnen meister, welcher sich verwarth imd gantz verharnischt
und mit waffen hinnunter stieg. Als er sah, das es nur ein katz war, welche
sie fĂĽr ein lindtwurm angesehen, fexiret und narret sie noch mehr und hub
ein geschrey an, das bei 500 menschen zusammen kommen, das ein gefehr-
liches thier wer, schrie defswegen aufs dem brunnen, das er das thier um-
gebracht hette. Und alsobald namen sie ein dickes seil, daran 30 starcke
männer gezogen, daran es die katz, sambt einen grossen stein gebunden.
Alfs aber die katz halben theil heroben, fiel der stein zurĂĽck hinab. Da
schrie er, man solte geschwind ziehen, es wer schon halben theil zurĂĽck
gefallen. Alfs es aber recht an tag kommen, zogen sie ein katz herauf.
Mit solchem werck haben sie 12 tag zugebracht.
11. Passauer studentenleben.
1. Bey einem wirth ohngefähr
Potam cerevisiam
Mit andern gesellen mehr.
Hie vidimus astutiam,
Hie vidimm faUaeiam^
Rath lieber: wer ist der?
2. Der wirth hat wein vnd hier,
Est studiosis commodum,
Gehen alle tag dafĂĽr,
Sie petunt eerevisiam ;
Tune aquam miscent plurimam,
Drey maĂź schenckt er fĂĽr vier.
3. Begehren sie einen wein,
Aneillam voeat dominus: >
'Gehe, Apel, vnnd schenck ein!
3, 8 Apel, ApoUonia.
8
116 Johannes Bolte,
Sunt ebrij^ quid volumus?
Vinum miscere possumus,
Apel, gouĂź Wasser drein!"*
4. Einmal hett der wirth gast,
Hospes quaerebat charttdas,
Zum spilen er sich rist,
Fraudem convivae nesciunt,
Sed Studiosi praesciunt,
Sie können seine list.
5. Einmal, da war es spath,
Nee Studiosi aheunt,
Vnnd neun geschlagen hat,
Videte eloquentiam,
Videte linguae copiam^
Der wirth ein predig thet:
6. 'Ihr lieben herm mein,
lam surgite, jam surgite!
Es hat geschlagen neun,
Ahite quaeso prospere
Hoc constituto tempore^
Kherts morgen bey mir ein!'
7. '^Kans dann nicht änderst sein,
Yalete parum, studia,
Gib gern den willen darein.
Non possum intermittere,
Amori meo dicere,
Der allerliebsten mein.
8. "Wer ich einmal hinauĂź
Ex isto carhonariOj
AuĂź dem khoUbrenner-hauĂź,
Pulcherrimis est pulchrior,
Formosis est formosior —
AuĂź dem khollbrenner-hauĂź."
9. 'Ihr lieben herrn, zahlts auĂź,
Trcmsite rwrsus, hospites,
Zum hauĂź, zum hauĂź hinauĂź!
Non paterer hie comiteSy
Non paterer hie principes :
Ich bin der herr im hauĂź.'
In dulci iubilo. 117
10. Wer diĂź lied hat erdacht,
Ämavit ÄpoUoniam
Vniid hat jhr offt eins bracht.
Välete nuna, charissimij
ValelCy dilectissimi,
Ade zu giietter nacht! »
11. Wer jhm geholflPen hat,
Vocatus est Sangelius
Vnnd hat es wol erdacht,
Passamj se häbuit^
Ad studia incĂĽbuit
Bey tag vnnd auch bey nacht.
ENDE.
Ein schönes Ne- | wes Lied h quodam Studioso, | der eine Jangkfraw
nomine ApoU \ loniam lieb gehabt, bei Bier vnnd | Wein zusammen eomponirtj
4 0- I mnibus Studiosi» zum Valete in | Druck verfertigt. | □ | Gredruckt im
1642. Jahr, | 4 bl. 8<> o. o. — Berlin Ye 1591.
12. Ein runda.
1. Potans: Loeti sodäles, trinckt wacker fort!
Proficiens: Seyd personales an diesem orth!
Ambo: Dis gläßlein rundo,
Last nichts in fundo!
Eundisch runda, juch holla falla.
2. Potans: Das bring ich dir, mein lieber compan.
Proficiens: Hab danck, hab danck, mein Florian!
Chorus: Setz an vnd trincke.
Dem gläßlein wincke,
Setz an vnd sauffe
Oder entlauffe!
Kundisch etc.
S. Potans: Es ist recht aus, impicite!
Proficiens: Ist etwas drin, animadvertite !
Ambo: Recht judiciret
Vnd fuchsschwäntzieret !
Rundisch etc.
Jlg Johannes Bolte,
4. Chorus: Es ist rein aus, laetamini^
So lebt in schmaus, gratuLamini!
SiQ nos oportet,
So lang das hier werht.
Bundisch etc.
Aus dem liederbuche^ des Leipziger Studenten Christian Clodius v. j^
1669 (Berliner Mgo. 231) s. 86. Eine dreistimmige melodie ist beigegeben.
Vgl. Niessen, Vjsschr. f. musikwiss. 7, 587. — Eine ältere auizeichnnng, die
Frischbier in der Zs. f. d. phil. 9, 214 mitteilt, beginnt: ^Zaeti bursalesy
trincket frisch fort*.
13. Fastnaclit im kloster.
1. Gcmdeamus sodi, letamini sodäles!
Nunc est tempm otii et dies hachanales.
Noster äbhas imt ex: vivat prior, vivat grex,
Totalis, totalis claustralisl
2. Frater coquvnarius mox ivit ad prioris,
Bogans cibus varivs a domino curatoris.
Qui dedit licentiam, vt faceret operam
Coquendiy lardendi, hradendi,
3. Qua/ndo iam reverterat totaliter l§tatus^
Pot en panne ceperat et non longe moratus
Fecit omne, quod poterat, vlayden, toerten en gebraden
Porcorumj ovorum, hovorum.
4. Monachi interea cena^cyHam parahant,
Vinum et servitiam in mensibus ponäbant,
Sdvos, vitroSj pocula tot, quot necessaria
Convims, convivis, convivis.
5. Epulare cepera/nt de hespero in forma,
Limonardum hiherant, clamäba/nt absque norma,
Dulcia dbaria, vinum in pluralia
Fotäbant, cantabant, saltäbant.
6. Iam erat convivium propemodum finitum,
Et mox interUidium a multis est initum,
Exuerunt tunicam et iverunt simul dam
Ornatum, ornatum, omatum.
7. Vnus muysevallum had, et alius het eene cat;
Daer de katte innesat et caudam m^nu tenebat^
Draeden semper rontendon, want hy oock een lieken songh
Äd liram, ad liram, ad liram.
In dulci iubilo. 119
8. Noch quamp daer een ander geck monstri instar getreden,
Maculatus van den dreck van boven tot beneden,
Quoniam cedderat retro intus met het gat
In mostaert, in mostaert, in mostaert.
9. Ältus vnf4S artifeXj vt se dicebat esse,
Becepit quinque vel sex met eene kopere flesse,
Quoniam hie dicehaty quod aquam vomere potrat
Vatiorum multorum colorum,
10. Hie aseendit eathedram cum poculo aquarum
Et elamavit ad seetam: Heus heus, aliquid rarum!
Statim omnes congregant, sed aquam aecvpiebant
Beeepti^ deeepti, decepti.
11. Time clamor exortus est et risus sine fine,
Want sy waeren nat als mest, dus achter opgesiene^
Et clam^ant overluydt: ""0 fraudator^ o gy guyt,
nequam, o nequam^ o nequam!""
12. TJnus senex viderat hee omnia a longo^
Fre ridendo eieverat zulx stercus e profundOy
Nam f^tehat instar sus et ahibat nolens plus
Videre, ridere, ridere,
18. Vespertinum aderat et tempus completorum,
Nullus ire volebat ad templum et ad chorum;
Nam deum laudaverant et horas impleuerant
Saltcmdo, eantandoj clamando.
14. Ähbas domum ventum est et venit ad eulinam
Et intravit caveam vinique officinam,
VM seri/us [?] iacehat ronchendo infra het vat,
Gheel droncken, beschoncken en droncken.
15. Statim refectorium ingredidit iratus
Videns vndique circum multos inebriatos,
Vnusquisque fugiehat, iedereen sach naer een gat
Aent loopen, aent loopen, aent loopen.
16. Peyst eens, hoe den rest er lagh van potten ende glasen,
En hoe abbas stont en sach^ hoe hy moest staen en rasen.
Niemant bleef dar langer op, iedereen speelde rosop
Ad ceUam, ad eeUam^ ad eellam.
Aus einer um 1700 entstandenen hsl. niederländischen liedersammlung
der Brüsseler bibliothek (mscr. H 127. 84 bl. 16% bl. 4 a. — Zu str. 9—10
vgl. G. Hirth, Kulturgeschichtliches bilderbuch 5, nr. 2644.
120 Johannes Bolte,
14. Beim rebensaft.
1. Canta/mtis nunquam vacui,
Ihr lieben herrn und brĂĽder;
Qttapropter wunc assidui
Ertönen lasst die lieder!
Nam lagena etiam plena
Vini est apposita:
Est in fundis sitis, undis
Aquae non composita.
2. Ma, sociorum optime,
Du sĂĽsser lust geselle,
Vinum, dodorum maxime,
Erweis dein kraft zur stelle !
Q^am nitesciSj quam splendesds
Vitreo in corpore!
Quam refhUges, quam permulces
Mentes iam in pectorel
3. Betinniant nunc pocula^
Zu grĂĽssen uns beim weine;
Sonemus cantu iubila
In unsrer froh'n gemeine,
Quod in vita^ quae est ita,
Ädhuc sumus stabiles;
Quodque vitis quodque sitis
Semper pigent pariles.
4. Abis? Bedibis sciUcet,
Viel lieber herr und bruder,
Potemus ut videlicet
, Seiband des weins ein fuder ;
Cumque adibis dumque bibis,
Gratus semper aderis;
Dumque vitis dumque sitis
Vigenty et amaberis.
Gedichtet 1870 von Franz Hermann Genthe (geb. 1838 zu Eisleben,
gest. 1886 zu Hamburg) fĂĽr das lehrerkollegium des Berliner gymnasiums
zum grauen kloster, komponiert von Heinrich Bellermann : Zwei lieder beim
weine zu singen, op. 37.
In dulci iubilo. 121
Verzeichnis
lateinlseli-cLeutscher und latelnlscli-nieder-
ländlsclieF misclilieder.
Die oben mitgeteilten texte sind durch ein vorgesetztes Sternchen bezeichnet.
AdCf du schnöde tveU (18. jahrh.). — Ditfiirth, Deutsche volks- und
gesellschaftslieder 1872 nr. 200.
Aide, aide, vos sponse rein (Heinr. v. Laufenberg 1436). — Phil. Wacker-
nagel, Das deutsche kirchenlied 2, nr. 783.
*Äls dese vrouwen gaen ter kercken (um 1500). — Oben nr. 4.
Als ich den ersten hecher trank (W. Wackemagel 1845). — Hofi&nann
von Fallersleben, In dulci jubilo 1854 nr. 56.
Als man schreip der gnaden jar (1397). — Hoffinann 1854 nr. 18. Tentzel,
Curieuse bibliothec 1704, s. 344.
Also spricht die weit: hie et haec ein ofengahel (1669). — Berliner
Mgo. 231, s. 88 mit melodie; vgl. Niessen, Vjschr. f. musikwiss.
7, 648.
Amabilis puella (15. jahrh.). — Hoffinann 1854 nr. 30.
Anibo appropinquamus iam (1675). — Der viesierliche exorcist 1675,
s. 30; vgl. R. Köhler, Anzeiger f. d. alt. 6, 272.
Amen stramen, der blind schlttg den lahmen (um 1600). — Weimar, jahrb.
3, 131 nr. 48. Zs. f. d. phil. 15, 53.
*Anno ß hoc memoriale (16. jahrh.). — Oben nr. 6.
*Äqua bona, sive cocta sive cruda (1609). — Oben nr. 9.
AseRtUus de mola (1400). — Hoffmann 1854 nr. 34.
Audi , quid oräanx factum est (17. jahrh.). — Bolte, Tijdschr. voor nl.
taal- en letter kĂĽnde 14, 230.
Audientes audiant (Carmina Burana). — Hoffmann 1854 nr. 6.
Audite mi/rabilia, die ick u seggen sal (17. jahrh.). — Brüsseler hs.
15665, 8. 72.
Ave, ich grüez dich, swester Anne (14. jahrh.). — Zingerle, Germania
14, 407.
122 Johannes Bolte,
Ave Maria, glossiert. — Hoffinann 1854 nr.^ — 12 u. s. 7. Wackemagel,
Kirchenlied 2, nr. 770. 771. 774—776. 1026. Bäumker, Vjschr. f.
musikwiss. 4, 299 nr. 61. Erlösung ed. Bartsch s. 196. 225. Blom-
maert, Oudvlaemsche gedichten 2, 57. Brandes, Nd. jahrb. 13, 118.
Bruder Hansens Marienlieder hsg. v. MinzloflF s. 1. Schröder, Zs. f.
d. alt. 25, 127.
Ave Maria, maghet pia (15. jahrh.). — Hoffinann 1854 nr. 27. Bäumker,
Vierteljschr. f. musikwiss. 4, 306 nr. 70.
Ave maris Stella (H. v. Laufenberg). — Hoffinann 1854 nr. 21. Wacker-
nagel, KL. 2, nr. 778. — Eine ältere nachbildung derselben hymne
bei Müllenhoff-Scherer, Denkmäler nr. 41: ^Ave, du vü sckoeniu maris
Stella^ (12. jahrh.). Genter hs. von 1517 (Griselidis en liederen)
bl. 34 b.
Ave virgo et mater (15. jahrh.). — Wackemagel, KL. 2, nr. 1443.
*JBey einem wirth öhngefähr (1642). — Oben nr. 11.
Bonjour, honjour, monsieur (1668). — Hoffinann, Weimar, jahrb. 6, 54
und Gesellschaftslieder 1, 348 nr. 246 (1860). Grässe, Bierstudien
1874 s. 161.
*Cantafnus numquam vacui (F. H. Genthe 1870). — Oben nr. 14.
Ceciderunt in profundum (W. Wackemagel). — Hoffinann 1854 nr. 54.
Wackemagel, Gedichte 1873 s. 130.
Celum, terra, maria und alle creatur (um 1500). — Hoffinann 1854 nr. 35.
Geffken, Bilder katechismus 1855 s. 3.
Circumdederunt me mönnicke vnd papen (um 1535). — Hoffinann, Weimar.
jahrb. 6, 43. Vgl. oben s. 99.
Credo in deum, is myn gheloeue. — Genter hs. von 1517, bl. 45a.
Da« war ein wunder inter nos mortales (16. jahrh.) — Wiener hs. 11 551,
bl. 183 a.
Dem frauenvolJc zum edlen lob (1737). — Hoffinann v. F., Weimar,
jahrb. 4, 160 u. Wagners Archiv f. d. gesch. dtsch. spräche 1, 480.
Lindner, Gesch. d. dtschn. liedes im 18. jahrh. 1871, beilage s. 98.
Der weintrunh erhält (Hagedorn 1729). — Hoffinann 1854 nr. 50.
Melodie von A. Methfessel 1818.
Detis in adiutorium meum intende (15. jahrh.). — Hoffinann 1854 nr. 29.
Keller, Erzählungen aus altdeutschen handschriften 1855 s. 390.
Disce, hone clerice, virgines amare (um 1500). t— Hoffinann 1854 nr. 40.
Nugae venales 1689 s. 281; besser bei Zarncke, Die deutschen Uni-
versitäten 1, 85 (1857). Vgl. die Lübecker hs. 152, bl. 242b: <Stud€,
hone clerice, virgines amare^,
Ditat herus, qui sol verus in wu/nder mannichvolden (15. jahrh.). — Gr.
Schmidt, Niederdeutsches jahrb. 2, 28 (1876).
Do fraig amors (Oswald v. Wolkenstein). — 0. v. Wolkenstein, Gedichte
ed. B. Weber 1847 s. 162 (in sieben sprachen).
In dulci iubilo. 12S
Do huop er uf unde tranc (Hoffinann v. F. 1873). — Hoffinann v. F.,
Gesammelte werke 6, 287 (1892).
Dominum pastorem (1603). — Hoffinann 1854 nr. 46 und Gesellschafts-
lieder 2, 93 nr. 305. Weinkauff, Almania 2, 140 (1885).
£!in ju/ngfrau zart gehronet wart (Muskatblut). — Hoffinann 1854 nr. 19»
Wackemagel, KL. 2, nr. 653.
Ein Jcind geborn zu Bethlehem (1609). — Bäumker, Kirchenlied 1, 325.
JEin leint ze tröste ist uns gesant (14. jahrh.). — Hoffinann 1854 nr. 13»
Wackemagel, KL. 2, nr. 449.
Ein mägdlein ging im grä/nen waM (WolflF). — Jul. Wolff, Singuf
1881 s. 174.
*Ein muUer hat ein filium (um 1600). — Oben nr. 7.
Ein verbum honum et suave (15. jahrh.). — Hoffinann 1854 nr. 23»
Wackemagel KL. 2, nr. 782.
Erant et duae bellulae (17. jahrh.). — Morhof, Unterricht v. d. teutschen
spräche 1682 s. 361.
Es ging ein münch den herg hinan (um 1600). — Hoffinann, Weimar.
Jahrb. 3, 128 nr. 10; Eitner, Das deutsche lied 2, 272; Zs. f. d, phil.
15, 51. — Anders im Berliner Mgo. 231, s. 68: '-Es ging ein mönch
ins oberland\ Berliner Mgq. 722, s. 153: ^Es kam ein mĂĽ/nch aus^
Ungerland^.
Es ist wol "kein bessers leben (18. jahrh.). - Ditfurth 1872 nr. 180.
Et pertransivit clericus (Hoffinann von Fallersleben 1872). — Eine zeit-
gemäfse umdichtung von ^Pertransivit clericus^; Hoffinann v. F., Ge-
sammelte werke 5, 192 (1891).
Ex sinu m^atris parvtdus (1533). — Bäumker, Vjschr. f. musikwiss. 4,.
319 nr. 86.
FitU voluntas tua, — Vgl. oben s. 103, v. 28 nebst der anm.
Eloret Silva undique (Carmina Burana). — Hoffinann 1854 nr. 5.
Fratres eocuUate (1737). — Hoffinann 1854 nr. 48 a und Wagners Archiv
f. d. gesch. dtsch. spräche 1, 479. Lindner, Gesch. des d. liedes,.
beil. s. 93.
OaudeamuSf laet ons blye (C. Plempius). — Morhof, Unterricht von
der teutschen spräche 1682 s. 583.
*Ga/udeximus socii, letamini sodales (17. jahrh.). — Oben nr. 13.
Gens sine capite (13. jahrh.). — Hoffinann 1854 nr. 7.
Glickh zue^ glickh zuy enterbtes kind (1681). — Bolte, Jahrb. f. gesch.
Elsass-Lothr. 6, 76 (1891).
Gloria patri, lob tmd er (H. Sachs 1514). — H. Sachs, Dichtungen 1, 5^
ed. Goedeke.
God gruess uch, rose van Jhericho (15. jahrh.). — Vgl. Ztschr. f. deutsche
Phil. 21, 139.
124 Johannes Bolte,
*God wilt cU seynen (16. jahrh.). — Oben nr. 3a.
Gracias agimus tibi (15. jahrh.). — Bolte, Ztschr. f. d. phil. 21, 153.
Her Pder Wyse (1333). — Hoffinann 1854 nr. 16.
Hm Martis cdea (1639). — Ditfurth 1872 nr. 75 und Volkslieder des
dreifsigjähr. krieges 1882 nr. 120. Erk-Böhme, Deutscher liederhort
2, 123 nr. 314. Flieg, blatt in Maltzahns BĂĽcherschatz 1875 s. 317,
nr. 789. Leyer-Matzs correspondenzgeist 1668 s. 70 , nr. 109. Ale-
mannia 11, 207.
Hie, haec, hoc (C. Lemke). — Lemke, Lieder u. gedieh te 1861 s. 34.
Hie iacet herr Johann de präst (15. jahrh.). — Pyl, Gesch. des Cister-
cienserklosters Eldena 1881 s. 163.
Hie lit ein vürste lohelich (1380). — Hoffinann 1854 nr. 17.
Hie mercket der spünczirerin gehett (15. jahrh.). — Keller, Altdeutsche
gedichte 2, 7 (1855).
Hier zitten wy in ghria (um 1700). — Hoffinann 1854 nr. 51. Kalff,
Het lied 1884 s. 476. 't Groot Hoorns, Enkhuyzer, Alkmaarder liede-
boek 2, 196. Thirsis Minnewit 1, 30.
Hochuterkorn jwncfrauwe fyn, Maria fons sinceris (15. jahrh.). — Schmidt,
Nd. Jahrb. 2, 28.
Hodie sie triumphirn (16. jahrh.). — Hesse, Ztschr. f. dtsch. alt. 8, 337.
Ein flieg, blatt in Berlin Ye 3081.
Hört's einer jetzt zum ersten mal (W. Wackernagel). — Hoffinann 1854
nr. 55. Wackemagel, Gedichte 1873 s. 129.
Hört zu, hört mirabilia (1621). — Weller, Annalen 1, 122. 2, 521.
Hymnum sonori cantici (1669). — Den roomschen Uylenspiegel 1671 s. 427.
Ich was ein kint so wol getan (Carmina Burana). — Hoffinann 1854 nr. 2.
Je n'ayme pas (Const. Huygens 1625). — Huygens, Gedichten ed. J. A.
Worp 2, 111 (1893): 011a podrida; französisch, niederländisch, ita-
lienisch, spanisch, lateinisch, deutsch, englisch, griechisch.
Jesu, dulds memoria (14. jahrh.). — Wackemagel, KL. 2, nr. 489.
In dulci juhilo (15. jahrh.). — Hoffinann 1854 nr. 14. 15. flölscher, Nd.
geistl. lieder 1854 s. VI. Wackemagel, KL. 2, nr. 640—647. 3, nr. 1074.
Jellinghaus, Nd. jahrb. 7, 1. Bäumker, KL. 1, 308 u. Vjs. f. musik-
wiss. 4, 301 nr. 63. Böhme, Altdeutsches liederbuch nr. 528. Erk-
Böhme, Liederhort 3, 636 nr. 1929. Liliencron, Deutsches leben im
volksliede 1885 nr. 21. Dreves, Kirchenmusikal. Jahrbuch 3, 38
(1888).. — Eine durchweg lateinische fassung bei Bolte, Zs. f. dtsch.
phil. 21, 141. — Weltliche parodien: a) um 1524: Wackernagel, KL.
3, nr. 467, 3. — b) 1563: ebd. 4, nr. 302. — c) 1621: Opel-Cohn, Der
dreifsigjähr. krieg 1862 s. 91 = Ditfurth, Volkslieder des dreifsig-
jähr. krieges nr. 19. — d) 1630 : Ditfurth ebd. nr. 54. — e) Auf dr.
M. Hoe: Berliner Mgf. 754, bl. 101a. — f) 1687: Musikalischer
leuthe «piegel nr. 6 = Alemannia 8, 74 {Ach höret neue tounder). —
g) Studentenlied des 18. jahrh. bei Hoffinann 1854 nr. 49.
In dulci iubilo. 125
In hoc festo hl^delijcke (um 1609). — Jansen, Tijdschrift voor Noord-
Nederlands muziekgeschiedenis 4, 140.
Jn iUo tempore sedehat dominus Martinus (1621). — Hoffmann 1854 nr. 48
und Gesellschaftslieder 1, 372 nr. 261. Mittler, Volkslieder nr. 1381.
*In Martini festo (1540). — Oben nr. 5.
Institor amabilem (15. jahrh.). — Wattenbach, Germania 17, 187. — Vgl.
das durchweg lateinische lied: ^JRusticus amabilem^ bei Erk-Böhme,
Liederhort 1, 505 nr. 158a.
lo triumphe, io^ io (17. jahrh.). — 't Groot Hooms etc. liedeboek 2, 43.
Anders: Den roomschen Uylenspiegel 1671 s. 642. — Noch anders:
Henr. Bruno, Mengel-moes 1666 s. 202 (Cantio nuptialis).
Jtmgfrau atiserkorn (1628). — Kehrein, Kirchenlieder 2, 112. Bäumker,
KL. 2, 128.
^k was gisfren hraef in floribus (H. Bruno). — Bruno, Mengel-moes
1666 s. 177.
Laeti hwrsales (vor 1650). — Frischbier, Zs. f. d. phil. 9, 214.
*Laeti sodales (1669). — Oben nr. 12.
LepuSy ein hase sedehat, er sass. — Leipziger kommersbuch ^^ s. 180
(1869).
Lieh macht ca£C08, pauperes, inermes (1588). — Hoflftnann, Gesellschafts-
lieder 1, 169 nr. 115.
Lugdtmi stttduit quidampsaltista(ll, jahrh.). — Nugae venales 1689 s. 272.
Lustig, liehen domini (1669). — Berliner Mgo. 231, s. 64. Niessen,
Vjschr. f. musikwiss. 7, 643.
Magnificatf glossiert (16. jahrh.). — Blommaert, Politieke balladen,
liederen en spotged. der 16. eeuw 1847 s. 113. Bartsch, Germania
20, 3.
Maria geboren hat Bmanuel (1608). — Bäumker, KL. 1, 301.
Mensch gottes söhn geboren ist (1623). — Bäumker, KL. 1, 318 nr. 54.
Mente tota nu gar schwn (15. jahrh.). — Wattenbach, Germania 17, 190.
*Monicelle incarcerate (1504). — Oben nr. 1.
Mulier mxüa herba (1599). — Hoffinann, Gesellschaftslieder 2, 125 nr. 322.
MuUis annis iam peractis (17. jahrh.). — Schola curiositatis 2, 361.
Narrat omnis homo (1733). — Lindner, Gesch. d. d. liedes, beil. s. 21.
Na/rrate sodales, wer zu unß Jcompt herein (11', — 18. jahrh.). — Alemannia
12, 66.
Narraverimt patres et nos narravimus (17. — 18. jahrh.). — Alemannia
12, 68.
Ne se dicat Studiosus (18. jahrh.). — Ditfurth 1872 nr. 191.
Nein und ja (15. jahrh.). — Greiff, Germania 17, 433.
Nitimur in vetitum (J. F. v. Kurz um 1760). — E. Schmidt, Zs. d. v. f.
Volkskunde 5, 359.
126 Johannes Bolte,
-No8 Studiosi, genaemt Studenten (1708). — Liederhdschr. nr. 16061 der
Antwerpener stadtbibliothek.
Nu histu Jcahmen, lux optatissima certe (1650). — Krause, Korrepondenzbl.
des nd. Vereins 11, 49 (1886).
^t* lotet ons singen, Jiet is tijt (um 1609). — Jansen, Tijdschr. voor Noord-
Nederlands muziekgesch. 4, 189.
Nu zu disen Zeiten (1540). — Hofimann 1854 nr. 43 u. Gresellschaftslieder
1, 368 nr. 257.
Ntm lasst uns singen, dann es ist zeit (1609). — Kehrein, Kathol. kirchen-
lieder 1, 73. 210. Bäumker, KL. 1, 145. A. Hartmann, Oberbayr.
archiv 34, 81 (1875).
Nunc almus assis fUius (10. jahrh.). — Hoffinann 1854 nr. 1. Müllenhoff-
Scherer, Denkmäler ' nr. 18. Seelmann, Jahrb. f. nd. sprachforsch.
12, 75.
O Jesu, vita anime (15. jahrh.). — Hoffmann 1854 nr. 25. Wackemagel,
KL. 2, nr. 812.
O quam pulchrum vinum in cölore (1632). — Hoffioiann, Gesellschafts-
lieder 1, 347 nr. 245.
O Thwregum Rome regum (Hemmerlin 1456). — Reber, Felix Hemmerlin
1846 s. 480.
virgo Katerina, o eddele zute bort (15. jahrh.). — Lübben, Nd. jahrb.
7, 84 V. 33.
virgo, vite via (15. jahrh.). — Kömer, Marianischer liederkranz 1841 s.264.
*0m daJt hier goede collatie was (16. jahrh.> — Oben nr. 3b.
Omnes nu laet ons gode loven (15. jahrh.). — Hoffmann 1854 nr. 26;
melodie bei Bäumker, Vjs. f. musikwiss. 4, 303 nr. 64.
Omnes, omnes erramus (Hofimann von Fallersleben 1835). — Hoffinann
1854 nr. 53 und Gesammelte werke 3, 219 (1891). Angeregt wurde
der dichter wohl durch die Ergötzliche burger-lust 1, nr. 65 (1659)
u. J. P. de Memel, Lustige gesellschaft 1660 nr. 334.
Omnis mundus ist verfieret (um 1524). — Wackernagel, KL. 2, nr. 467, 4.
Omnis mundus thut sere wueten (16. jahrh.). — Hesse, Zs. f. dtsch. alt.
8, 338. Ein druckblatt des 16. jahrh. in Berlin Ye 3081.
Pater noster^ vater mtn (14. jahrh.). — Zingerle, Germania 14, 405.
Pertransivit clericus (1506). — Hofimann 1854 nr. 38. Zamcke, Die d.
Universitäten 1, 88. Keil, Studentenlieder s. 69. Nugae venales 1689
s. 280. Berliner Mgo. 231, s. 86 (Clodius' liederbuch 1669-, vgl.
Niessen, Vjschr. f. musikwiss. 7, 585) und Mgo. 204, nr. B5 (Nlelzex
1808). — Eine schwedische parodie "^Pertransiit Matzfeldius^ (1645)
steht bei Hylt^n-Cavallius och Stephens, Sveriges hiBtorisksL och
politiska visor 1, 321 nr. 44 (1853). Vgl. noch oben: 'Et pertransivit
clericus^.
f
In dulci iubilo. 127
JPoca, poca [? pota] vmum (17. jahrh.). — Scheltema, Nederlandsche
liederen uit vroegeren tijd 1885 s. 214; vgl. Tijdschr. v. nl. taalk.
14, 227.
I^antifids eximii m sant Mertens ere (15. jahrh.) — iHoffinann 1854 nr. 36.
PrestU nohis emicuit (15. jahrh.). — Wattenbach, Germania 17, 186.
J. Werner, Anzeiger f. deutsches altertum 15, 142.
PrestUem scmctissimum veneremwr (1540). — Hofiinann 1854 nr. 42 und
Gesellschaftslieder 1, 370 nr. 259. Mittler nr. 1382. Böhme, Altd.
liederbuch nr. 353. Goedeke-Tittmann , Liederbuch a. d. 16. jahrh.
1867 s. 174.
Frima decUnaeio am morgen in tabema (1475). — Wattenbach, Anz. f.
k. d. dtschn. vorzeit 1879, 100. Ähnlich im Archiv f. litteraturgesch.
15, 209. 453. Vgl. unten : « Wd uf, ir gesellen\
Proficiat, proficiat, eß kam ein hirsch gesprungen (17. — 18. jahrh.). —
Alemannia 9, 173.
*Proh superoSj proh inferos (1641). — Oben nr. 10.
Ptter natvbs ist uns gar schon (Heinr. v. Laufenberg). — Hoffinann 1854
nr. 20. Wackemagel, KL. 2, nr, 777. Vgl. Erk-Böhme, Liederhort
3, 639 nr. 1930. Bäumker, KL. 1, 325 nr. 64—65.
Pulchrae virgunculae tanquam ruhecüUie (1669). — Berliner Mgo. 231, s. 4
mit melodie. Niessen, Vjs. f. musikwiss. 7, 634. 655.
Quaiis est vita auf der weit (1698). — Abr. a. S. Clara, Etwas für alle
1711 2, 169. Karajan, Abr. a S. Clara 1867 s. 120.
Qu^ndoqtie narriren kan niemand damniren (1733). — Lindner, Gesch.
d. dtschn. liedes, beil. s. 1.
Qui Jesum Christum novit tvol (N. Seinecker 1563). — Wackemagel,
KL. 4, nr. 312.
Quicungue velit amare (um 1500). — Hoffinann 1854 nr. 39. Zarncke,
Die deutschen Universitäten 1, 84 (1857).
Meffina celi, terre et maris (15. jahrh.). — Hoffinann 1854 nr. 24.
Wackemagel, KL. 2, nr. 780—781.
Bequiem wir singen gerne (1592). — Stöbers Alsatia n. f. 1860 s. 120.
■Bea? Fridericus primus (1631). — Weller, Lieder des dreifsigjähr. krieges
1855 s. 238.
StMive^ his gruest, sancta parens (H. v. Laufenberg). — Hoffinann 1854
nr. 22. Wackemagel, KL. 2, nr. 779.
Salve parvule Jesu, Undelein fein (1639). — Bäumker, KL. 3, 27.
Salve regina, Mnegin Maria (1447). — Hoffinann 1854 nr. 8 nach Haupt,
Altdeutsehe blätter 1, 78. — Andre glossenlieder bei Wackemagel,
KL. 2, nr. 772—773. 801—802. 1262. 1407. Keller , Altdeutsche ge-
dichte 1846 s. 245. Mone, Lat. hymnen 2, 203 nr. 487—495. Ale-
mannia 2, 223.
^2ve sancta dies (1478). — Bartsch, Jahrb. d. nd. Vereins 5, 50.
128 Johannes Bolte,
Salvete hospiteSy estote hilares (1733). — Lindner, Gesch. d. d. liedes,
beil. s. 40.
Scüote, Christiani (15. jahrh.). — J. Werner, Anzeiger f. d. altert. 15, 143.
Sequimini, o socii (1604). — Hoffmann 1854 nr. 47 u. Gesellschaftslieder
1, 283 nr. 206. Mittler nr. 1369. — Anders Gesellschaftslieder 1, 288
nr. 211 V. j. 1574.
Sic vivamus wir Studenten (18. jahrh.). — Keil, Studentenlieder des 17.
und 18. jahrh. s. 155. Berliner Mgo. 204 nr. 10.
So trinken mr laetifice (Hoffmann von Fallersleben 1829). — Hoflfoaann
1854 nr. 52 und Gesammelte werke 3, 215.
Stdbat mater glossiert (14. jahrh.). — Van den Berg in: Nieuwe werken
van de maatschappij der ndl. letterkunde te Leiden 5, 2, 89 (1841).
Standet auf, standet auf, ir hiider aUe (16. jahrh.). — Hofiinann 1854
nr. 41 und Gesellschaftslieder 1, 333 nr. 241.
Stetü puella rufa tunica (Carmina Burana). — Hofimann 1854 nr. 4.
Studiosus fu>eratj der ging offt aus hey nacht (1669). — Berliner Mgo.
231, s. 10.
Tapferer heldenmuth (18. jahrh.). — Ditfurth 1872 nr. 186.
Tempus adest, gruonot gras (11. jahrh.). — Jaff6, Ztschr. f. d. altert. 14,
494. Breul, ebd. 30, 190; vgl. MüUenUoff- Scherer, Denkmäler»
s. 327 = 8 2, 104. 106.
Vah hominis vita fumesta (18. jahrh.). — Ditfurth 1872 nr. 168.
Vd reden is nicht gudt (16. jahrh.). — Rimbökelin v. 3628 ed. Seelmann
1885.
^Vemte, ghy lieve ghesellen sonder zorghen (16. jahrh.). — Oben nr. 2b.
^Venitef [gy] leven gesellen, aen sorgen (16. jahrh.). — Oben nr. 2a.
Venite, ir lieben gesellen, one sorgen (um 1560). — Hoffmann, Weimar.
Jahrbuch 6, 51. Vgl. oben s. 98.
Venite, leven gesellen van dem römschen dön (um 1535). — Hoffmann,
Weimar. Jahrbuch 6, 43. Vgl. oben s. 99.
Venite, liehin gesellen, lat von sweren sorgen (15. jahrh.). — Schletter, Be-
richt der deutschen gesellsch. in Leipzig 1842, 62.
Venite, lieber bruder mein (15. jahrh.). — München, Cod. germ. 379,
bl. 152b und Cod. lat. 15602, bl. 119 (mönch und nonne).
Venite, myne gesellen, et audite (15. jahrh.). — Bartsch, Jahrb. des nd.
Vereins 11, 137.
Venite und hört, was ich euch ml sa^ew (16. jahrh.). — Wiener hs. 4117,
bl. 203 a.
Venite, tms gesellen besweret sorgen (15. jahrh.). — Hoffmann 1854 nr, 32.
Venite, yr lieben gesellen an allen sorg (16. jahrh.). — Wiener hs. 4117,
bl. 205 a.
*Vinum bonum et su^ave (1609). — Oben nr. 8.
Vinum bonum, vinum bonum (16. jahrh.). — Ditfurth 1872 nr. 179.
In dulci iubilo. 129
Vinum du edler safft, was hastu vor ein hrafft (17.-18. jahrh.). — Ale-
mannia 9, 164.
Vinum quae pars (1558). — Lindener, Katzipori s. 188 ed. Lichtenstein,
Fischart, Geschichtklitterung 1575 s. 135 ed. Aisleben. Fliegendes
blatt um 1600 (Berlin Yd 7852, 24) u. ö. Hoffinann 1854 nr. 44 u.
Gesellschaftslieder 1, 343 nr. 243. Mittler nr. 1347. — Eine auf
16 Strophen angeschwellte fassung bei M. Abele, Vivat Unordnung
3, 208 (1671), der auch eine melodie beigegeben ist, beginnt:
^Merckt ihr ollein, ihr brĂĽder mein\
Vinum, wein, wie ich mein (18. jahrh.). — Ditfurth 1872 nr. 198.
Virgo quaedam nohilis (Carmina Burana). — Hoffmann 1854 nr. 3.
Vocat haec vox omnem clerum (1535). — Facetiae vtcunque illiteratae
1535 (Weller, Annalen der poet. nationallitteratur 1, 309).
Vockcrod, tu scholae dux (J. Beer). — Joh. 13eer, ürsus vulpinatur
(Weisseiifels 1697) s. 95.
Wuff fang ich jäzt nu/r an (18. jahrh.). — Ditfurth 1872 nr. 189.
Was ist das leben doch (Erhardj. — J. ü. Erhard, Kosetum Parnassium
s. 56 (Stuttg. 1674).
Was ist melancholei (J. A. Poysel um 1690). — Ditfurth 1872 nr. 195;
ĂĽber den dichter vgl. Pfeiffer im Altenburger progr. 1889 (nr. 645).
Wie schön leuchtet der morgenstei-n (Phil. Nicolai 1599). — Wackemagel,
KL. 5 nr. 394.
Wirty wis mvmder (15. jahrh.). — Hoffmann 1854 nr. 31.
Wohlan, frisch auf, soUai (18. jahrh.). — Ditfurth 1872 nr. 138.
Wohlan, frisch auf, Student (18. jahrh.). — Ditfurth 1872 nr. 199.
Wohlan, sa sa, wohlan (1669). — Berliner Mgo. 231, s. 116.
Wolauf, ir brüder allzumal (1575). — Hoffinann 1854 nr. 45 und Gesell-
schaftslieder 1, 346 nr. 244. Mittler nr. 1346.
Wol uf, ir gesellen, in die tabem (15. jahrh.). — Hoffinann 1854 nr. 37
u. Weimar, jahrb. 6, 53 (Wolauf, ir gesellen in groĂźen ern). Watten-
bach, Germania 17, 188 (Woyl uf, stiel in dye tabeme. 20 str.) u. An-
zeiger f. kĂĽnde der dtschn. vorzeit 1880 , 173 (WoU au ff schuler yn
dy taffem), J. Werner, Anzeiger f. dtsch. altert. 15, 140. — Vgl.
oben: ^ Prima declvnacio\
Festschrift.
V.
Schillers schrift vom ästhetischen Umgang.
Von
Paul Kaiser.
Am 4. Oktober 1793 berichtet Schiller von Ludwigsburg
aus an Körner: „Ich habe jetzt wieder eine kleine schrift,
etwa wie anmut und wĂĽrde angefangen, die mir oft viele
freude macht. Sie handelt vom ästhetischen umgang." Er
will in ihr, schreibt er an Göschen am 24. Oktober, „die ge-
setze des guten tons aus prinzipien entwickeln", er denkt sie
sich als „pendant" zu dem aufsatz „Über anmut und würde"
(an Haug 30. 10. 93), er hat in ihr (an Garve 1. 10. 94)
den versuch gemacht, „den grundsatz der Schönheit auf die
gesellschaft anzuwenden, und den Umgang als ein objekt der
schönen kunst zu betrachten", und ist auf diesem wege dazu
geführt worden, „den sogenannten guten ton, wie ihn zeiten
und Verhältnisse eingeführt haben, nach objektiven prinzipien
des geschmacks zu beurteilen". Später erwähnt der dichter
die schrift nicht wieder: er hat offenbar, was er im manuskript
fertig hatte, fĂĽr andere philosophische arbeiten verwendet.
Wo haben wir die reste jener nicht herausgegebenen abhand-
lung zu suchen?
Unter den aufsätzen Schillers, auf die wir bei dem ver-
such, diese frage zu beantworten, hingelenkt werden, deuten
Schillers schrift vom ästhetischen umgang. 131
zwei schon durch ihre Ăśberschrift auf eine Verwandtschaft
mit der verlorenen schrift hin, die abhandlungen „Über die
gefahr ästhetischer sitten" und „Über den moralischen nutzen
ästhetischer sitten** (Goedeke X, ss. 407—414, 415—424). Beide
und dazu noch der aufsatz „Von den notwendigen grenzen
des schönen besonders im Vortrag philosophischer Wahrheiten"
(Goedeke s. 387 — 406) sind auch schon von der forschung als
reste jener schrift angesehen worden (z. b. von Daniel Jacoby,
Schnorrs archiv 1878 [VII] s. 120 ff., von Jonas, Schillers briefe
III, s. 546 zu nr. 686).
Der aufsatz „über den moralischen nutzen etc.", dessen
Inhalt vortrefflich zu dem von Schiller angegebenen programm
der schrift vom ästhetischen umgang pafst, fuhrt uns nun
sofort auf die spur der briefe des dichters an den herzog von
Augustenburg. Denn er ist fast identisch mit dem brief an
den herzog vom 3. dezember 1793. Aber in dieser uns nur
zum teil erhaltenen korrespondenz ist er nicht der einzige,
der von dem „guten ton" und dem geselligen umgang handelt:
ein brieffragment (Jonas III, s. 416 — 418) und der brief vom
21. november 1793 nebst einschlufs behandeln oder berĂĽhren
wenigstens denselben gegenständ. Nur auf diesen teil der
briefe kann sich der dichter beziehen, wenn er an Körner am
3. februar 1794 ĂĽber den inhalt der briefe an den herzog schreibt:
„Es lag mir daran, die schwankenden begriffe über das schöne
der form und die grenzen seines gebrauchs im denken und
handeln zu berichtigen." Diese werte machen es höchst
wahrscheinlich, dafs auch die abhandlung „Von den notwen-
digen grenzen des schönen" und der später von dem dichter mit
ihr vereinigte aufsatz „Über die gefahr ästhetischer sitten", der
nach des dichters zeugnis (an Körner 21. 12. 95) herbst 1793
entstanden ist, ursprĂĽnglich zu diesem teile der Augustenburger
briefe gehören. Vgl. auch Tomaschek s. 246.
Es ist also sicher, dafs der dichter einen teil der briefe,
und zwar vom november 1793 ab, der darstellung des schönen
Umgangs widmete. Nach dem 30. Oktober gedenkt er vor-
y^2 Paiil Kaiser.
läufig nicht mehr einer beschäftigung mit der begonnenen
selbständigen sehrift vom ästhetischen Umgang. Daher können
wir mit grofser Wahrscheinlichkeit schliefsen, dafs jene sehrift
vom november ab in die briefe an den herzog verschmolzen
wurde und dort ihre fortsetzung fand. Tomascheks zweifelnde
frage (s. 260), ob der aufsatz über den ästhetischen umgang
in die briefe oder erst in deren spätere Überarbeitung für die
hören verwoben worden sei, ist hiermit beantwortet.
Nie war Schiller, wie er an Körner am 4. Oktober 179S
schreibt, „reicher an entwürfen zu schriftstellerischen arbeiten "^
als damals. Aber alle diese entwĂĽrfe, scheint es, wurden
durch die briefe an den herzog verdrängt. Ein „Traktat über
das naive" wurde in aussieht genommen (an Körner 4. 10. 93)^
aber noch nicht ausgefĂĽhrt ^ die geplante Ăśberarbeitung von
„Anmut und würde" (an Göschen 24. 10. 93) unterblieb; die
angefangene sehrift vom ästhetischen umgang wurde für den
Augustenburger briefwechsel verwertet; der entwurf fĂĽr diese
korrespondenz schwoll dem dichter ins riesengrofse, wie der
brief an Körner vom 3. februar 1794 zeigt. In diesem briefe
erhalten wir das letzte zeugnis Schillers fĂĽr seine arbeit an
dem Augustenburger briefwechsel : „Hier bin ich gerade jetzt^
und es wird mir gar schwer, ĂĽber den begriff des genies mit
mir einig zu werden."
Kurze zeit darauf wird er ĂĽber den begriff des genies
mit sich einig: er lernt Goethe kennen. Der einflufs der be-
kanntschaft mit Goethe macht sich sofort in der schrift-
stellerischen thätigkeit Schillers geltend. Der plan der philo-
sophischen arbeit, mit der er gerade beschäftigt ist, erfährt
eine scharfe begrenzung: im Spätsommer 1794 revidiert der
dichter den Augustenburger briefwechsel und gestaltet ihn zu
dem ersten teil der „Briefe über die ästhetische erziehung"
um. Die ästhetischen briefe 1, 2, 5 entwickeln sich aus dem
brief an den herzog vom 18. jiĂĽi 1793, brief 8 aus dem brief
vom 11. november 1793; von den briefen 3, 4, 6, 7, 9 lassen
sich nur wenig oder gar keine spuren in dem uns erhaltenen
Schillers schrift vom ästhetischen Umgang. 133
briefwechsel nachweisen. Dafs dem dichter auch bei bearbei-
tung des zweiten und dritten teiles der ästhetischen briefe das
Augustenburger manuskript vorgelegen hat, beweisen anklänge
im 16. und im 23. bis 27. brief (Breul, Zs. f. d. a. 28,
s. 358 ff.)' I^^s Vorhandensein von spuren der ehemaligen
schrift vom ästhetischen umgang, die Jacoby a. a. o. im 26.
und 27. brief entdeckt, ist somit erklärlich; auch im 10. und
23. brief können einige stellen (Goedeke ss. 308, 18 ff. u. 356,
30 ff.) auf den teil des briefwechsels zurĂĽckgehen, fĂĽr den die
schrift vom ästhetischen umgang benutzt worden war, oder
den der dichter wenigstens in ihrem sinne geschrieben hatte,
Spuren des Augustenburger manuskripts und besonders
des teiles, in dem der schöne umgang behandelt worden war,
lassen sich aber auch in dem ersten abschnitt der abhandlung
„Über naive und sentimentalische dichtung" auffinden, die
gleichzeitig mit der redaktion der ästhetischen briefe in angriff
genommen wurde (an Körner 4. 9. 94). In dieser abhandlung
(s. 437, 9 ff.) spricht der dichter im hinblick auf Goethe von
dem genie, dessen wesen er, wie wir wissen, schon im februar
1794 in den briefen an den herzog zu ergrĂĽnden versucht
hatte; und wie er an dieser stelle auf die betrachtung des
gesellschaftlichen Umgangs gefĂĽhrt wird, so handelt er hier
auch sonst von dem verhalten im geselligen leben (ss. 431, 19 ff.,
441, 17 ff.). Diese beobachtung leitet uns auf die quelle, aus
der der dichter möglicherweise anregung zu der schrift vom
ästhetischen umgang geschöpft hatte : in Kants kritik der Urteils-
kraft, die er nach seinem eigenen zeugnis (s. 430 anmerkung)
in diesem teile der abhandlung im sinne hat, findet man § 41,
42, 53 und 54 mannigfache bemerkungen ĂĽber das gesell-
schaftliche leben.
In der zeit nach dem zusammentreffen mit Goethe ist der
dichter, wie ein jähr zuvor bei seinem aufenthalt in Schwaben,
reich an schriftstellerischen entwĂĽrfen ; aber diese fliefsen jetzt
nicht mehr zu einem fast ins unbegrenzte ausgedehnten plane
ineinander, sie sondern sich vielmehr voneinander ab und ge-
134 Paul Kaiser.
winnen scharf bestimmte umrisse. Die ästhetischen briefe
werden redigiert; der schon in Schwaben geplante „Traktat
über das naive" wird jetzt erst begonnen (an Körner 4. 9. 94) ;
gedanken ĂĽber den schriftsteiler und sein publikum bewegen
den dichter (an Körner 1. 9. 94, 12. 9. 94, 10. 11. 94, an
Garve 1. 10. 94, 25. 1. 95); wieder wird eine Umarbeitung
von „Anmut und würde" ins äuge gefafst (an Göschen 16. 6.
94). Der teil der Augustenburger korrespondenz , der vom
ästhetischen Umgang handelte, wird zur Verwendung für eine
besondere abhandlung beiseite gelegt ; an ihn denkt der dichter,
wenn er an Garve am 1. Oktober 1794 wieder von seiner be-
schäftigung mit einer schrift vom ästhetischen Umgang be-
richtet. Denn die stelle in der schrift, auf die er in diesem
briefe anspielt, findet sich in der von uns in den Augusten-
burger briefwechsel eingereihten schrift „Von den notwendigen
grenzen des schönen" (s. 404).
Während seiner arbeit an den ästhetischen briefen findet
der dichter aber für das wesen des ästhetischen Umgangs eine
wichtige formel: der ästhetische Umgang gehört zu der kunst
des schönen Scheins. Von dieser kunst handelt er in den
letzten ästhetischen briefen, und wenn er im 26. brief (s, 371)
verspricht, von den notwendigen grenzen des schönen Scheins
noch einmal insbesondere zu reden, so meint er nichts anderes,
als den teil der Augustenburger briefe, den er Garve gegen-
über als die schrift vom ästhetischen umgang bezeichnet.
Wie er sich das Verhältnis dieser geplanten schrift über die
grenzen des schönen Scheins zu den briefen über die ästhetische
erziehung dachte, zeigt die schlufsanmerkung in den hören
(s. 384). Von dem „Staat des schönen Scheins" hat der dichter
in dem letzten brief gehandelt ; er fĂĽgt die bemerkung hinzu :
„Da es einem guten staat an einer konstitution nicht fehlen
darf, so kann man sie auch von dem ästhetischen fodern.
Noch kenne ich keine dergleichen, und ich darf also hoffen,
dafs ein erster versuch derselben, den ich dieser Zeitschrift
bestimmt habe, mit nachsieht werde aufgenommen werden."